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Eiweißfuttermittel

Ölmühlen warnen vor zunehmender Eiweißlücke

Junge Rapspflanze
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Josef Koch, agrarheute
am
15.11.2018

Die Ölmühlen fordern, die Rahmenbedingungen für den Rapsanbau in Deutschland zu verbessern. Sonst werde die Eiweißlücke immer größer. Dann müsste noch mehr Sojaschrot eingeführt werden.

Raps

Immer weniger heimisches Proteinfutter landet in deutschen Futtertrögen. Schuld daran ist nicht nur die Witterung. Den größten Einbruch erleidet Raps. Soja und Sonnenblumen aus europäischem Anbau können die Verluste nicht kompensieren. 

Daher fordert der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) eine umfassende Eiweißstrategie, um die Rahmenbedingungen für den Rapsanbau zu verbessern. Dazu zählen die Intensivierung von Forschung und Entwicklung hinsichtlich neuer Rapssorten, etwa mit besserem Stickstoffbindungspotenzial und höherer Widerstandsfähigkeit gegen Rapskrankheiten und Schädlinge, oder die Neuzulassung und Weiterentwicklung von Pflanzenschutzmitteln, die insbesondere als Beizmittel wieder für mehr Anbausicherheit sorgen könnten.

Die Kleine Kohlfliege und der Rapserdfloh profitierten in diesem Jahr vom Verbot insektizider Beizmittel, indem sie sich ungehindert ausbreiteten und zu massiven Ernteverlusten führten. „Eine Eiweißstrategie ohne Berücksichtigung der Potenziale der mit Abstand wichtigsten deutschen Eiweißpflanze - dem Raps - ist über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt“, sagt Dr. Thomas Schmidt, Leiter der Abteilung Futtermittel und Tierernährung bei OVID.

Nur noch 28 Prozent Selbstversorgungsgrad

Seit 2014 haben sich die deutschen Rapserträge von 6 auf 3,5 Mio. t nahezu halbiert. Infolgedessen sank der Selbstversorgungsgrad mit heimischem Proteinfutter im gleichen Zeitraum von 40 auf nur noch 28 Prozent.

„Spätestens jetzt sollten bei allen Verantwortlichen die Alarmglocken läuten“, warnt Dr. Thomas Schmidt zum Auftakt der EuroTier.

Politik ignoriert den Raps

Raps ist Deutschlands wichtigste Eiweißpflanze. Drei Viertel des heimischen Proteins stammt aus Raps. Laut Koalitionsvertrag möchte die Bundesregierung die Attraktivität von Eiweißpflanzen erhöhen und rückt den Fokus nahezu ausschließlich auf Leguminosen wie Ackerbohne, Futtererbse und Lupine. Dafür sind jährlich 6 Millionen Euro im Bundeshaushalt eingeplant.

„Die Politik ignoriert dabei bewusst die effizienteste heimische Proteinquelle. Während Körnerleguminosen gehypt werden, bricht mit der Rapspflanze das wichtigste Fundament der deutschen Eiweißversorgung weg“, so Schmidt.
 

Mehr Sojabohnen gleichen Defizit nicht aus

Sojabohnen-reif

Doch es gibt auch ermutigende Signale, etwa beim gentechnikfreiem Sojaanbau in Deutschland. Soja konnte aufgrund einer Flächenzunahme von 25 Prozent das Vorjahresniveau mit 62.000 Tonnen nahezu halten.

Dennoch ist der Anbau von Körnerleguminosen nach wie vor nicht in der Lage, den dramatischen Rückgang der Rapserträge zu kompensieren. Das aktuelle Erntejahr bestätigt diese Entwicklung besonders deutlich, denn es wurden nur 436.000 t gedroschen. Das sind etwa 20 Prozent weniger Futtererbsen, Ackerbohnen und Lupinen als im Vorjahr.

Sonnenblumenschrot als eine Alternative?

Positiv entwickelt sich hingegen der Markt für Sonnenblumen. 2017 stieg der Verbrauch von Sonnenblumenschrot in Deutschland um 150.000 auf etwa 450.000 t. Unterstützt wird der Trend in diesem Jahr durch eine überraschend gute EU-Ernte von etwa 9,6 Millionen t Sonnenblumenkernen.

Für den Rohstoffhändler Bunge ist europäisches Sonnenblumenschrot daher eine Eiweißalternative mit Zukunft. Dazu Dr. Momme Matthiesen, Corporate Affairs Manager von Bunge: „Sowohl für die Fütterung von Wiederkäuern, als auch für die Geflügel- und Schweinemast sind die neuen gentechnikfreien Sunpro-Produkte auf Basis von Sonnenblumenextraktionsschrot für viele Landwirte eine gute Ergänzung.“

Insekteneiweiß löst Probleme nicht

Mehlwürmer

Als weitere mögliche Eiweißalternative stehen derzeit vor allem Insektenproteine im Rampenlicht. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) liefern Insekten eine hohe Futterverwertungseffizienz sowie das Potenzial, aus Abfällen hochwertiges Protein herzustellen.

Dennoch warnt Dr. Brigitte Paulicks vom Lehrstuhl für Tierernährung an der TU München vor zu hohen Erwartungen: „Insektenprotein bietet nach derzeitigem Wissensstand keine Vorteile gegenüber herkömmlichen Eiweißfuttermitteln; die Haltung und Zucht von Insekten zur Erzeugung von Futterprotein erscheint daher nicht sinnvoll.“

Zusätzlich gelten auch für Insekten dieselben Fütterungsvorschriften wie für andere Nutztiere: die Verfütterung von Abfällen, beispielsweise aus Küche, Industrie oder Tierhaltung, ist tabu.

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