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Salmonellen im Futter: Süddeutsche Bauern haben den Schwarzen Peter

Sojaschrot verladen
© agrarfoto
von am
04.01.2018

Bereits vor Weihnachten teilte ADM Straubing mit, Salmonellen belastetes Futter ausgeliefert zu haben. Doch viele Bauern wurden erst jetzt informiert. Offen ist, wer den Schaden übernimmt.

Etliche süddeutsche Rinder- und Schweinehalter, die vor Weihnachten salmonellenbelastetes Non-GMO-Sojaschrot von der ADM-Ölmühle in Straubing erhalten haben, fühlen sich im Stich gelassen. "Wir sind unzufrieden, wie sich ADM und Veterinärbehörden uns gegenüber verhalten", äußert sich ein Betroffener verärgert. "Schließlich müssen wir unsere Tiere ja weiter füttern können."

Zudem haben betroffene Landwirte erst nach Weihnachten Informationen über den Bezug von belasteten Futtermitteln erhalten, obwohl die Ölmühle bereits seit 13. November 2017 von den Belastungen wusste.

Zwar haben die Tierhalter das belastete Futter inzwischen aus den Silos genommen und nicht mehr verfüttert. Doch auf vielen Höfen lagert noch das Futter, weil die Landhändler offenbar nicht wissen, wie sie es entsorgen sollen und ob ADM das Futter zurücknimmt bzw. für die Entsorgungskosten aufkommt.

Auch die Veterinärbehörden machen nach unseren Recherchen den Landwirten keine klare Vorgaben, wie sie ihre Fütterungsanlagen reinigen müssen. "Mir wurde vom Veterinär empfohlen, meinen Landhändler zu fragen", antwortet ein betroffener Schweinehalter unzufrieden.

Insgesamt hat ADM Straubing laut der Regierung Oberbayern "nach derzeitigem Stand rund 20.000 t Sojaextraktionsschrot" ausgeliefert. Wie viele Landwirte betroffen sind, werde derzeit noch ermittelt.

ADM hält sich bedeckt

Auf agrarheute-Nachfrage schreibt die Regierung von Oberbayern, "ein vom Landwirt bezogenes Futtermittel, das vom Rückruf betroffen ist, ist zu sperren und darf nicht mehr weiter verarbeitet oder verfüttert werden. Die betroffenen Landwirte müssen ihre Lager- und Fütterungseinrichtungen reinigen und desinfizieren".

Die Landwirte erhalten teilweise von ihrem Mischfutterhersteller wie deuka oder Landhändler entsprechende Mittel mit Ameisensäure, um ihre Fütterungsanlagen zu desinfizieren. Doch keiner sagt offenbar den Landwirten, wie das mit Ameisensäure belastete Futter zu entsorgen ist und vor allem, ob ADM für die Kosten aufkommen wird.

Trotz agrarheute-Anfrage vom 2. Januar 2018 hat die Redaktion bisher keine Antwort von ADM erhalten. Aus unserer Sicht wäre ADM aber zur Kostenübernahme verpflichtet.

Laut Regierung von Oberbayern "unterliegt der Betrieb der Kontrolle der amtlichen Futtermittelüberwachung".

Schwierige Schlachtviehvermarktung

Probleme haben derzeit Schweinehalter, die sich für die GVO-freie Schweinemast entschieden haben. Wie Vermarkter berichten, bekommen sie den Salmonellenstatus 3 verpasst und müssen sich einen anderen Schlachthof suchen, der die Schweine aufnimmt. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die attraktiven Zuschläge zum Beispiel im Edeka-Projekt von 9,60 Euro je Schwein, über die wir in agrarheute 1/2018 berichten, nicht in Gefahr. 

Unklar ist auch, wie Milchviehhalter, die das Futter bezogen haben, mit Kühen umgehen müssen, die sie demnächst zum Schlachten geben wollen. Möglicherweise bekommen auch sie Probleme bei der Vermarktung.

Wer Rohmilch direkt zum Beispiel über Milchautomaten vermarktet, muss seine Kunden nochmals gezielt aufs Erhitzen der Rohmilch hinweisen.

Getrennte Schlachtung nötig

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit teilt mit: „Ob landwirtschaftliche Nutztiere tatsächlich betroffen sind, hängt von vielen Faktoren ab und ist allein aufgrund der Tatsache, dass mit Salmonellen kontaminiertes Futter verfüttert wurde, nicht vorhersehbar. Klinisch erkrankte Tiere dürfen grundsätzlich nicht mehr der Lebensmittelkette zugeführt werden.“

Bei der Schlachtung klinisch unauffälliger Tiere, die kontaminiertes Futter erhielten, muss besonders auf hygienische Bedingungen geachtet werden, wie die Zwischenreinigung und Desinfektion der Gerätschaften oder die Vermeidung von Kreuzkontaminationen zwischen den Schlachtkörpern während und nach der Schlachtung. Werden Tiere zur Schlachtung abgegeben, muss der Schlachthof deshalb über die Verfütterung von kontaminiertem Futter informiert werden.

Schaden detailliert aufschreiben

Obwohl die zuständigen Behörden bisher den Landwirten keine klare Vorgaben für die Reinigung und Desinfektion ihrer Silos und Fütterungsanlagen machen, raten wir zu folgenden Punkten, um Ihren Schaden zu dokumentieren:

1. Notieren Sie sich den Zeitaufwand für das Entleeren der Silos und Reinigen der Fütterungsanlage.

2. Haben Sie bereits belastetes Futter kostenpflichtig entsorgt, heben Sie die Belege auf.

3. Sind Sie in Salmonellenstatus 3 gerückt und haben dadurch einen höheren QS-Kontrollaufwand, notieren Sie den Arbeitsmehraufwand.

4. Entgehen Ihnen Vermarktungsboni wie bei GVO-freier Schweinemast: Belege über vermarktete Schweine aufheben.

5. Notieren Sie sich auch höhere Vermarktungskosten oder Preisabschläge bzw. geringere Absatzmengen bei der Vermarktung Ihrer Tiere oder Rohmilch.

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