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Futterversorgung

Silomais: Notreife und extrem kleine Ernte – Futter wird knapp & teuer

Silomaisernte.
am Dienstag, 16.08.2022 - 11:42 (Jetzt kommentieren)

Die Silomaisernte könnte so schlecht werden, wie im Dürrejahr 2018. Ursache sind Hitze und Dürre sowie ein Ertragseinbruch von fast 20 Prozent. Damit rechnet die europäische Crop-Monitoring-Agentur MARS.

Silomaisernte.

Die extreme Trockenheit mit hohen Temperaturen setzt den Maisbeständen schwer zu. Insbesondere auf leichten Standorten vertrocknet der Mais zusehends. Die Crop-Monitoring-Agentur der Europäischen Union hatte die möglichen Erträge beim Grün- bzw. Silomais bereits Ende Juli drastisch nach unten geschätzt. In den letzten beiden Wochen hat sich die Situation jedoch weiter verschlimmert. Der diese Woche in einigen Regionen einsetzende Gewitterregen, kommt oftmals bereits zu spät.

Viele Mais-Bestände – vor allem auf leichten Böden – sind bereits in Notreife übergegangen – und müssen rasch geerntet werden. MARS hatte die möglichen deutschen Silomaiserträge bereits Ende Juli noch auf 38,6 Tonnen je Hektar geschätzt. Das wären 18 Prozent oder knapp 9 Tonnen weniger als 2021 – mit 47,2 Tonne je Hektar.

Das Ergebnis wäre eine Erntemenge von nur noch rund 78 Millionen Tonnen – und damit die kleinste Ernte seit dem Dürrejahr 2018, als die Bauern nur 77,5 Millionen Tonnen von ihren Feldern holten. Doch die letzten beiden heißen und trockenen Wochen haben den Maispflanzen besonders zu schaffen gemacht. „Gerade zur Kolbenbildung und Stärkeeinlagerung weist der Mais einen erhöhten Wasserbedarf auf, die Bodenvorräte waren aber vielerorts bereits erschöpft“, sagt der Landvolk-Vizepräsident Manfred Tannen.

Der Mais ist in der Rinderfütterung durch seinen Stärkegehalt eine wichtige Ergänzung zum eiweißreichen Grünlandaufwuchs. Aber auch dort dürften die Bauern dieses Jahr gewaltige Problem bekommen – denn die Wiesen und Weiden sind ebenso verdorrt, wie der Mais.

Verstrohung der Mais-Bestände und extrem frühe Ernte

Trockenheit und Hitze zur Mais-Blüte, verbunden mit den sehr geringen Bodenwasservorräten, haben in vielen Regionen Deutschlands dazu geführt, dass die Maispflanzen nicht oder nur teilweise befruchtet wurden und kaum Kolben ausgebildet sind. Wenn die Kolben nicht ausgebildet wurden, empfehlen die Experten vom Verein Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion (ISIP) eine Ernte bei 26 bis 28 % TS.

Bei späteren Erntezeitpunkten besteht die Gefahr, dass sich das Erntegut nicht mehr ausreichend verdichten lässt und es in der Folge zu Fehlgärungen kommt. Bei Beständen, die zwar einen Kolben gebildet haben, dieser aber nur schlecht befruchtet wurde, wird vom ISIP eine Ernte bei 28 % TS empfohlen. Kurze Häcksellängen, verbunden mit einer dünnen Schichtdicke während der Silobefüllung, beeinflussen den Silierprozess positiv.

Eine vorzeitige Ernte dürregeschädigter Bestände sollte trotzdem genau überlegt werden, raten die Experten. Erst wenn keine Chance auf Regeneration der Pflanze bzw. kein weiterer Zuwachs an Kolben bzw. Stärke besteht, sollte geerntet werden, bevor die gesamte Pflanze verstroht.

Auch in Teilen Frankens hat die Ernte von Silomais in diesem Jahr bereits Anfang August  begonnen – "außergewöhnlich" früh, sagt etwa der Bauernverband in Mittelfranken. Wegen der Hitze tagsüber hat man den Mais zudem entweder in den Morgenstunden oder abends gehäckselt. Denn hohe Temperaturen im Erntegut führen sonst im Silo zu Fehlgärungen und Futterverlusten.

Ähnlich kritische Situation wie im Dürrejahr 2018

Auch im Dürrejahr 2018 wurde der Silomais im drei bis vier Wochen früher geerntet als in normalen Jahren. Dabei waren die TS-Gehalte oftmals sehr hoch, bei sehr schwachen Erträgen von – nur rund 35 Tonnen je Hektar. Gründe waren, dass die Ernteentscheidungen oftmals zu lange hinausgezögert wurden, sagen Pflanzenbauexperten. Außerdem erfolgte die Abreife sehr schnell (ähnlich wie 2022), sodass ein Verdichten beim Silieren nur sehr unzureichend möglich war.

Außerdem wurde der Mais auch 2018 oft bei Lufttemperaturen von mehr als 30 Grad geerntet. Zu warm einsiliertes Substrat musste dann jedoch mithilfe von Siliermitteln verdichtet werden. Erwärmtes Erntegut zeigt nämlich ein anderes Gärmuster, sagen die Experten. Allerdings kann die Silierbarkeit durch das vorzeitiges und sehr schnelle Abreifen der Pflanze ebenfalls eingschränkt sein. Das ist ist dann der Fall, wenn das Häckselgut aufgrund des hohen Anteils an trockenen Blättern, Stängeln und Lieschen nicht mehr ausreichend verdichtet werden kann.

Bestände, die bereits jetzt hohe Anteile ab­gestorbener Blätter und Stängel aufweisen, sollten deshalb genau beobachtet werden. Möglicherweise muss dann auch vor dem Erreichen der optimalen Silomaisreife gehäckselt werden.

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