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Preise für Eiweißfutter

Tierhalter: Eiweißfutter extrem teuer - bald unbezahlbar?

sojabohnen.
am Montag, 05.10.2020 - 12:17 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Schweine und Rinder sind im Keller. Gleichzeitig steigen die Preise für zugekauftes Eiweißfutter dramatisch.

Sojaschrot.

Sojaschrot kostet am deutschen Importhafen Hamburg derzeit rund 350 Euro je Tonne. Das sind rund 70 Euro mehr als im Juli bzw. ein Preisaufschlag von 25 Prozent. Und die Preisangebote für die nächsten Wochen und Monate sind nicht viel günstiger.

Verantwortlich für die dramatische Verteuerung von Sojaschrot sind die Preis-Entwicklungen in den USA und Südamerika. Während bei den Amerikanern insbesondere die anhaltenden Großeinkäufe Chinas die Sojapreise in Chicago auf ein Zweieinhalbjahreshoch katapultiert haben, treibt die extreme Trockenheit in Südamerika bei der laufenden Sojaaussaat gleich noch die Preise für die nächste Ernte mit in die Höhe.

Und auch Rapsschrot können Tierhalter und Futtermittelhersteller keineswegs günstig einkaufen. Am Hamburger Hafen hatten die Preise zuletzt zwar moderat nachgegeben – doch die sehr enge aktuelle Marktversorgung und die steigenden Sojapreise - sorgten kurz darauf erneut für einen sehr kräftigen Anstieg der Kurse. Hauptursachen für die hohen Rapsschrotpreise sind die sehr kleine europäische Rapsernte und der hohe Importbedarf der Europäer bei Raps. Und natürlich die sehr hohen Sojapreise.

Derzeit werden am Hamburger Hafen für den Rapsschrot rund 240 Euro je Tonne verlangt. Das sind zwar noch 10 Euro je Tonne weniger als zu letzten Preisspitze vor drei Wochen – jedoch 45 Euro je Tonne – bzw. 22 Prozent – mehr als die Einkäufer noch im Juli bezahlen mussten!

Soja: Dürre bei der Aussaat – und sehr hohe Exportsteuern

sojabohnen.

Gerade einmal 1,7 Prozent der geplanten Sojafläche 2020/21 waren in Brasiliens mit Abstand wichtigstem Sojastaat Mato Grosso, nach Angaben des Branchenverbandes Imea, am Ende der vorigen Woche gepflanzt. Der Grund: Der extrem trockene und ausgedörrte Boden, der die Farmer an der Aussaat hindert. Voriges Jahr waren bizum gleichen Termin knapp 7 Prozent der Fläche bestellt. In den letzten fünf Jahren ware durchschnittlich sogar 10 Prozent der Sojabohnen ausgesät.

Auch in Argentinien ist es derzeit sehr trocken – doch die Farmer dort haben noch ganz andere Probleme – nämlich exorbitant hohe Exportsteuern, die die Ausfuhr von Sojaschrot massiv bremsen. Argentinien ist der mit Abstand größte Exporteur von Sojaschrot und Sojaöl auf der Welt. Um die stockenden argentinischen Sojaexporte anzukurbeln, hat die Regierung vorige Woche die sehr hohen Exportsteuern etwas gesenkt.

Der größte Bauernverband des Landes kritisiert jedoch, dass die staatlichen Maßnahmen zur vorübergehenden Senkung der Exportsteuern völlig unzureichend seien und die Probleme der Landwirte in der schweren Wirtschaftskrise nicht lösen könnten. Die Regierung hatte vorige Woche angekündigt, die Exportabgabe bei Sojabohnen um 3 Prozentpunkte auf 30 Prozent zu senken. Die Abgabe soll dann bis Januar aber wieder auf 33 Prozent steigen.

Auch die Exportsteuern für Sojaschrot und Sojaöl werden gesenkt und dann schrittweise wieder steigen.

Europa: Frankreichs nächste Rapsernte wird wieder sehr klein

Rapsschrot.

In Europa – speziell in Frankreich – hat die Trockenheit die Aussaat von Raps das dritte Jahr in Folge massiv beeinträchtigt. Das könnte die erwartete Erholung der Rapsfläche (und der Produktion von Raps und Rapsschrot) erheblich beeinträchtigen. Die franzöische (und deutsche) Rapsernte der letzten Jahren schrumpfte aufgrund von widrigem Wetter, Insektenschäden und rückläufigem Interesse der Landwirte. Raps ist aber die mit Abstand wichtigste Ölsaat in der Europäischen Union.

Einer der wärmsten Sommer in Frankreich, in Verbindung mit sehr geringen Niederschlägen, hat einige der wichtigsten Anbauregionen für Raps jedoch ausgetrocknet. Nachdem die Aussaat unter sehr schwierigen Bedingungen verlief, prognostierten Analysten und Händler jetzt, wie viel Raps gesät wurde und welche Ernte sich daraus entwickeln könnte. "Wir stehen vor einer weiteren komplizierten Saison beim Raps", sagte ein Ölsaatenhändler. Das heißt: Auch Rapssschrot und Rapsöl aus franzöischer Produktion wird wohl im kommenden Jahr knapp bleiben.

Erste Schätzungen der Aussaat-Absichten der Landwirte ergaben, dass die Rapsganbaufläche im Vergleich zur diesjährigen Ernte mit rund 1,0 bis 1,1 Millionen Hektar relativ stabil (klein) bleiben würde, sagte ein Händler. Die gegensätzlichen Bedingungen zwischen sehr trockenen östlichen Zonen des Landes und den westlichen Regionen, in denen deutlich mehr Regen fiel, machten es jedoch schwierig, die Anbaufläche vorherzusagen, heißt es.

Frankreichs Rapsfläche betrug in den letzten beiden Jahren jeweils 1,1 Millionen Hektar, verglichen mit rund 1,5 Millionen Hektar in den Jahren 2015 und 2016. Die Dürre während der Aussaat vor einem Jahr, gefolgt von heftigen Regenfällen im Herbst und weit verbreiteten Insektenbefall, führten dazu, dass die Rapsproduktion in Frankreich in diesem Jahr auf 3,3 Millionen Tonnen zurückging. Das ist ein Drittel weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre, sagt das französische Landwirtschafts-Ministerium.

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