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Landwirtschaft und Klimawandel

Trockenheit: Drohen Futterkrise und Missernte?

Feldarbeiten Frühjahr Trockenheit
am Freitag, 24.04.2020 - 05:10 (1 Kommentar)

Mitten in der Corona-Krise könnte sich für die deutschen Bauern ein weiteres Problem anbahnen: Nämlich die dritte Dürre in Folge!

Noch ist es zwar zu früh, schon die Alarmglocken zu läuten – in einigen Regionen können die Bauern die Auswirkungen der extremen Frühjahrstrockenheit jedoch schon deutlich spüren: Staubtrockene Felder, nicht aufgehende Sommersaaten, Schäden beim Raps und wieder einmal viel zu wenig Aufwuchs auf den Wiesen und Weiden.

Die Lage ist ähnlich wie vor zwei Jahren“, sagt Tobias Fuchs, Leiter der Klimaabteilung beim Deutschen Wetterdienst. Die Luft sei ähnlich trocken, ähnlich warm, die Einstrahlung ähnlich stark, die Böden ähnlich trocken. Und auch damals löste ein Hoch über Mitteleuropa das nächste ab und lenkte Tiefs am Kontinent vorbei, die Zeit der Dürre begann.

Die Indizien seien zwar da, aber noch könne niemand abschätzen, ob das auch so bleibe, sagt Fuchs. Ob sich die Dürre also wiederholt, lässt sich noch nicht verlässlich vorhersagen.

Oberboden bereits extrem trocken

Trecker Trockenheit

Ganz besonders zu leiden haben unter der extremen April-Trockenheit wieder einmal Ostdeutschland und Teile Niedersachsens. In Sachsen schlagen die Bauern wegen der extremen Trockenheit bereits Alarm. "Die Situation ist dramatisch", sagte der Pflanzenbauexperte des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB), Andreas Jahnel.

Der aktuelle Dürremonitor zeige, dass Sachsen in Mitteldeutschland am stärksten von der Trockenheit betroffen sei. Dunkelrote Flächen markierten, dass sich die Trockenheit mittlerweile bis hinein in die tiefen Bodenschichten ziehe. Die oberen zehn Zentimeter Boden sind extrem trocken, und bis in eine Tiefe von 1,80 Metern ist kaum Wasser vorhanden.

Und dennoch etwas fällt auf: Auf der Deutschland-Karte des Dürremonitors des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung sind viele ostdeutsche Regionen dunkelrot eingefärbt: Hier herrscht weiterhin die höchste aller fünf Trockenstufen – also Dürre. Der Präsident des sächsischen Landesbauernverbandes,Torsten Krawczyk, macht sich deshalb große Sorgen über die Folgen der Dürre für die Bauern. "Jetzt beginnt die Vegetation zu wachsen, wir kriegen warme Tage, alles sprießt und uns fehlt das Wasser", sagt der sächsische Bauernpräsident.

Mais und Rüben keimen nicht – Futterkrise geht weiter

„Wir schleppen ein gigantisches Defizit vor uns her", beschreibt Pflanzenbauexperte Jahnel die Situation für den Freistaat Sachsen. Falls die Niederschläge weiterhin ausbleiben, befürchtet Jahnel Ernteausfälle über alle Kulturen hinweg.

Zum einen bräuchten Wintersaaten wie Weizen, Gerste und Raps unbedingt Regen zum Wachsen. Zum anderen sind die im Frühjahr gesäten Kulturen wie Mais, Rüben und Kartoffeln unbedingt auf Niederschläge angewiesen, um überhaupt keimen zu können. Und besonders schlimm ist: Der dringend als Futter gebrauchte erste Grasschnitt wächst ebenfalls nicht.

Jahnel sagt: "Wenn der erste Schnitt nichts bringt, wird es prekär." Er ist meist der ergiebigste Schnitt für die Futtergewinnung. Nach zwei aufeinander folgenden Dürrejahren mit Futtermangel sieht Jahnel keinerlei Reserven für die Tierversorgung aus den Vorjahren.

Der erste Schnitt muss warten

Futterernte

Dass die Probleme mit der Futterversorgung sich schnell zuspitzen können, bestätigen auch andere Landwirte aus der Region. Peter Köhler, Geschäftsführer beim sächsischen Regionalbauernverband Mittweida, geht davon aus, dass der erste Schnitt auf den Grünflächen unterdurchschnittlich ausfällt.

Ähnlich äußert sich auch Jens Hoffmann, Vorstandschef des Wirtschaftshofes Sachsenland. Eigentlich hätte nächste Woche der Schnitt auf dem Grünland beginnen sollen. „Nun werden wir erst mal abwarten", sagt Hoffmann. Aber das sei nur begrenzt möglich. Je länger man das Futter nämlich stehen lasse, je schlechter werden die Futtereigenschaften.

Und auch bei der Aussaat neuer Futterpflanzen macht das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Andreas Jahnel vom SLB berichtet: „Vor drei Wochen hatte ein Landwirt Luzerne als Futterpflanze in den Boden gebracht, bisher sei aber noch nichts aufgegangen“. Dann kamen noch starker Wind und Nachtfröste bis zu minus fünf Grad hinzu. Vor allem in Ostsachsen, wo der Raps teilweise schon in Blüte stehe, befürchten die Landwirte deshalb Schäden. "Das alles verschärft die Situation der Betriebe - zusätzlich zur Corona-Krise", sagt Jahnel.

Auch in Niedersachsen ist es zu trocken

Rapsschäden

Auch in Teilen Niedersachsens ist die Lage durchaus bedrohlich. Thorsten Riggert, Landwirt und Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen sagt: "Die Lage ist angespannt“. Riggert wirtschaftet in Uelzen, einer Region, die wegen ihrer sandigen Böden als einer der trockensten in Niedersachsen gilt.

"Die Temperaturen seien derzeit überdurchschnittlich hoch. Hinzu komme der starke Ostwind, der die Böden zusätzlich austrocknet", beschreibt der Landwirt die Situation. Die im Herbst ausgesäten Pflanzen kämen zwar noch ganz gut zurecht. Im Winter habe es gut geregnet und die Grundwasserstände seien wieder aufgefüllt, sagt Riggert. Aber die neue Einsaat habe es schwer.

Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln und das Sommergetreide liegen in der staubtrockenen Erde und brauchen dringend Wasser. Landwirt Henrik Brunkhorst findet auf seinem Acker im Schaumburg Land jedenfalls Zuckerrübensamen, die noch immer nicht gekeimt haben. "Wir brauchen hier dringend Regen, sonst wird es schwierig", sagt Brunkhorst.
 

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