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Futterversorgung und Futterpreise

Trockenheit: Heupreise steigen auf Jahreshoch

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am Donnerstag, 18.06.2020 - 15:01 (Jetzt kommentieren)

Das dritte Jahr in Folge ist Raufutter knapp. Das zeigen die steigenden Heupreise.

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Die Regenfälle im Juni haben den Wiesen und Weiden etwas geholfen – das Niederschlagsdefizit konnte jedoch vor allem in vielen ostdeutschen Regionen nicht annähernd aufgefüllt werden. Mecklenburg-Vorpommern erlaubt deshalb ab 1. Juli als erstes Bundesland die Futtergewinnung von ökologischen Vorrangflächen. Der Regen der letzten Tage kann das fehlende Futter aus der langen Frühjahrstrockenheit nicht mehr ausgleichen.

„Besonders stark von der Trockenheit sind die tierhaltenden Betriebe betroffen, da das dringend benötigte Futter nicht heranwachsen konnte. Der erste Schnitt konnte bereits das dritte Mal nur mit deutlichen Verlusten im Vergleich zu normalen Jahren eingebracht werden“, sagte Agrarminister Till Backhaus. Der Minister wies darauf hin, dass die Futtergewinnung auf diesen Flächen nicht vor dem 1. Juli erfolgen darf, da dieses zu einem Cross-Compliance-Verstoß führen würde.

Vor wenigen Wochen hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) „an den Dürresommer 2018“ erinnert. Verantwortlich war der besonders trockene April: Die Regenmenge lag weit unter dem Durchschnitt. Nur 17 Millimeter Niederschlag hatte es in Deutschland im ganzen Monat gegeben –  41 Millimeter weniger als im langjährigen Mittel. Und auch im Mai blieben die Niederschläge weiter unter dem Durchschnitt - bei rund 40 Millimeter  – normal sind 71 Millimeter.

Ein weiteres Dürrejahr würde viele Betriebe sehr hart treffen“, sagte auch Agrarministerin Klöckner kürzlich. Man nehme die Sorgen der Land- und Forstwirte vor einem Dürrejahr 2020 deshalb „sehr ernst“, und man beobachte die Entwicklung „sehr intensiv“, sagte die Ministerin.

Heupreise und Stroh fast auf Jahreshoch

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Anzeichen für die anhaltende Verknappung des Futtermitteangebotes sind die steigenden Preise für Heu und Stroh. Im Juni klettern die von den Landwirtschaftskammern erfassten und gemeldeten Heupreise weiter. Im Bundesmittel betrug der Anstieg 1,50 Euro auf etwas mehr als 138 Euro je Tonne – für den Großballen. Das sind die höchsten Heupreise seit Juli vorigen Jahres.

Am stärksten gestiegen sind die Heupreise im Juni in Rheinland-Pfalz. Mehr Geld mussten Heueinkäufer in auch in Brandenburg und Schleswig-Holstein auf den Tisch legen. Überraschenderweise hat sich Heu – trotz sich bereits deutlich abzeichnendem Futtermangel – in einigen ostdeutschen Ländern etwas verbilligt.

Die mit Abstand höchsten Heupreise meldete man im Juni weiterhin aus Niedersachsen mit 168 Euro Tonne – dahinter kommt dann Rheinland-Pfalz mit etwa 155 Euro je Tonne. Im Osten ist die Spannweite der Preise sehr groß und liegt zwischen 137 Euro je Tonne in Brandenburg und 80 Euro je Tonne in Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Gleichzeitig bleiben die Strohpreise kurz vor der dem Beginn der Getreideernte – und damit vor einen deutlich Angebotszuwachs – nahezu stabil. Im Bundesmittel müssen die Abnehmer etwas mehr als 87 Euro je Tonne und Großballen zahlen.

Viele Milchbauern leiden schon unter Futtermangel

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Der erste Grasschnitt ist für viele Milchviehbetriebe von großer Bedeutung, denn damit wird ein großer Teil des Winterfuttervorrates angelegt. Dieses Jahr spitzen sich die Versorgungsprobleme für viele Betriebe jedoch zu: Nach zwei Dürrejahren ist die Versorgung mit Grassilage und Heu in vielen Milchviehbetrieben stark gefährdet.

„Aktuell müssen viele Betriebe Kompromisse bei der Grundfutterqualität eingehen, um die Tiere überhaupt versorgen zu können”, hatte Christine Kalzendorf, von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen bereits im Mai berichtet. „Das Zufüttern von Stroh gehört zu einem solchen Kompromiss, um das wenige Futter zu strecken.”

Nach zwei trockenen Sommern sind die Futtervorräte in vielen Milchviehbetrieben aufgebraucht. Neben der Dürre kam es im vergangenen Jahr zudem durch Feldmäuse oder Tipula, die Larven der Wiesenschnake, vielerorts zu einer sehr starken Schädigung des Dauergrünlandes, so dass große Areale ohne Bewuchs sind. „Dringend wird frisches Gras als Sofort-Futter gebraucht, doch auf den Flächen wächst nicht viel”, beschrieb Kalzendorf die Situation.

„Der fehlende Niederschlag bremst außerdem die erwünschte Massebildung”, ergänzt der LWK-Grünlandberater Gerd Lange. Die Erträge fallen aufgrund der Vorschädigung vieler Flächen sehr unterschiedlich aus. „Dort, wo durch Mäuse oder Tipula alles kahl ist, fällt die Ernte ganzaus – leider waren auch die Nachsaaten oder Neuansaaten auf diesen Flächen durch den Wassermangel nicht erfolgreich”, berichtete der LWK-Grünlandexperte.

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