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Außenhandel

Getreide, Soja, Dünger: Warnstreiks blockieren deutsche Seehäfen

Hafen Hamburg
am Donnerstag, 09.06.2022 - 10:18 (Jetzt kommentieren)

Warnstreiks in deutschen Seehäfen werden für die angespannten Lieferketten zu einer zusätzlichen Belastungsprobe.

Erstmals seit Jahrzehnten sollen Warnstreiks von Hafenarbeitern heute (9.6.) die wichtigsten deutschen Seehäfen lahmlegen. Die ohnehin angespannten Lieferketten im Im- und Export werden dadurch kurzfristig einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt werden. Das wird auch die Ein- und Ausfuhren von Getreide, Sojaschrot oder Düngemittel betreffen.

Die Gewerkschaft ver.di hat mehrere tausend Beschäftigte zu den mehrstündigen Warnstreiks während der Spätschicht aufgerufen. Das soll im laufenden Tarifkonflikt mit Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) den Druck erhöhen.

Hafenlogistiker: Schiffsabfertigung wird gestört

Insbesondere der Hamburger Hafenlogistiker HHLA rechnet mit weiteren Problemen in der Schiffsabfertigung durch die angekündigten Streiks.

Die HHLA betreibt im größten deutschen Seehafen Hamburg drei Containerterminals. Sie sind die wichtigste Drehscheibe für den Im- und Export von Waren nach und von Deutschland.

Und bereits jetzt stauen sich vor allen Seehäfen an der Nordseeküste zunehmend Containerschiffe, die auf Abfertigung warten. Dazu kommen die Container mit Ware, die sich in den Häfen und bei Speditionen stapeln. Aus Sicht der HHLA kämen die Streiks daher eher zur Unzeit, wie ein Sprecher des Hafenlogistikers der Nordsee-Zeitung sagte.

Seit Corona stauen sich die Frachter und Container weltweit

Der Stau von Schiffen und Containern ist allerdings kein Hamburger Problem allein. Mit Beginn der Corona-Pandemie vor zwei Jahren sind die globalen Lieferketten durcheinandergeraten.

In Europa warten derzeit die meisten Schiffe vor Europas größtem Seehafen in Rotterdam auf ihre Ent- und Beladung. Zu Staus kommt es immer wieder auch in den großen Häfen an der Westküste der USA ebenso wie in den Häfen Chinas.

Der Druck der Arbeitgeber, sich mit ver.di und den Beschäftigten schnell zu einigen, dürfte deshalb groß sein. Die Tarifverhandlungen sollen am Freitag in Hamburg fortgesetzt werden. Ver.di betrachtet das von den Arbeitgebern bislang vorgelegte Angebot allerdings als völlig unzureichend.

Hafenarbeiter wollen einen Inflationsausgleich

Die Gewerkschaft ver.di fordert für die rund 12.000 Beschäftigten in 58 tarifgebundenen Betrieben in Hamburg, Bremen und Niedersachsen eine Erhöhung der Entgelte um 1,20 Euro pro Stunde sowie einen tatsächlichen Inflationsausgleich. Zudem fordert ver.di die Erhöhung der jährlichen Zulage für Beschäftigte der Vollcontainerbetriebe um 1.200 Euro sowie eine Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten.

Der ZDS bietet nach Angaben der Arbeitnehmerseite bisher zwei Erhöhungsschritte in diesem und im nächsten Jahr von 3,2 und 2,8 Prozent und Einmalzahlungen von insgesamt 600 Euro an. Angesichts der hohen Belastungssituation und kontinuierlich steigender Preise sowie einer aktuellen Inflation von knapp 8 Prozent erwartet ver.di ein deutlich besseres Angebot.

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