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ifo-Umfrage

Inflation: Warum Butter bald mehr als 3,49 Euro kosten könnte

Bis vor Kurzem empfanden Verbraucher 250 Gramm Butter für zwei Euro als teuer. Heute kostet das Päckchen teils 3,49 Euro.
am Dienstag, 13.09.2022 - 13:30 (Jetzt kommentieren)

Laut einer Umfrage des ifo Instituts wird ein Großteil der Unternehmen in Deutschland die Preise anheben. In der Lebensmittelbranche plant fast jedes Unternehmen Preiserhöhungen.

Im Juli lag der Ifo-Index der Preiserwartungen bei 47,6 Punkten, im August stieg er um 0,1 Punkte. Bei Lebensmitteln zeigt sich ein drastischeres Bild: Hier erreichte der Wert im August 96,8 Punkte und lag im Vormonat bei 99,4 Punkten.

Die Punkte bei den ifo Preiserwartungen zeigen, wie viel Prozent der Unternehmen per saldo planen, ihre Preise zu erhöhen. Der Saldo wird wie folgt berechnet: Man zieht den prozentualen Anteil der Unternehmen, die ihre Preise anheben wollen, vom prozentualen Anteil der Unternehmen ab, die ihre Preise senken wollen.

Discounter erhöhen Preise deutlich

„Ein Auslaufen der Inflationswelle ist leider nicht in Sicht“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Das Gegenteil ist der Fall: Fast alle Unternehmen in der Lebensmittelbranche setzen die Preise hoch.

Die Inflation macht auch vor den Discountern nicht Halt. Im ersten Halbjahr wurden bei Aldi, Lidl und Co. circa die Hälfte der Produkte teurer. In der aktuellen Krisenlage können die Preise – wie es die Discounter in der Vergangenheit oft versprachen – nicht stabil bleiben.

Experte sagt zweistellige Inflationsraten voraus

„Bislang ist von den Energieversorgern nur ein geringer Teil der kräftigen Anstiege der Börsenpreise für Strom und Erdgas an die Kunden weitergegeben worden. Das dürfte sich in den kommenden Monaten ändern und zu zweistelligen Inflationsraten führen.

Die Verbraucher werden daher ihren Konsum einschränken und die gesamte Wirtschaftsleistung wird in der zweiten Jahreshälfte schrumpfen“, sagt Wollmershäuser.

Molkereien von Gas abhängig

Die Erzeugerpreise für Milch sind erheblich gestiegen. Im Juli zahlten manche Molkereien mehr als 60 Cent je kg Milch an ihre Landwirte. Zum Vergleich: Im Juni waren es oft noch 50 Cent.

Bei der Verarbeitung geht die Teuerung weiter, da Erdgas so teuer ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr:

„Milch muss erhitzt und gekühlt werden, um Produkte herzustellen und haltbar zu machen“, sagte Björn Börgermann, Geschäftsführer des deutschen Milchindustrieverbands (MIV) der Augsburger Allgemeinen. „In Molkereien wird viel Energie verbraucht. Das ist für uns eine große Herausforderung.“

Ein Großteil der Molkereibetriebe braucht Gas für die Produktion. Ebenso sind viele Unternehmen der Verpackungsindustrie von Gas abhängig. Erschwerend kommt noch hinzu, dass viele Zulieferer von Papier und Karton in der Ukraine oder in Russland sitzen, was den Export einschränkt. Zusammengenommen führt das zu den steigenden Verbraucherpreisen bei Milch und Milchprodukten.

Kleidung, Elektronik, essen gehen, Reisen – alles wird teurer

In mehreren Bereichen müssen Verbraucher sich auf höhere Preise einstellen. Laut ifo Institut werden Bekleidungs- und Schuhersteller, Gastronomen, Elektronikhersteller, Reisebüros und Gebäudemanagementfirmen ihre Preise anheben.

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