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Verbraucherpreise

Inflation bei Lebensmitteln steigt – Verbraucher spart beim Fleisch

Verbraucherin kauft Fleisch ein
am Mittwoch, 30.11.2022 - 11:29 (2 Kommentare)

Der extreme Anstieg der Lebensmittelpreise hält an. Die Verbraucher sparen beim Fleisch, sagen GfK-Marktdaten.

Sinkende Energiepreise haben die allgemeine Inflationsrate im November etwas gedrückt. Doch der Anstieg der Preise für Lebensmittel setzt sich in Deutschland fort. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, lagen die Verbraucherpreise für Lebensmittel im November nach vorläufigen Angaben im Mittel um 21,0 % über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Die Preissteigerungen haben sich damit bei Lebensmitteln weiter beschleunigt, denn im Oktober hatte sich das Plus auf 20,3 %, im September auf 18,7 % und im August auf 16,6 % belaufen.

Die Verbraucher reagieren auf die höheren Preise laut einer Untersuchung der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) unter anderem, indem sie ihren Fleischkonsum anpassen.

Verbraucher suchen preiswertere Lebensmittel

In einer Sonderbefragung der GfK für die Vion Food Group gaben 31 % der Befragten an, sie könnten sich ihren gewohnten Fleischkonsum nicht mehr leisten.

GfK-Marktdaten zeigen, dass der Absatz von Fleisch kontinuierlich zurückgeht. Knapp ein Viertel der Teilnehmer greift außerdem aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise beim Einkauf zu preiswerteren Fleischprodukten wie Hackfleisch und zu anderen Fleischarten wie Geflügel und Schwein.

Die Preissprünge haben damit einen klaren Bruch des Verbraucherverhaltens ausgelöst. Während die Konsumenten in den Corona-Jahren 2020 und 2021 Premium-Produkte bevorzugten, zählt im Supermarkt jetzt in erster Linie der Preis.

Der Preis für Fleisch schlägt regionale oder Bio-Herkunft

Zwar zeigt die GfK-Erhebung, dass die Verbraucher bei freier Wahl nach wie vor zu 75 % Fleisch aus regionaler Herkunft und zu 65 % Fleisch aus Tierwohl-Programmen bevorzugen würden. Die Bereitschaft, für solche Nahrungsmittel mehr Geld auszugeben, sinkt jedoch.

„Aktuell sticht der Preis die anderen Argumente und hat klar Vorrang bei der Kaufentscheidung“, sagt Vion-Vertriebsmanager Wilhelm Habres.

Bei der Entscheidung zwischen einem geringeren Preis und den Qualitätskriterien sprechen die Ergebnisse der GfK eine klare Sprache: Bei der regionalen Herkunft geben 39 % dem Preis den Vorrang, bei Bio-Qualität sogar 44 %. Der aktuelle Preisanstieg wirkt dem Wunsch zu mehr Regionalität und Bio-Ware entgegen.

Inflation verursacht stärksten Rückgang der Reallöhne seit 2008

In der Umfrage gaben 44 % der Befragten an, damit zu rechnen, dass sich ihre finanzielle Lage durch den Anstieg der Lebenshaltungskosten in Zukunft weiter verschlechtern wird.

Die Statistik stützt diese pessimistische Einschätzung mit Fakten. Die Inflation zehrt den nominalen Anstieg der Löhne in Deutschland mehr als auf. Im dritten Quartal 2022 gingen die Reallöhne nach Angaben der Statistik-Experten aus Wiesbaden um 5,7 % zurück.

Damit mussten die Beschäftigten in Deutschland bereits im vierten Quartal in Folge einen Reallohnverlust hinnehmen. Im 2. Quartal 2022 waren die Löhne inflationsbereinigt um 4,4 %, im 1. Quartal 2022 um 1,8 % und im 4. Quartal 2021 um 1,4 % gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal gesunken. Das ist der stärkste und langanhaltendste Reallohnrückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008.

Ukraine-Krieg treibt die Preise für Energie in die Höhe

Die allgemeine Teuerungsrate für alle Waren und Dienstleistungen lag nach den vorläufigen Daten von Destatis im November 2022 bei 10,0 %. Damit war die Inflation etwas schwächer als im Oktober mit 10,4 %. Einen Monat zuvor hatte die Rate 10,0 % betragen, im August 7,9 %.

Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine steigen in Deutschland vor allem die Preise für Energie wie Gas, Öl und Strom. Die Abschwächung der Energiekosten im Berichtsmonat November war darum maßgeblich für die etwas niedrigere Inflation.

Die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe lagen im November gleichwohl um durchschnittlich 38,4 % über dem Vorjahresniveau. Im Oktober hatte sich das Plus jedoch auf 43,0 % belaufen, im September sogar auf 43,9 %.

Mit Material von AgE, Vion Beef, Destatis
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