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Börsentelegramm

Leichte Besorgnis zum Herbstanbau

Getreide an der Börse
Dr. Martin Ziegelbäck, Saatbau Preisgut GmbH
am
25.10.2017

An der Terminbörse Chicago (CBoT) halten sich die Weizen-Notierungen recht stabil. Die Aussaat des Wintergetreides im nördlichen Europa verzögert sich aufgrund der nassen Witterung.

Bei den Exporten lässt Weizen aus dem Schwarzmeerraum derzeit anderen Ursprüngen keine Chance. Konkurrenzlos günstig sind die Exporte – dementsprechend nahe bei Null liegen die EU-Neubuchungen. Die USA ist durch das Wegbrechen des Exportgeschäfts mit Ägypten sehr um neue Destinationen bemüht. Aktuell ist man in China und Mexiko besonders erfolgreich. Die Notierungen gehen lustlos seitwärts.

Flaute im Export, Nachfrage von den Futtermühlen

Es scheint momentan beim globalen Weizenexport keine anderen Importursprünge als den Schwarzmeerraum zu geben. Überall gehen bei Ausschreibungen oder direkten Buchungen die Zuschläge an die Schwarzmeer-Anrainer.

Trotz gestiegenen Frachtraten und festerem Rubel sind die Angebote immer noch Schnäppchen. So hat beim jüngsten GASC-Tender (230.000 t zur Lieferung Anfang Dezember) wieder Russland den Zuschlag erhalten für 198 bis 201 USD/t fob. Die europäischen Mitbewerber lagen bei über 205 Euro/t fob.

Bis 17.10. wurden aus der EU erst 5,67 Mio. t Weizen exportiert. Im Vorjahres-Vergleichszeitraum waren es 8,17 Mio. t. Die Nachfrage und das Preisgefüge halten momentan eindeutig die europäischen Futtermittel-Mischwerke aufrecht. In ihre Richtung ist der Weizenfluss nach wie vor stabil.

Um Bewegung in den Weizenmarkt zu bekommen, sehen wir gute und dauerhafte EU-Exporterfolge als existenziell an. Bleiben sie aus, wird es sehr schwer werden. Bis dahin könnte uns – Währungsschwankungen ausgenommen – ein emotionsloser Seitwärtsmarkt mit enger Trading-Range zwischen 160 und 165 € begleiten.

Zu nass im Norden, zu trocken im Süden

Extremwetterlagen in der EU

Im aktuellen MARS-Report berichtete die EU-Kommission von zwei Extremwetterlagern in Europa: Nässe hat in Großbritannien, Irland, Schweden, Dänemark sowie den nördlichen Teilen der Niederlande und Deutschlands zu deutlichen Verzögerungen bei der Wintergetreide-Aussaat geführt.

Zu trocken für gute Keimbedingungen ist es hingegen immer noch auf der iberischen Halbinsel sowie in Norditalien.

Schleppende Ernte in den USA

An der CBoT halten sich die Weizen-Notierungen recht stabil. Die US-Erntearbeiten kommen voran, aber nur verzögert. Am Sonntag waren erst 38 % eingebracht statt im Fünfjahresschnitt 59 %.

Die Matif-Notierungen zeigen mit ihren roten Zahlen das Finale einer - im Vergleich zum Vorjahr - guten Ernte in Westeuropa an. Vielmehr belasten aber die hohen EU-Maisimporte die Notierungen.

Reger Maisimport in die EU

Das argentinische Landwirtschaftsministerium gab in seinem letztwöchigen Bericht eine Schätzung zu den neuerntigen Maisflächen ab. Man erwartet einen Zuwachs um etwa 5 % zum Vorjahr auf 8,92 Mio. ha. In den USA könnten die Maisflächen 2018 neuerlich etwas zurückgehen. Informa erwartet 36,6 Mio. ha (-559.000 ha zu 2017). Diese Flächen könnten mit Sojabohnen bestellt werden.

An der Matif stehen die Maisnotierungen erneut unter Druck. Vergangene Woche wurde mit 146,25 €/t der niedrigste Schlusskurs seit mehr als 18 Monaten markiert. Die EU-Importe bleiben rege (341.000 t). In diesem Vermarktungsjahr wurde bisher mit 4,28 Mio. t um 80 % mehr Mais importiert als im Vorjahr.

Rapsöl für die US-Autoflotte?

Beim Raps fehlen die positiven Preisimpulse. Seit der Ernte begleitet uns ein Seitwärtsmarkt zwischen 360 und 375 €/t. In den letzten Wochen gab es rege Importe aus den EU-Nachbarländern, die die knappere deutsche Ernte bei den Ölmühlen gut kompensieren konnten. International drückt die gute Stimmung nach der guten kanadischen Ernte auf die Kurse.

Die einzige spürbare Bewegung bewirkte am Freitagabend die Stellungnahme der US-Umweltagentur EPA, am Renewable Fuels Standard (RFS) festhalten zu wollen. Die US-Regierung will bis Ende November eine endgültige Entscheidung über den Fortbestand dieses Standards und der Quoten treffen. Werden die Beimengungsziele nicht verändert, bräuchte es mehr Importe, um die Nachfrage bedienen zu können, vor allem Sojaöl würde profitieren. Aber auch Rapsöllieferungen in die USA könnten sich ergeben.

Impulse für den Raps zur Jahreswende möglich

Zur Rapsaussaat äußerte sich die EU-Kommission zwiegespalten. Nur in Frankreich sei man früher als üblich und ohne Probleme fertig geworden, so der MARS-Report. Andernorts – insbesondere in vielen Teilen Deutschlands – hat man mit Nässe während der Aussaat gekämpft. Trotzdem seien die Bestände überwiegend gut entwickelt.

Der Rohölmarkt stimmte sich vergangene Woche etwas fester. Reduzierte Lagerbestände und etwas geringere Produktion in den USA gaben leichten Aufwind. Am Freitag folgten dann Gewinnmitnahmen. WTI-Crude Oil notiert am Montag bei knapp 52 USD/Barrel.

Kurzfristig sehen wir keine großen Bewegungen beim Raps. Eher zur Jahreswende könnte Nachfrage seitens der Verarbeiter Impulse für festere Preise geben.

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