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Zuckermarkt

Absturz der Zuckerpreise setzt Politik unter Druck

am Mittwoch, 21.11.2018 - 14:01 (Jetzt kommentieren)

Am europäischen Binnenmarkt bewegen sich die Zuckerpreise weiterhin auf historischen Tiefständen.

Weisszuckerpreise

Die letzte Preiserfassung der Europäischen Kommission zeigt keinerlei Erholungstendenz. Auch am Terminmarkt in London sind die Preise nach einer Zwischenerholung im Oktober wieder drastisch abgesackt.

Dabei dürfte die Zuckerproduktion aus der aktuellen Ernte deutlich kleiner ausfallen als zunächst erwartet wurde. Bei fast allen europäischen Zuckerproduzenten hinterließ die extreme Witterung des Jahres 2018 nämlich deutliche Spuren. Dennoch übersteigt auch die nach unten korrigierte  Produktionsmenge den Bedarf und die innereuropäischen Verwertungsmöglichkeiten deutlich.

Das Ende der Quote hatte nämlich bei allen großen Erzeugerländern zu einer sehr kräftigen Anbauausweitung sowie zu erheblichen Produktionssteigerungen geführt. Im vorigen Jahr erreichte die Produktionsmenge einen neuen Rekordwert von 21,1 Mio. t. In diesem Jahr erwartet die Kommission einen Rückgang der europäischen Zuckererzeugung um knapp 10 Prozent auf 19,2 Mio. t.

Massive Kritik an der EU-Kommission

Zuckerproduktion

Vor diesem Hintergrund nimmt der Druck auf die EU-Kommission zu, die noch immer mögliche private Lagerhaltung zu eröffnen. Außerdem wurde aus verschiedenen Ländern angekündigt, den Rübenanbau im nächsten Jahr einzuschränken.

Die deutsche Zuckerwirtschaft will jedoch trotz der schwierigen Marktlage den deutschen Anbauern nicht empfehlen, ihre Zuckerrübenflächen zu verkleinern. Der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ), Günter Tissen, erklärte, dass die WVZ als Branchenverband nicht ohne weiteres in den Wettbewerb eingreifen und unternehmerische Empfehlungen geben wolle.

Tissen forderte die Kommission statt dessen auf, die durch politische Entscheidungen verursachten Wettbewerbsverzerrungen zu beenden. Kritisiert wurden unter anderem die gekoppelten Zahlungen für den Rübenanbau in einigen Mitgliedstaaten, ungleiche Zulassungen im Pflanzenschutz sowie eine weitere Marktöffnung für Importe und vor allem eine mangelnde Durchschlagskraft gegen das Preisdumping durch Drittländer.

Private Lagerhaltung gefordert

Zuckerernte.jpg

Auf einem EU-Ministertreffen in Brüssel hat jetzt Italien wegen des Preissturzes die rasche Eröffnung der privaten Lagerhaltung gefordert. Unterstützung kam für diesen Vorschlag aus Rumänien, Belgien, Spanien, Ungarn und Slowenien. Tschechien erhob zudem die Forderung nach direkten Zuwendungen aus dem EU-Agrarhaushalt für Rübenanbauer.

Die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lehnt Zuschüsse für die private Lagerhaltung für Zucker jedoch ab. Klöckner unterstützte vielmehr den Kurs von EU-Agrarkommissar Phil Hogan. Er will den EU-Zuckermarkt unter besonderer Beobachtung halten und regte die Bildung einer Expertengruppe aus den nationalen Ministerien an.

Hogan lehnt Hilfen für die private Lagerhaltung ab. Sie würden seiner Einschätzung nach nur den Anpassungsprozess durch die Rübenanbauer und Zuckerhersteller verzögern. Der Ire rechnet mit einem baldigen Rückgang des Anbaus wegen der anhaltend niedrigen Zuckerpreise.

Preisverfall bei Zucker drückt die Rübenpreise

Zuckerpreise london

Der jüngste von der Brüsseler Kommission für den Binnenmarkt gemeldet Weißzuckerpreis lag im September bei 347 Euro je t. Damit bewegen sich die europäischen Zuckerpreise seit drei Monaten auf historischen Tiefs. Der Preisverfall beeinflusst auch die Rübenpreise, deren Vergütung sich aus den Verkaufserlösen beim Zucker ableitet.

Im vorigen Jahr hatte die Zuckerwirtschaft bei den abgeschlossen Rübenverträgen noch mit Zuckerpreisen deutlich über 400 Euro je t kalkuliert. Im August 2017 hatten die Weißzuckerpreise auch bei 500 Euro je t gelegen. Der sogenannte Referenzpreis für die mögliche Auslösung von Hilfsmaßnahmen wie etwa der privaten Lagerhaltung liegt bei 404 Euro je t. Dieser Wert wird seit Dezember 2017 unterschritten.

Am Terminmarkt stehen die Preise nach einer Zwischenerholung im Oktober ebenfalls unter Druck. Nachdem die Kurse in London bis Mitte Oktober auf etwa 384 USD je t (334 Euro) gestiegen waren, ging es bis Mitte November wieder auf  337 USD je t (296 Euro) nach unten. Damit sind die Kurse nur noch 33 USD vom historischen Preistief im August dieses Jahres entfernt.

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