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Ösaaten und Pflanzenöle

Alles über Sonnenblumen: Ernte, Preise - Halbwahrheiten

Sonnenblumen.
am Freitag, 29.04.2022 - 05:00 (2 Kommentare)

Aus Sonnenblumen werden Pflanzenöl und Tierfutter gemacht. Und Überraschung: In Europa wird eigentlich ausreichend Sonnenblumensaat erzeugt, um den Bedarf zu decken. Sagen jedenfalls die Daten der Kommission. Allerdings nicht in allen Ländern, und auch nicht in Deutschland. Und das ist offenbar ein Problem. Aber es gibt noch mehr Schwierigkeiten.

Sonnenblumenpreise.

Der Markt für Sonnenblumen ist ein internationaler Markt. Das sieht man an den Preisen. Diese sind nach dem Ausfall der beiden größten Exporteure, Russland und Ukraine, auf neue Rekordwerte von zuletzt 1.100 USD je Tonne gestiegen. Das ist fast doppelt so viel, wie am Weltmarkt für Soja gezahlt wird und ähnlich viel wie man in Europa derzeit für Rapssaat bietet.

Aber noch einmal zurück, zur Versorgung in Europa. Sonnenblumen sind eine Sommersaat. Zur Ernte 2021 wurden in der EU rund 10,5 Millionen Tonnen geerntet, etwa genau so viel, wie am Ende auch verbraucht wurde. Das sagen jedenfalls die Daten der Kommission. Gleichzeitig wurden etwa 450.000 Tonnen aus Drittländern importiert und etwa 300.000 Tonnen exportiert.

Interessanterweise kam der Großteil der Importe von Sonnenblumensaat nicht etwa aus der Ukraine - sondern aus Moldawien - nämlich etwa 300.000 Tonnen. Die Ukraine steuerte nur knapp 60.000 Tonnen zu den Einfuhren bei.

Völlig anders sieht die Sache jedoch aus, wenn man sich die Einfuhren von Sonnenblumenöl und Sonnenblumenschrot (Tierfutter) anschaut. Bei Öl lieferte die Ukraine rund 1,4 Millionen Tonnen in die EU. Das sind etwa 85 % der gesamten Einfuhren. Bei Schroten kamen in der laufenden Saison rund 750.000 Tonnen (40 %) aus Russland (!!) und 670.000 Tonnen (35 %) aus der Ukraine. Außerdem wurden 420.000 Tonnen (22 %) in Argentinien gekauft.

Das ist eine völlig andere Situation, als wenn man den Markt für Sonnenblumensaat isoliert (ohne Öle und Schrot) betrachtet. Denn auf den beiden zuletzt genannten Teilmärkten, gibt es offenbar einen sehr großen Importbedarf und eine deutliche Unterversorgung.

TOP-Erzeuger: Rumänien, Frankreich und Bulgarien

sonnenblumen produktion.

Noch einmal zurück zur Produktion und Versorgung mit Sonnenblumen in der EU: Schaut man auf die Anbau- und Produktionsdaten aus den EU-Ländern, ergibt sich ein eindeutiges Ranking. Ausgehend von einer Gesamternte von rund 10,5 Millionen Tonnen im vorigen Jahr, konzentrierte sich die Produktion vor allem auf Südosteuropa und auf Frankreich.

Mit Abstand größter Erzeuger in der EU ist danach Rumänien, mit einer Erntemenge von rund 3,0 Millionen Tonnen oder fast 30 % der europäischen Gesamt-Produktion.

Etwa gleichauf, aber deutlich hinter Rumänien, kommen dann Frankreich und Bulgarien: Sie ernten jeweils knapp 2,0 Millionen Tonnen. Dicht dahinter kommt Ungarn, mit einer Ernte von 1,7 Millionen Tonnen. In Spanien werden immerhin noch 800.000 Tonnen Sonnenblumensaat erzeugt. Dann ist der Abstand schon deutlich größer. Etwa 230.000 Tonnen ernten die griechischen Bauern und 200.000 Tonnen meldet die Erntestatistik aus der Slowakei sowie 120.000 Tonnen in Kroatien.

Und dann kommt auch schon Deutschland: Hier wurden im vorigen Jahr etwa 100.000 Tonnen Sonnenblumensaat erzeugt. Fast doppelt so viel wie im Jahr davor. Das zeigt zwar, dass der heimische Markt kräftig wächst, im Vergleich zu Raps, mit einer Ernte von 3,5 Millionen Tonnen, ist das jedoch fast nichts. Die Zentren des deutschen Sonnenblumen-Anbaus liegen vor allem in Brandenburg (30 %) und Sachsen-Anhalt (24 %) - und dann mit einigem Abstand in Bayern, Sachsen und Thüringen.

Und die deutsche Statistik zeigt auch: Allein 440.000 Tonnen Sonnenblumenschrot wurden im Jahr 2020/21 von deutschen Tierhaltern verfüttert. Also ein sehr hoher Anteil an Importen bei Schrot (aus Russland?) und erst recht bei Sonnenblumenöl.

Neue Ernte wird deutlich größer - sehr hohe Preise

Die ersten Schätzungen der Kommission zeigen, dass der Anbau für die Ernte 2022 in Europa kräftig ausgeweitet wurde. Nämlich um fast 200.000 Hektar, auf 4,7 Millionen Hektar. Natürlich vor allem in den oben genannten Hauptproduktionsländern. Die hohen Preise, und die ausbleibenden Exporte vom Schwarzen Meer, bieten einen starken Anreiz zur Anbauausweitung. Das gilt vor allem für die Länder, in denen sich die Landwirte mit dem Anbau und der Ernte von Sonnenblumen auskennen.

Deshalb rechnet die Kommission 2022 mit einem Produktionszuwachs von rund 640.000 Tonnen bzw. 6 % auf immerhin 11,2 Millionen Tonnen. Gleichzeitig werden jedoch die Importe um mehr als 100.000 Tonnen auf 320.000 Tonnen zurückgehen, während die Exporte stabil bei 300.000 Tonne erwartet werden.

Völlig anders ist die Entwicklung bei den Sonnenblumenschrot und Öl. Bei Schrot rechnet die Kommission mit einer Halbierung der Einfuhren auf nur noch 1,0 Millionen Tonnen und bei den Ölen wird ein Rückgang der Einfuhren von 1,5 Millionen Tonnen auf 840.000 Tonnen erwartet.

Die Preisaussichten der Landwirte sind jedoch weiterhin gut. Am wichtigsten Handelsplatz in Frankreich, am Großmarkt Saint-Nazaire, werden derzeit für Sonnenblumen rund 1.000 Euro je Tonne gezahlt. Mehr als doppelt so viel wie im vorigen Jahr. Für die neue Ernte 2022 liegen die aktuellen Preisangebote bei 860 Euro je Tonne. Mit steigender Tendenz.

Französische Händler sagen, die Sonnenblumenpreise halten ihr hohens Aufwärtstempo auf dem europäischen Markt bei. Die Nachfrage ist nach wie stark, insbesondere für Pflanzenölqualitäten. Allerdings wird auch von einer deutlichen Verschiebung der Öl-Nachfrage hin zu Raps- oder zu Sojaöl berichtet.

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