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Klimawandel und Landwirtschaft

Aufreger: Rettet Ökolandbau das Klima?

Striegeln von Ökomais
am
02.01.2019

Eine Studie zu den Folgen des Ökolandbaus für das Klima erhitzt die Gemüter. Wir fassen die Fakten und wichtigsten Kritikpunkte zusammen.

Kernaussage der im Fachmagazin Nature veröffentlichten Untersuchung ist, dass der ökologische Landbau schlechter für das Klima ist als die konventionelle Produktion. Der Grund sind die deutlich niedrigeren Erträge im Ökolandbau. Deshalb wird mehr Fläche benötigt, um die gleiche Menge an Nahrungsmitteln zu erzeugen.

Bei ihrer Untersuchung berücksichtigten die Forscher allerdings nur den Effekt der Landnutzung, nicht jedoch die sonstigen Umweltfolgen der konventionellen oder der ökologischen Landwirtschaft. Das ist unter anderem ein Kritikpunkt, den die Bioverbände und der internationale ökologische Dachverband IFOAM an der Studie haben.

Kritik der Ökoverbände

So kritisiert IFOAM beispielsweise, dass die „organische und konventionelle Produktion nicht systematisch oder in einem globalen oder großen Maßstab“ verglichen worden sei. Außerdem berücksichtigt die Studie nach dieser Einschätzung „keine bedeutende Anzahl von Kulturpflanzen oder Viehbeständen.“

Kritisiert wird außerdem, dass die Autoren um Stefan Wirsenius nicht berücksichtigen, dass die Menschen ihr Konsumverhalten ändern würden. IFOAM geht jedenfalls davon aus, dass die globale Nahrungsmittelnachfrage auch ohne einen Anstieg der Treibhausgase und mit Produktionssystemen, die nicht auf CO2-Effizienz optimiert wurden, gedeckt werden kann.

Eine Voraussetzung dafür wäre laut IFOAM, wenn Wiederkäuer mit Gras gefüttert würden. Hinzu kommt, den menschlichen Verbrauch von tierischen Lebensmitteln zu reduzieren und die Verschwendung sowie die Verluste bei Nahrungsmitteln zu senken.

Was Verbraucher tun können

Allerdings weisen auch die Autoren der Nature-Studie darauf hin, dass ihre Ergebnisse nicht bedeuten, dass Konsumenten aus Gewissensgründen auf den Kauf von nicht-biologischen Lebensmitteln umsteigen sollten.

"Die Art des Essens ist oft viel wichtiger. Zum Beispiel ist der Verzehr von Bio-Bohnen oder Bio-Hühnern für das Klima viel besser als von konventionell produziertem Rindfleisch", sagt Stefan Wirsenius. Bio-Lebensmittel hätten mehrere Vorteile gegenüber Lebensmitteln, die auf herkömmliche Weise hergestellt werden. "In Bezug auf die Klimaauswirkungen zeigt die Studie jedoch, dass Bio-Lebensmittel im Allgemeinen eine viel schlechtere Alternative sind."

Wirsenius empfiehlt deshalb Verbrauchern, die zu den positiven Aspekten des ökologischen Landbaus beitragen wollen, ohne die Auswirkungen auf das Klima zu erhöhen, sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen der Fleisch- und Gemüsesorten zu beschäftigen. So hat der Austausch von Rind- und Lammfleisch sowie Hartkäse durch pflanzliche Proteine wie etwa Bohnen seiner Meinung nach große Auswirkungen.

Andere Studie mit ähnlichen Ergebnissen

Wissenschaftler der Universität Göttingen waren im Oktober 2018 zu ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen wie die Forscher der heiß diskutierten Nature-Studie. Um herauszufinden, ob der Ökolandbau vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen als grundsätzlich nachhaltig eingestuft werden kann, werteten Dr. Eva-Marie Meemken und Prof. Dr. Matin Qaim von der Universität Göttingen rund 150 Einzelstudien und Meta-Analysen zu den Effekten des Ökolandbaus in unterschiedlichen Teilen der Welt aus.

Dabei kamen die Wissenschaftler unter anderem zu dem Schluss, dass die Vorteile des Biolandbaus für Umwelt und Klima nicht gelten, wenn die Effekte pro Produkteinheit statt pro Hektar Ackerfläche verglichen werden. „Die Ertragsunterschiede müssen berücksichtigt werden, weil die globale Nachfrage nach Lebensmitteln weiter wächst“, betonte Matin Qaim. „Wollte man zukünftig die ganze Welt mit Bioprodukten ernähren, bräuchte man deutlich mehr Fläche, was nur auf Kosten von Wäldern und anderen natürlichen Lebensräumen möglich wäre“.

Die Autoren der Göttinger Studie kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass der Ökolandbau zwar in bestimmten Situationen vorteilhaft ist, aber nicht als Leitbild für global nachhaltige Landwirtschaft gelten kann. Sie halten eine Kombination von Methoden des Ökolandbaus und der konventionellen Landwirtschaft, auch unter Berücksichtigung ganz neuer Technologien, für nötig.

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