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Ernteausfälle

Australien kämpft mit extremer Dürre

Trockenheit Australien
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
31.10.2018

In Australien herrscht die schlimmste Dürre seit 20 Jahren. Die Getreideernte könnte auf ein 11-Jahrestief schrumpfen. Auch Tierfutter ist sehr knapp teurer.

Die Erntemengen bei Weizen, Gerste und Canola brechen durchweg dramatisch ein. Im Vergleich zur Ernteprognose von September hat das Landwirtschaftsamt ABARES die erwartete Produktion von Wintergetreide nochmals um 15 Prozent gesenkt.

Die Canolaernte wurde sogar um ein Fünftel nach unten korrigiert. Die Produktionseinbrüche haben auch enorme Folgen für die Ausfuhrmöglichkeiten sowohl bei Weizen und Gerste als auch bei Raps/Canola.

Vor allem der Osten des Landes betroffen

Farm AUstralien

Besonders dramatisch ist die Dürre in der gesamten Osthälfte Australiens. Ganz besonders betroffen ist der für die Getreideproduktion zweiwichtigste australische Bundestaat Neusüdwales. Dort waren die Niederschlagsmengen bis Ende September die drittniedrigsten die jemals aufgezeichnet wurden.

Für Gesamtaustralien meldet man die geringsten Regenfälle der letzten 20 Jahre. Insgesamt sind die betroffenen Flächen jedoch noch etwas kleiner als bei früheren extremen Dürreperioden. Die Analyse von ABARES zeigt, dass bis Ende September etwa 49 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen von der Trockenperiode betroffen waren.

Die bislang schlimmeste Dürre im Jahr 2002/03 hatte allerdings 81 Prozent der landwirtschaftliche Flächen im Griff. Dennoch sind die Auswirkungen der derzeitigen Trockenheit auf die Produktion von Getreide, Ölsaaten und Tierfutter gravierend.

Kleinste Getreideernte seit 11 Jahren

Australien Getreide

Der Direktor von ABARES, Steve Hatfield-Dodds, korrigierte die im Erntebericht von September gemachten Ernteprognosen nochmals sehr kräftig nach unten. Er berichtete, dass die Niederschläge ab September in vielen Anbauregionen weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt lagen.

Hinzu kamen einige bedeutende Frostereignisse in Neusüdwales, in Victoria, in Südaustralien und in Westaustralien. Vereinzelte Regenfälle im Oktober verbesserten die Ernteaussichten nur in sehr wenigen Regionen in Neusüdwales und Südaustralien sowie im für die Getreideproduktion wichtigsten Bundesstaat West-Australien.

Hatfield-Dodds geht derzeit davon aus, dass die Produktion von Wintergetreide 2018/19 rund 15 Prozent unter der Prognose von September liegen wird. Damit schrumpft die Erntemenge von zunächst erwarteten 33,2 Mio. Getreide auf nur noch 28,2 Mio. t. Das wäre die kleinste australische Getreideernte seit 11 Jahren.

Einbrüche bei Weizen, Gersten und Raps

Australien Weizen

Bei Weizen korrigierte Abares die Produktion gegenüber September um weitere 13 Prozent auf gerade einmal 16,6 Mio. t nach unten. Das wäre die kleinste australische Weizenernte seit 11 Jahren und gegenüber dem Vorjahr ein Einbruch von knapp einem Viertel.

Noch schlimmer sieht es bei Gerste aus. Hier setzte Abares die Produktion gegenüber der September-Prognose um 17 Prozent auf 6,9 Mio. t nach unten. Das wäre die kleinsten Ernte seit 12 Jahren und gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von einem Drittel.

Die Ernte bei Canola schätzte Hatfield-Dodds im Vergleich zum September um weitere 20 Prozent auf nur noch 2,2 Mio. t nach unten. Weniger Canola ernteten die australischen Farmer zuletzt vor 9 Jahren. Damals war allerdings auch die Anbaufläche erheblich kleiner. 

Futtermittel knapp und teuer

Rinder in Australien

Die Erntemengen bei Getreide gehen jedoch nicht nur infolge der Dürre und dem Frost zurück. ABARES-Direktor Hatfield-Dodds berichtete auch, dass die Anbauflächen von Wintergetreide und Ölsaaten um etwa 8 Prozent reduziert wurden.

Damit wollten die australischen Farmer eine größere Fläche für die Produktion von Heu gewinnen und die Versorgung ihrer Tierbestände sichern. Die Preise für Heu und Futtergetreide sind von einem niedrigen Niveau kommend zuletzt sehr schnell und kräftig gestiegen. Mittlerweile kostet Heu und Raufutter so viel wie zur letzten großen Dürre 2006/07.

Neues Futter wird etwa ab November (Frühjahr) verfügbar sein. Dann erreicht die Heuproduktion im ihren ersten Höhepunkt. Vielfach wird jedoch auch Getreide vor der Abreife als Tierfutter verwertet. Hinzu kommt die Verwendung alternativer Futtermittel wie etwa Zuckerrohrabfälle. Die Futterpreise bleiben bislang jedoch sehr hoch.

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