Warum die Bauern trotz hoher Rapspreise sauer sind
Rapsreise absichern ist eigentlich eine gute Sache. Manche Landwirte verkaufen die nächste Ernte deshalb lange im Voraus. In dieser Saison war das aber keine so gute Idee. Weder bei Getreide, noch bei Raps. Manche Landwirte wollen nun mehr Geld von den Händlern. Die sind dagegen.
Die Preise, die man vor einem Jahr für den Raps der aktuellen Ernte vereinbart hat, lagen etwa bei 550 Euro je Tonne. Das ist langfristig gesehen zwar ein sehr guter Preis – jedoch meilenweit von den Kursen entfernt, die etwa im April 2022 mit deutlich über 1000 Euro je Tonne, für die alte Ernte, gezahlt wurden. Für die neue Ernte 2022 zeigt der Terminmarkt – trotz der jüngsten Korrektur – immer noch 825 Euro je Tonne an und damit rund 300 Euro bzw. 50 % mehr als vor einem Jahr.
Nicht wenige Landwirte, die diese deutlich niedrigeren Preise vertraglich vereinbart haben, wollen nun einen Ausgleich. Landhändler mahnen hingegen in einem Schreiben Vertragstreue von ihren Lieferanten an. Landwirte wie Carsten Fedder, berichteten indessen in der Neuen Osnabrücker Zeitung, wie weit er seinen im vorigen August auf Vorvertrag verkauften Raps, jetzt unter Marktwert verkaufen muss. Und das bei dramatisch gestiegenen Kosten. Die muss natürlich jeder Landwirt zahlen – egal wie hoch der Rapspreis ist.
Die Lehre für viele Landwirte dürfte sein, eben nicht mehr so früh zu verkaufen und lieber abzuwarten. Wer das in der letzten Saison gemacht hat – auch bei Getreide – hat entgegen der sonst üblichen Empfehlungen, einen sehr guten Schnitt gemacht und vom Markt recht bekommen.
Allerdings braucht man für diese Strategie in der Regel auch eigene Möglichkeiten der Lagerung und Trocknung. Das kann nicht jeder Landwirt leisten. Und auch gute Nerven braucht man, falls die Kurse nämlich extrem schwanken - so wie jetzt wieder.
So ging es für die neue Raps-Ernte in den letzten Wochen zwischen 807 Euro und 883 Euro je Tonne ziemlich wild hin und her. Aktuell notiert die Matif für den August 2022 bei 825 Euro. Die übernächste Ernte 2023 wird derzeit für 705 Euro je Tonne gehandelt. Für August 2024 liegen die Kontraktpreise derzeit bei 651 Euro - und damit immer noch deutlich über dem Niveau der letzten Jahre. Das ist zumindest die Meinung des Termin-Marktes. Heute.
Kanadas langsame Aussaat und regulierte Palmölexporte
Doch die Aussichten für hohe Preise sind weiter gut. Nicht nur, dass die Ukraine als wichtigster Rapslieferant für einen nur zu etwa gut 80 % aus der eigenen Produktion versorgten europäischen Markt ausfällt. Auch die Exportbeschränkungen für Palmöl in Südostasien und die extrem schleppende Rapsaussaat in Kanada, dem weltweit größten Exporteur, halten die Preise für die schwarze Ölsaat wohl noch für lange Zeit oben. Hinzu kommen natürlich die hohen Rohölpreise, die gesamten Markt für pflanzliche Öle und Biotreibstoffe nach oben treiben.
Aktuell bleibt der gesamte Pflanzenölmarkt auch wegen der anhaltenden Exportbeschränkungen in Indonesien angespannt. Die dortige Regierung hat zwar Lieferungen in Drittländer wieder zugelassen, jedoch unter der Bedingung, einen Teil der Mengen auf dem Inlandsmarkt zu vermarkten.
Die Rapspreise gewinnen zudem aufgrund der besonders schwierigen Aussaatbedingungen in einem großenTeil Kanadas wieder an Fahrt. Die kanadischen Aussaaten liegen derzeit weit hinter dem letzten Jahr und dem Fünfjahresdurchschnitt zurück, in einem Kontext, der bereits durch extrem niedrige nationale Bestände (aus der dürrebedingten Missernte des Vorjahres) belastet ist.
Und Rohöl treibt mit der schrittweisen Aufhebung der Covid-Beschränkungen in China den gesamten Biokraftstoffsektor nach oben. Vorige Woche hat zudem Malaysia – der andere große Palmölexporteur - beschlossen, seine Exportsteuern auf rohes Palmöl beizubehalten.
Deutlich weniger Rapsimporte – anhaltend knappe Versorgung
Die Europäische Kommission meldet die europäischen Raps-Importe seit Beginn der aktuellen Kampagne bis zum 15. Mai mit 4,7 Millionen Tonnen. Gegenüber dem vorigen Jahr ist die Liefermenge damit 1,2 Millionen Tonnen! kleiner. Grund ist der Ausfall des bisher wichtigsten Lieferanten Ukraine.
Im gesamten Wirtschaftsjahr hat die EU jetzt 2,2 Millionen Tonnen in Australien gekauft und immerhin noch 1,6 Millionen Tonnen in der Ukraine. Weitere knapp 600.000 Tonnen kamen aus Kanada – der Rest aus Moldawien und Serbien. Die größten Importeure der EU sind die Niederlande, Deutschland, Frankreich und Belgien mit jeweils rund 1 Millionen Tonnen.
Auch der Sojabohnen-Komplex hat sich in Chicago zuletzt weiter nach oben bewegt und die Rapspreise gestützt. Die US-Sojabohnenpflanzungen haben sich zuletzt beschleunigt, lagen bis zum 15. Mai jedoch erst bei 30 % der erwarteten Aussaatfläche, und bewegen sich damit deutlich unter dem Vorjahr (58 %) und auch unter dem Fünfjahresdurchschnitt (39 %).
Der Krieg in der Ukraine bleibt jedoch der wichtigste Aufwärtsfaktor für die Rapspreise - mit extrem reduzierten ukrainischen Raps- und Sonnenblumenölexporten aus der Ernte 2022. In Frankreich und Deutschland wird zwar eine Zunahme der Rapsernte erwartet, aber die Folgen der trockenen Witterungs-Bedingungen in Frankreich und Deutschland beunruhigen die Märkte zunehmend - und stützen die Rapspreise.
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