Login
DBV-Erntebericht

Bauernverband erwartet katastrophale Ernte

Thumbnail
Josef Koch, agrarheute
am
18.07.2018

Massive Ertragseinbußen erleiden die Bauern bei der diesjährigen Getreideernte. Rinderhaltern fehlt es wegen der Hitze und Trockenheit an Grundfutter. DBV-Präsident Rukwied fordert schnelle Hilfen.

Sogar Feldfrüchte auf ertragreicheren Standorten haben unter der lang anhaltenden Trockenheit gelitten, so der 1. Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Insgesamt bestätige sich, dass bei Feldfrüchten und bei Grünland die Ernteausfälle in Teilen der Bundesrepublik ein existenzbedrohendes Ausmaß annehmen, betont DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Eine ebenso schwierige Situation ergibt sich laut Rukwied für die Futterbereitstellung. „Die aktuellen Futterreserven drohen knapp zu werden, da der zweite und dritte Schnitt bei Grünland teilweise ausfiel. Auch leidet der Mais unter der Trockenheit.“ Die Notwendigkeit, Futter zuzukaufen, setze die Betriebe zusätzlich unter Druck.

Vor diesem Hintergrund erneuerte der Bauernpräsident seine Forderung nach einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage, um die Betriebe bei der dringend notwendigen Liquidität zu unterstützen. Zudem komme es jetzt darauf an, wie Rukwied betonte, dass die Bundesländer in den besonders betroffenen Regionen die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, um die in Schwierigkeiten geratenen Landwirte direkt mit Finanzhilfen zu unterstützen. 

18 Prozent weniger Futtergerste

Die Wintergerste ist bis auf Restflächen in den Höhenlagen der Mittelgebirge und Süddeutschlands nahezu eingebracht. Auf der Grundlage der vorliegenden Ernteergebnisse geht der DBV im Bundesdurchschnitt von einem Ertrag von 6 Tonnen pro Hektar aus.

Gegenüber dem durchschnittlichen Vorjahresertrag von knapp 7,4 Tonnen pro Hektar entspricht dies einem Rückgang von 18 Prozent. Unter Berücksichtigung der Anbaufläche von 1,2 Mio. Hektar ergibt sich daraus eine Erntemenge von 7,3 Mio. t. Das sind 1,7 Mio. t weniger als 2017.

Massive Ertragseinbrüche beim Roggen

Bei Winterroggen, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, hat die Trockenheit zu massiven Ertragseinbrüchen von bis zu 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresertrag geführt.

Im Bundesdurchschnitt lassen die bisherigen Druschergebnisse einen Hektarertrag von 4 Tonnen erwarten. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre (2013 bis 2017) lag der Ertrag bei 5,7 t/ha. Sollten sich die bisher erzielten Erträge bestätigen, wird die Roggenernte bei einer wiederum kleineren Anbaufläche von 532.000 Hektar nur knapp 2,2 Mio. t betragen. Damit fällt die Ernte 0,5 Mio. t niedriger als im Vorjahr aus. Rund zwei Drittel der Roggenfläche sind bisher geerntet.

Deutliche Einbußen auch bei Raps und Weizen

Darüber hinaus sind Winterweizen mit einer Anbaufläche von 2,96 Mio. ha und Winterraps mit einer Fläche von 1,26 Mio.ha wichtige Feldfrüchte für die deutschen Ackerbaubetriebe.

Die Ernte dieser Kulturen hat in vielen Regionen bereits begonnen, was im Vergleich zu früheren Jahren zwei bis drei Wochen zu früh ist. In Teilen von Süddeutschland ist die Ernte schon abgeschlossen. Die bisher vorliegenden Ergebnisse lassen noch keinen Schluss auf das Gesamtresultat zu, deuten aber auch bei Winterweizen und Winterraps auf deutliche Ertragseinbußen hin.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) schätzte zuletzt die deutsche Weizenernte auf 21,5 Mio. t (-12,1 Prozent). Bei Raps erwartet der DRV mit 3,6 Mio. t eine um 17 Prozent niedrigere Ernte im Vergleich zum Vorjahr.

Tierhaltern fehlt Grundfutter

In den nördlichen und östlichen Bundesländern konnte sich nach dem ersten Grasschnitt aufgrund von Wassermangel kein neuer Aufwuchs bilden. Der zweite Schnitt ist daher beispielsweise in Schleswig-Holstein landesweit, aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen großräumig ausgefallen.

Futterbaubetriebe in weiteren Bundesländern wie Hessen befürchten vergleichbare Entwicklungen mit Blick auf den dritten Grasschnitt. Eine ausreichende Versorgung der Tiere ist dann teilweise nur durch überregionalen Zukauf von Futter möglich.

Auch interessant