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Getreideernte

Bayerns Getreideernte schwächelt

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Josef Koch, agrarheute
am
05.07.2018

Die niedrigeren Getreideernten werden die Preise steigen lassen. Darin waren sich die Experten bei der diesjährigen BBV-Ernterundfahrt einig.

Kaniber-Heidl-Erntefahrt

Wegen fehlender Niederschläge müssen auch Bayerns Bauern mit Mindererträgen bei der Getreideernte rechnen. Besonders extrem war die Situation im April, dem für Natur und Landwirtschaft so wichtigen Wachstumsmonat. In Bayern fielen nur 40 Prozent der üblichen Niederschläge. Gleichzeitig war es der heißeste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.

„Diese extreme Wettersituation sowie viele Unwetter und andere Wetterkapriolen spüren die bayerischen Bauern nun schmerzlich bei der Ernte“, sagte Bauernpräsident Walter Heidl am Donnerstag in Neufahrn (Landkreis Freising) bei der gemeinsamen Erntepressefahrt mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

„Wir rechnen deshalb in diesem Jahr nur mit einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte“, so Heidl. Damit wird die Erntemenge etwas unter dem langjährigen Mittel von 6,7 Mio. t (ohne Körnermais) oder 72 dt/ha liegen.

Vor allem auf flachgründigen und in trockenen Regionen im besonders betroffenen ostbayerischen Raum und nördlichen Franken gebe es deutliche Schäden bei Weizen und Raps, ergänzte Kaniber. Trotz der unterdurchschnittlichen Ernte zeigte sich die Ministerin erfreut, dass die Braugerstenfläche um 6.000 ha auf über 105.000 ha gestiegen sei.

Greif erwartet höhere Getreidepreise

Greif-Hermann-BBV-Getreidepräsident

BBV-Getreidepräsident Hermann Greif führt dies auf die besseren Preisaussichten für die Braugerste zurück. Zudem werde die Gerste auch wieder in der mehrgliedrigen Fruchtfolge gefördert.

Der Blick über Bayern hinaus zeigt, dass die Ernte auch in anderen Ländern von Wetterkapriolen geprägt ist: im Westen, speziell Frankreich, war es zu nass, im Osten zu trocken. Europaweit wird deshalb mit kleineren Erntemengen gerechnet.

„Der relativ günstige Euro-Kurs im Vergleich zum US-Dollar stützt gleichzeitig die Exportsituation der EU“, sagte Greif. „Darum erwarten wir für 2018 einen Abbau der EU-Lagerbestände und sehen beim Getreidepreis Luft nach oben.“

Warmes Wetter fördert Schädlinge

Meidinger-Christian-Ökobauer

Beim Raps, in dessen Blütezeit es ungewöhnlich trocken und heiß war, berichten die Bauern beinahe bayernweit von enormen Problemen. Insbesondere die Knospenwelke, aber auch Schädlinge lassen den Ertrag in diesem Jahr schrumpfen.

Bei Kartoffeln haben Landwirte dieses Jahr vor allem mit dem Kartoffelkäfer zu kämpfen. Davon können Franz Steinberger und Ökobauer Christian Meidinger aus Neufahrn "ein Lied singen". Sie mussten dieses Jahr mehrmals ihre Bestände gegen den Schädling behandeln, um größere Schäden zu vermeiden. "Vor allem im Ökolandbau sind die biologischen Mittel deutlich teurer", sagt Meidinger.

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