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Ökolandbau und Absatzkrise

Biobauern werden ihre Kartoffeln nicht los - die Biokrise

kartoffeln.
am Donnerstag, 10.11.2022 - 17:52 (4 Kommentare)

Der Absatz von Bio-Kartoffeln ist um 40 bis 50 Prozent eingebrochen. Das sagte der Präsident des Deutschen Kartoffelhandelsverbandes, Thomas Herkenrath, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Grund dürften die im Vergleich zum konventionellen Anbau deutlich höheren Preise für Biokartoffeln sein.

Die Konsumenten sparten und setzten eher auf „preiswerte Alternativen“, sagte der Verbandspräsident außerdem. Herkenrath kritisierte vor diesem Hintergrund, dass die Bundesregierung an ihren Ausbauzielen für die Öko-Landwirtschaft in Deutschland festhält. Diese will den Bio-Anbau bis 2030 auf 30 Prozent steigern. Angesichts der aktuellen Entwicklung sei das nicht realistisch.

„Die Bio-Anbaufläche bei Kartoffeln wird weiter zurückgehen. Warum? Weil kaum noch jemand Bio kauft,“ sagte Herkenrath. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 10,3 Millionen Tonnen geerntet. Die Anbaufläche betrug 267.000 Hektar.

Therese Wenzel, vom Verband Bio Kartoffel Erzeuger, sagt indessen, dass der Absatzrückgang bei Biokartoffeln über alle Handelsstufen hinweg derzeit nur 15 Prozent beträgt und die Lage für die Bio-Kartoffelbauern ingesamt stabiler ist als vom Kartoffelhandelsverband geschildert.

Nach Angaben des Verbandes Bio Kartoffel Erzeuger wurden zuletzt auf 12.000 Hektar Biokartoffeln angebaut, das sind etwa 4,5 Prozent der gesamten deutschen Kartoffelanbaufläche.

Die vermarktungsfähige Gesamterntemenge an Biospeisekartoffeln lag nach Angaben von Therese Wenzel bei etwa 180.000 Tonnen und damit bei knapp 2 % der Gesamtproduktion.

Wegen des Verzichts auf Dünger und Pflanzenschutz werden im Ökolandbau erheblich niedrigere Durchschnittserträge erzielt als in der konventionellen Landwirtschaft. Das Ertragsniveau lag zuletzt im Schnitt bei 20 bis 30 Tonnen pro Hektar und ist etwa halb so hoch wie das Niveaus im konventionellen Anbau.

Sehr hohe Biopreise drücken Absatz

Kartoffelpreise.

Die deutlich höheren Erzeugerpreise gleichen den Minderertrag im Ökolandbau üblicherweise aus. Doch gerade wegen dieser höheren Preisen gab es zuletzt für fast alle Ökoprodukte im Absatz massive Probleme. Verbraucher müssen wegen der explodierenden Energie- und Lebensmittelpreise jeden Euro dreimal umdrehen und entscheiden sich im Zweifelsfall für die preiswertere Alternative.

Die Erzeugerpreise für konventionelle Kartoffeln (vorw. festkochend) lagen im Kartoffelland Nr. 1, in Niedersachsen, Anfang November bei etwa 25 Euro je dt. Damit bekommen die konventionellen Kartoffelbauern immerhin 10 Euro je dt mehr für ihre Kartoffeln als vor einem Jahr.

Die Preise für Biokartoffeln lagen zuletzt etwa bei 55 bis 60 Euro je dt – das waren 20 Euro je dt mehr als im Jahr zuvor und mehr als doppelt so viel, wie die konventionellen Landwirte für ihre Kartoffeln bekommen. Damit wird abrr auch deutlich, dass die Biobauern in Zeiten knapper Kassen und schmaler Budgets ein echtes Problem haben.

Denn die Verbraucher müssen diese hohen Preise ebenfalls bezahlen. Das gilt im Übrigen nicht nur für Kartoffeln, die ein sehr kleines Marktsegment im Biobereich abbilden, sondern auch für Milch, Fleisch und wohl auch für Biogetreide.

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass es vielleicht schon ein Erfolg ist, wenn der Biolandbau seine Marktanteile halten kann. An einen Ausbau ist unter diesen schwierigen Bedingungen eher nicht zu denken. Denn die Absatzkrise ist vor dem Hintergrund der rekordhohen zweistelligen Inflation – auch bei Lebensmitteln - noch lange nicht vorbei.

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