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Ökolandbau und Getreidemarkt

Biogetreide: Hohe Preise und niedrige Erträge - Das Dilemma

Hafer
am Donnerstag, 06.01.2022 - 14:55 (54 Kommentare)

Die Biobauern haben 2021 mehr Getreide geerntet. Doch das sind nur 3 Prozent der Gesamternte. Die Preise für Biogetreide waren zwar hoch - aber nicht höher als im Vorjahr. Im Gegenteil.

biogetreide.

Die Biobauern haben im vorigen Jahr so viel Getreide geerntet wie noch nie. Dennoch entspricht die Erntemenge von rund 1,2 Millionen Tonnen nicht einmal 3 Prozent der eher schwachen gesamten deutschen Getreideernte von 42,1 Millionen Tonnen. Dabei werden nach Angaben des Informationsportals Ökolandbau immerhin 10,3 Prozent der Flächen ökologisch bewirtschaftet. Und sogar 13,5 Prozent aller Landwirte sind Biobauern.

Doch die Entwicklung der Produktivität hinkt offensichtlich hinter dem Flächenzuwachs und der Zahl der biologisch wirtschaftenden Betriebe hinterher. Deutlich wird das bei den Getreideerträgen: Die Agrarmarktinformations-Gesellschaft (AMI) schätzt den durchschnittlichen Ertrag bei Biogetreide im Jahr 2021 auf 33,7 dt/ha und damit etwa so hoch wie im Jahr zuvor.

Die konventionellen Ackerbauern ernteten in einem schwierigen Jahr 2021 hingegen rund 69,6 dt Getreide je Hektar und damit doppelt so viel wie ihre Kollegen im Biolandbau.Am größten sind die Ertragsunterschiede mit 73,3 dt zu 36,7 dt beim Weizen und am geringsten mit 43,7 dt zu 32,6 dt beim Hafer.

Das heißt auch: Der Produktionszuwachs im Ökolandbau hat seine Ursache ausschließlich in einer Ausweitung der ökologischen Getreidenabaufläche um etwa 13.000 Hektar zu verdanken - auf jetzt rund 367.000 Hektar. Das sind rund 6 Prozent der gesamten deutschen Getreidefläche.

Gleichzeitig hat sich der Flächenzuwachs im Vergleich zu den Boom-Jahren 2017 bis 2019, als die Biogetreidefläche zweistellig zulegte, auf rund 4 Prozent deutlich verlangsamt.

Ökolandbau kann Bedarf an Getreide nicht decken

Ingesamt verdeutlichen die Ertragsdaten jedoch ein Problem: Ein weiterer Zuwachs des Ökolandbaus bedeutet unter den derzeitigen Bedingungen einen deutlichen Rückgang der gesamten Getreideproduktion. Unterstellt man einmal, dass die deutsche Getreidefläche zu 100 Prozent ökologisch bewirtschaftet werden würde, dann hätte die Getreideernte nicht bei 42,1 Millionen Tonnen gelegen, sondern nur bei 20,4 Millionen Tonnen.

Im Wirtschaftsjahr 2020/21 lag der deutsche Getreideverbrauch jedoch bei rund 43 Millionen Tonnen. Davon waren allerdings 25 Millionen Tonnen Futtergetreide und 8,6 Millionen Tonnen wurden als Nahrungsgetreide benötigt. Der Rest ging in die Industrie oder wurde energetisch verwertet. Außerdem wurden fast 16 Millionen Tonnen Getreide exportiert und gleichzeitig etwa 14,5 Millionen Tonnen importiert.

Exporte wären unter komplett ökologischem Anbau dann kaum noch möglich und die Importe wären wohl deutlich höher. Bereits jetzt deckt auch die Produktion nicht den deutschen Bedarf an Ökogetreide. Zeitnahe Statistiken gibt es zwar nicht, jedoch musste im Schnitt der letzten Jahre etwa ein Drittel des deutschen Bedarfs an Ökogetreide über Importe abgedeckt werden. Etwa zwei Drittel des Gesamtverbrauchs (einschließlich Importe) im Ökobereich wurde verfüttert.

Deutlich mehr Dinkel und Hafer angebaut

biogetreide.

Eine Ursache für die niedrigeren Erträge der Biobauern ist neben dem kompletten Verzicht auf Mineraldünger und chemische Pflanzenschutzmittel auch die völlig andere Anbaustruktur - mit weniger ertragsstarken Getreidearten. Diese Anbaustruktur hat sich im letzten Jahr noch einmal deutlich verschoben.

So haben vor allem Dinkel und Hafer zu Lasten von Weizen und Gerste an Fläche dazugewonnen. Diese Entwicklung spiegelt sicher auch den Boom bei von pflanzlichen Ersatzgetränken aus Hafer sowie von Dinkelbrot und ähnlichen Produkten.

Nach den Daten der AMI hat sich die Produktion von Hafer in den letzten beiden Jahren beinahe verdoppelt und macht mittlerweile fast ein Fünftel der Öko-Getreideproduktion aus. Bei Dinkel ist der Produktionszuwachs ähnlich hoch und das Getreide steuert mittlerweile rund 17 Prozent zur Öko-Getreideproduktion bei. Weizen hat zwar weiter verloren, bleibt mit einem Anteil von knapp 30 Prozent jedoch weiterhin das wichtigste Ökogetreide.

Roggen steuert etwa 16 Prozent zur Produktion bei, Gerste 11 Prozent und Triticale 9 Prozent. Die Erträge der verschiedenen Bio-Getreidearten liegen mit 29,8 dt (Roggen) bis 36,7 dt (Weizen) deutlich näher zusammen als im konventionellen Anbau, mit einer Spanne von 43,7 dt bei Hafer und 73,3 dt bei Weizen.

Hohe Preise für Biogetreide - doch Angebotsplus zeigt Wirkung

Biogetreide.

Die Preise für Biogetreide sind trotz der hohen konventionellen Getreidepreise auch in diesem Jahr deutlich höher als bei den konventionellen Kollegen. Allerdings - wie schon gesagt - bei deutlich niedrigen Erträgen. Ein Großteil der Bioware ist zudem vertraglich gebunden und unterliegt bei weitem nicht den starken Preisschwankungen, die die Bauern bei den konventionellen Getreidearten kennen.

Deshalb haben sich die Preise für die meisten Biogetreidearten in dieser Saison zumindest bis zum Herbst 2021 auch nicht sonderlich verändert. Dabei lagen die Preise für die beiden Getreidearten mit dem stärkten Produktionszuwachs - also für Hafer und Dinkel - sogar unter dem Vorjahr. Das relativ geschlossene System der Biogetreidevermarktung liefert zudem kaum ganz aktuelle Getreidepreise.

Die Erhebungen der AMI zeigen allerdings für etliche Getreidearten im weiteren Verlauf einen Anstieg der Preise. Für Dinkel lagen die durchschnittlichen Erzeugerpreise bei der letzten Erfassung im September (also nach der Ernte) bei 525 Euro je Tonne im Vergleich zu 547 Euro je Tonne im vorigen Jahr. Hier drückt das deutlich größere Angebot möglicherweise auf die Preise.

Für Hafer bekamen die Biobauern zum gleichen Termin im Schnitt 337 Euro je Tonne - im Vergleich zu 376 Euro im Jahr zuvor. Auch hier drückt offenbar das größere Angebot auf die Preise. Für Brotweizen bekamen die Biobauern nach der Ernte 429 Euro je Tonne. Das ist etwa so viel wie im Jahr zuvor.

Die Preise für Futterweizen lagen bei 358 Euro. Deutlich mehr Geld als im vorigen Jahr bekamen die Biobauern vor allem beim Roggen - nämlich 331 Euro anstelle nur 279 Euro je Tonne. Der Grund: Beim Roggen hatte im vorigen Jahre ein sehr großes und schwer zu vermarktendes Angebot die Preise teilweise in den Bereich der konventionellen Vermarktung gedrückt.

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