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China und der Getreidemarkt

Black Box China: Die Wahrheit über Chinas neue Getreideernte

Felder ind China.
am Donnerstag, 15.07.2021 - 10:00 (Jetzt kommentieren)

Den Zahlen aus China kann man nicht trauen, sagen Analysten. Das Problem ist nur: Sie sind enorm wichtig für den globalen Getreide-Markt und die Getreidepreise.

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Nun kommen die ersten Prognosen zur neuen Weizenernte von den Chinesen selbst – und auch das USDA hat Aussagen zur neuen chinesischen Ernte, den Lagerbeständen, dem Importbedarf und dem Einfluss auf die Getreidepreise gemacht. Um es vorweg zu sagen: Der chinesische Getreidemarkt ist weiterhin sehr streng reguliert und Produktion sowie Verkauf werden über ein komplexes System von hohen Aufkaufpreisen und anderen Faktoren beeinflusst und gesteuert.

Oberstes Ziel der chinesischen Führung ist nach wie vor eine ausreichende oder möglichst hohe Selbstversorgung – das ist auch der Grund für die extrem hohen und kostenintensiven Lagerbestände. Diese machen beispielsweise bei Weizen die Hälfte der globalen Vorräte aus und stehen dem globalen Markt eigentlich nicht zur Verfügung.

Seit einigen Jahre gibt es zudem auch Terminmärkte in Dalian und Zhengzhou: Dort werden Mais, Weizen, Raps und Sojabohnen gehandelt. Ausländische Beobachter und Analysten können so zumindest ansatzweise erkennen, wie sich die Preise am regulierten chinesischen Binnenmarkt entwickeln. Fakt ist: Das Preisniveau ist bei allen wichtigen Getreidearten deutlich höher als am Weltmarkt oder am europäischen Binnenmarkt.

So liegen die Weizenpreise aktuell in Zhengzhou für den Juli bei 2633 Yuan je Tonne – das sind immerhin 342 Euro je Tonne und die kommenden Monate werden noch höher gehandelt - bei 2770 Yan oder 360 Euro je Tonne. Davon können deutsche Ackerbauern nur träumen. Raps wird in Zhengzhou für den Juli mit 5719 Yan notiert und für den August mit  5880 Yuan oder umgerechnet 764 Euro je Tonne. Aber zurück zur neuen chinesischen Ernte. Die findet fast zu ähnlichen Zeiten statt wie in Europa.

Die neue Weizenernte soll groß sein – sagen die Chinesen

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Die Aussaat von Winterweizen, der deutlich mehr als 90 Prozent der jährlichen Weizenproduktion ausmacht, erfolgt in China im Oktober. Die Ernte beginnt im Mai und endet im Juni. Sommerweizen wird etwa ab März ausgesät und dann von Juli bis August geerntet. In diesem Jahr haben die Chinesen mehr Winter-Weizen geerntet als im vorigen Jahr - teilte das Statistikamt des Landes vorige Woche mit. Der Grund: Eine Ausweitung der Winterweizenfläche und auch höhere Erträge als im vorigen Jahr.

Die Produktion von Winterweizen, der den Großteil der Weizenproduktion des Landes ausmacht, stieg um etwa 2 Prozent auf gut 134 Millionen Tonnen, teilte das Nationale Statistikamt mit. Die Qualität der neuen Ernte könnte in wichtigen Anbaugebieten jedoch von schlechtem Wetter beeinträchtigt worden sein, glauben chinesische Analysten. Starke Regenfälle in den Hauptanbauprovinzen Shandong, Henan, Hebei und Hubei, vor und während der Erntezeit, behinderten die Ernte und beeinträchtigten die Qualität.

Das USDA schätzt die gesamte chinesische Weizenfläche derzeit auf etwa 23 Millionen Hektar. Die Weizenernte (Sommer- und Winterweizen) haben die Amerikaner auf rund 136 Millionen Tonnen veranschlagt. Das wären gut 2 Millionen Weizen mehr als im vorigen Jahr – und ein neuer Produktionsrekord – die Chinesen lieben Rekorde. Die chinesischen Weizenimporte erwartet das USDA im neuen Wirtschaftsjahr bei 10 Millionen Tonnen und damit fast ebenso so riesig wie im vorigen Jahr.

Große Mengen Weizen und Gerste der neuen Ernte haben die Chinesen schon vor Wochen in Frankreich gekauft. Die gewaltigen chinesischen Lagerbestände sollen wegen des weiter steigenden Verbrauchs das zweite Jahr in Folge schrumpfen - auf nun 143 Millionen – das wäre allerdings immer noch die Hälfte des globalen Weizenbestandes. Um einmal die Dimension deutlich zu machen: in der EU liegen am Ende der Saison noch 11 Millionen Tonnen Weizen in den Lägern und in den USA sind es 18 Millionen Tonnen.

Regulierung nimmt massiv zu – Futter ist knapp

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Die chinesische Führung hat sich im letzten Jahr wegen der angespannten Versorgungslage wieder erheblich stärker in den Getreidemarkt eingemischt – und unter anderem, höhere Mindestaufkaufpreise bei Weizen für die Landwirte eingeführt, um die Produktion anzukurbeln. Gleichzeitig wurden die Mindestverkaufspreise für Weizen bei den Verkaufsauktion für Futtermittelhersteller auf 2350 Yuan oder 305 Euro je Tonnen erhöht, um den steigenden Einsatz von Weizen im Tierfutter abzubremsen.

Chinesische Händler und Futtermittelhersteller hatten wegen der extrem hohen Maispreise immer mehr Weizen aus staatlichen Reserven gekauft, um den Mais im Tierfutter zu ersetzen. Ein chinesischer Getreideanalyst sagte dazu, es sei ein weiterer Schritt der Regierung, den Markt zwischen Mais, Weizen und anderen Getreidearten auszugleichen - man kann auch sagen: zu regulieren.

Die chinesische Regierung hatte zuletzt außerdem nur noch die Teilnahme von Mühlen, Futtermittel- und Viehzuchtunternehmen an den Weizen-Auktionen gestattet. Getreide-Händler wurden hingegen vom Verkauf ausgeschlossen. Die Käufer mussten sich außerdem verpflichten, dass der gekaufte Weizen für den tatsächlichen Verbrauch und nicht für den Handel bestimmt sei.

Chinas Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten hat zudem Richtlinien herausgegeben, in denen die Reduzierung von Mais und Sojamehl in Schweine- und Geflügelfutter angestrebt wird. Diese Maßnahme könnte den globalen Getreidefluss erheblich beinflussen. Chinesische Futtermittelhersteller versuchen jedenfalls den sehr teuren Mais durch billigere Alternativen, insbesondere Weizen, aber auch Maniok, Reiskleie, Gerste oder Sorghum zu ersetzen.

Mais ist weiter Mangelware und sehr teuer

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China hat in diesem Jahr den Maisanbau ausgeweitet, sagte jedenfalls das Landwirtschaftsministerium. Laut Tang Renjian, dem neuen Minister für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten, ist die Anbauausweitung Teil eines umfassenden Plans zur Gewährleistung der Ernährungssicherheit. Die Behörden wollen die zusätzlichen Maisanlächen im Nordosten sowie in Gebieten rund um den Gelben Fluss und die Flüsse Huai und Hai konzentrieren, sagte Tang.

Diese Strategie ist eine Folge der akuten Maisknappheit und der auf  Rekordniveau gestiegen Maispreise. Aktuell wird der Mais der alten Ernte an der Terminbörse in Dalian mit 2785 Yuan gehandelt – das sind etwa 362 Euro je Tonne. Die neue Ernte kostet etwa 2580 Yuan – also 335 Euro je Tonne.

Die riesigen staatlichen Reserven wurden im letzten Jahr deutlich abgebaut und Importeure haben Rekordmengen an Getreide eingeführt, um die Lücken bei der Versorgung der rasch wachenden Schweinebestände zu schließen. Das Problem ist: China hatte in den letzten Jahren die Maisanbaufläche aktiv reduziert, um die riesigen staatlichen Lagerbestände abzubauen und die Produktion anderer Pflanzen, wie etwa Sojabohnen und Weizen, zu steigern.

Nach Angaben des National Bureau of Statistics hatten die Landwirte im Jahr 2020 auf 41,3 Millionen Hektar Mais gepflanzt und davon knapp 261 Millionen Tonnen Mais geerntet. Das USDA erwartet für den kommenden Herbst eine Ernte von 268 Millionen Tonnen von etwa 42 Millionen Hektar.

Die Importe von Mais, der hauptsächlich in Tierfutter verwendet wird, sind im letzten Jahr geradezu explodiert – auf etwa 26 Millionen Tonnen. Mit dieser Importmenge rechnet das USDA  auch im neuen Wirtschaftsjahr – vor allem wegen der weiter rasch wachsenden Schweinebestände.

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