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Bodenpreise in Deutschland

Bodenpreise: Falsche Kaufwerte für Niedersachsen und Baden-Württemberg

Ackerflächen.
am Montag, 08.11.2021 - 13:41 (1 Kommentar)

Vor drei Wochen hat Destatis Bodenpreise veröffentlich. Diese waren für zwei Länder komplett falsch. Nun kommt die Korrektur.

Kaufwerte 2020

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat am Freitag ein Korrektur der Kaufpreise für landwirtschaftliche Grundstücke veröffentlicht. Der Grund: Die zuvor im am 20. Oktober veröffentlichte Version hat für die Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg komplett falsche Bodenpreise ausgewiesen. Während die für Niedersachsen veröffentlichten Preise zunächst deutlich zu hoch ausgewiesen wurden – wurden die Kaufwerte für Baden-Württemberg am 20. Oktober deutlich zu niedrig gemeldet. Und das für alle vier Regierungsbezirke.

Agrarheute hat in einer ersten Analyse der Bodenpreise (In der Sprache der Statistiker: Der Kauferwerte für landwirtschaftliche Grundstücke) – auf diese Auffälligkeiten hingewiesen und die dort veröffentlichten Bodenpreise angezweifelt.

Dabei stellt sich die Frage: Warum sind solche unlogischen Abweichungen bei solch wichtigen Daten nicht gleich aufgefallen und die Preise wurden zunächst falsch publiziert? Vor allem in Baden-Württemberg hätten die ausgewiesenen Kaufwerte bedeutet, dass das die Bodenpreise entgegen dem Trend in fast allen anderen Bundesländern – und auch dem Trend bei den Pachtpreisen – deutlich gefallen wären. Das hätte schon von der Marktlogik nicht gepasst.

Zu Erklärung: Für das Jahr 2019 weist Destatis für Baden-Württemberg durchschnittliche Kaufwerte von 28.677 Euro je veräußerter FdlN aus. In der Veröffentlichung von 20. Oktober wurde für das Jahr 2020 nur ein Preis 20.006 gemeldet: Das wäre ein geradezu drastischer Rückgang der Kaufwerte um knapp 9000 Euro bzw. um 30 Prozent. Das ist praktisch unmöglich!

Im Regierungsbezirk Stuttgart hätte der Preissturz nach der Meldung von 20. Oktober sogar 10.345 Euro betragen und in Tübingen 15.038 Euro oder satte 45 Prozent. Die korrigierten Preise  vom 05. November passen erheblich besser in die Landschaft. So werden für Baden-Württemberg insgesamt jetzt Kaufwerte von 29.577 Euro ausgewiesen – ein plus von 900 Euro zum Vorjahr. Von den vier Regierungsbezirken weisen Stuttgart und Tübingen deutliche Preis-Erhöhungen auf jetzt 32.128 Euro und 36.892 Euro je Hektar aus. In Karlsruhe und Freiburg wird ein ganz leichten Rückgang – auf 23.102 Euro und 21.741 Euro gemeldet.

Preise in Niedersachsen ebenfalls falsch – jetzt deutlich niedriger

Kaufwerte.

Aber das war leider nicht der einzige Patzer: Ebenfalls falsch – nur in die andere Richtung ,war die Preismeldung im Bundesland mit den 3teuersten Bodenpreisen – nämlich in Niedersachsen. Für die Veredlungshochburg wurden für das Jahr 2019 Kaufwerte von 38.182 Euro je Hektar gemeldet – nach Nordrhein-Westfalen mit 53.984 Euro und Bayern mit 63.649 Euro der dritthöchste Wert.

In der am 20. Oktober veröffentlichten Version wurden für Niedersachsen Kaufwerte von 46.559 Euro je Hektar ausgewiesen – das wäre ein Plus von 8.377 Euro gewesen und wohl auch für ein solches Hochpreisland wie Niedersachen etwas viel des Guten. Auch das ist offenbar erst etwas später aufgefallen - als die Zahlen schon schon im Umlauf waren.

Für Nordrhein-Westfalen lag der Preis in der Version vom 20. Oktober bei 59.470 Euro – in einer Spanne der Regierungsbezirke zwischen 32.962 Euro je Hektar in Arnsberg und 89.479 Euro je Hektar in Münster. Insgesamt würde der Boden danach in NRW im Jahr 2020 5.522 Euro mehr kosten als im Jahr zuvor. Das ist von allen Ländern der stärkste Anstieg. Und nach der Korrektur in Niedrsachsen sollte man viellicht auch diesen außergewöhnlich starken Preisanstieg noch einmal überüfen.

Für das teuerste Bundesland – Bayern - meldet Destatis in der Version vom 20. Oktober einen durchschnittlichen Kaufwert für das Jahr 2020 von 63.986 – in einer Spanne der Regierungsbezirke von 24.738 in Oberfranken und 112.118 Euro je Hektar in Oberbayern. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise in Bayern damit aber nur ganz moderat gestiegen – nämlich um 339 Euro.

Destatis lässt die Preise in Bayern und NRW aber in der korrigierten Fassung vom 05. November unverändert.

Nicht jedoch für Niedersachsen: Hier setzt das Statistische Bundesamt die Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke in der korrigierten Fassung von 05. November um 5.643 Euro nach unten: Auf jetzt 40.916 Euro je Hektar. Immer noch ein sehr stolzer Preis, aber „nur noch“ 2743 Euro je Hektar mehr als im Vorjahr.  

Alle anderen Ländermeldungen waren in der vorigen Version offenbar korrekt – doch der durchschnittliche Kaufwert für Deutschland (2020) ändert sich nun ebenfalls. Um immerhin rund 1000 Euro je Hektar  von 27.676 Euro je Hektar auf 26.777 Euro.

Damit sind die bundesweiten Bodenpreise im Jahresvergleich jedoch „nur“ noch leicht um 338 Euro gestiegen – anstelle um 1.237 Euro je Hektar, wie zunächst gemeldet. Schaut man allerdings auf die durchschnittlichen Veränderungen aller Bundesländer (siehe Grafik) – die bis auf zwei Ausnahmen zwischen Plus 330 und 5500 Euro liegen – dann erscheint diese sehr geringfügige Erhöhung von nur 338 Euro zum Vorjahr auch nicht gerade plausibel. (Sorry, liebe Statistiker von Destatis) 

Kommentar

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