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Waldschäden und Holzpreise

Borkenkäfer frisst den deutschen Wald

Fichtenholz
am
29.04.2019

Eine Kombination von Dürre, Borkenkäferplage und Stürmen hatte 2018 zur größten Holzernte seit über einen Jahrzehnt geführt. Die Holzpreise sind dadurch auf den tiefsten Stand seit rund 10 Jahren abgestürzt.

Ganz besonders stark gefallen sind die Preise für Fichtenholz. Dieses Nadelholz wurde vom Borkenkäfer besonders heftig befallen. Und der Borkenkäfer frisst sich weiter durch die deutschen Fichtenwälder - mit schlimmen Folgen für den Baumbestand. Unzählige Bäume müssen gefällt werden um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Das drückt die Preise für Fichtenholz in den Keller.

“Wir sehen die stärkste Massenvermehrung von Borkenkäfern mindestens seit Ende des Zweiten Weltkrieges“, analysierte Professor Michael Müller von der TU Dresden auf einer Fachtagung die derzeitige Lage. Das Sächsische Umweltministerium berichtet am gleichen Ort von den „schlimmsten Waldschäden“ seit 1989 als direkte Folge der Wetterextreme des Jahres 2018.

Aber auch andere Bundesländer sind von den katastrophalen Folgen der Borkenkäferplage massiv betroffen. Forstexperten warnen  vor einer weiteren Verschärfung der Lage. Ursache ist: Milliarden Käfer beginnen jetzt nach der Winterruhe auszuschwärmen und befallen neue Bäume.

Optimale Bedingungen für den Borkenkäfer

Borkenkäfer

In diesem Jahr ist Lage besonders kritisch, da sich die Käfer 2018 unter idealen Bedingungen vermehrt haben und in großer Zahl überwintern konnten. Nach Angaben des Dresdner Professors Müller hat das die Population explodieren lassen. „Abhängig von Temperatur und Tageslänge konnte der Borkenkäfer deshalb auch drei statt zwei Generationen hervorbringen".

Gleichzeitig gibt es viele durch das Extremwetter geschwächte oder vorgeschädigte Bäume. Ganz besonders betroffen sind weiterhin die Fichtenwälder. Ohne ausreichend Regen können diese kein Harz produzieren – das natürliche Insektizid der Bäume. Die Folge sind viele Milliarden Borkenkäfer in deutschen Wäldern.

Und der Großteil der Käfer kam sehr gut über den Winter. „Ein vitaler Baum könnte von den Käfern gar nicht besiedelt werden, der würde sie abwehren und sie im Harz ersticken“ erläutert TU-Professor Müller. Vorgeschädigte Bäume werden jedoch massenhaft von den Borkenkäfern besiedelt. Deshalb droht sich die Borkenkäferplage auszuweiten und bedroht weitere große Waldflächen.

Schnelle Bekämpfung der Käfer ist nötig

Fichtenwald

Die betroffenen Bäume müssten eigentlich so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft werden. Der Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen warnt deshalb eindringlich vor der anhaltenden Bedrohung durch den Borkenkäfer. Dieser beginnt nämlich bei einer Temperatur von 16,5 Grad Celsius wieder auszufliegen.

„Deswegen müssen wir jetzt handeln und den Borkenkäfer effektiv bekämpfen. Hier ist finanzielle Hilfe und eine unbürokratische Umsetzung gefragt, um noch größere Schäden in unseren Wäldern zu verhindern“, sagt Vorsitzende der NRW-Waldbauern, Philipp Freiherr Heereman. Die Mittel sollen vor allem zur Bekämpfung der Schädlinge sowie für zusätzliche Lagerkapazitäten für Holz verwendet werden. Zusätzlich fordert der Verband Steuervergünstigungen im Zusammenhang mit dem Kalamitätsholz.

Die letzte Option zur Bekämpfung der Borkenkäfer ist nach Einschätzung von Forstexperten eine Behandlung der befallenen Bäume mit Insektiziden. Ansonsten kann man nur noch hoffen, dass es in den nächsten Wochen gut regnet und nicht so eine Dürre kommt wie im vorigen Jahr. Dann würden sich auch bisher nicht vom Borkenkäfer befallene Bäume erholen.

Eine weitere Dürreperiode wie im Vorjahr mit langanhaltend hohen Temperaturen könnte Borkenkäferschäden in bislang ungeahntem Maß nach sich ziehen, konstatiert jedenfalls das Sächsische Umweltministerium.

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