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Sojamarkt und Ölsaatenpreise

Brasilien: Extrem langsame Sojaernte lässt Preise steigen

Sojaernte Brasilien
am Freitag, 24.01.2020 - 10:50 (Jetzt kommentieren)

In Brasilien beginnt die Sojabohnen- und Maisernte. Die Ernteprognosen sind relativ hoch.

Doch während die Preise am Weltmarkt fallen, sind die Kurse in Basilien hoch. Grund ist die sehr langsame Ernte und der hohe Bedarf für den Export und für den Binnenmarkt. Deshalb stiegen die regionalen Sojapreise in Brasilien zuletzt sogar an. Nach Angaben des Beratungsunternehmens AgRural sind bislang erst 1,8 Prozent der für die Ernte 2019/2020 vorgesehenen Gesamtfläche abgeerntet.

Dies ist eine deutliche Verzögerung im Vergleich zum Vorjahr, als bereits 6,1 Prozent der Ölsaatenfläche abgeerntet war. Nach der Untersuchung der Analystenfirma Agroconsult lagen die Erträge im Umfeld der "Sojabohnenhauptstadt" Sorriso uin Mato Grosso nd in nahe gelegenen Regionen jedoch zwischen 10 Prozent und 15 Prozent über denen der letzten Saison.

In Argentinien haben die jüngsten Regenfälle der Entwicklung von Soja und Mais spürbar geholfen, teilte der Getreidebörse in Buenos Aires mit.

Hohe Ernteprognosen – trotz Trockenheit

Sojafeld

Ende Januar nimmt die Ernte beim größten brasilianischen Sojaproduzenten, dem  Bundesstaat Mato Gross, üblicherweise kräftig Fahrt auf. Das Mato Grosso Institut für Agrarökonomie (Imea) prognostiziert, dass die Farmer im wichtigsten Anbaustaat zwischen 33 und 34 Millionen Tonnen Sojabohnen produzieren werden. Nach der Soja-Ernte wird üblicherweise meist noch Mais als Zweitfrucht (Safrina) gepflanzt. Das geling jedoch nur, wenn die Sojaernte nicht zu spät beendet ist.

Die Analystenfirma Agroconsult erwartet, dass die Ernte sogar noch größer werden könnte als derzeit geschätzt wird. Für Gesamtbrasilien liegen die Prognosen nach Vorhersagen von Agroconsult bei rund 124,3 Millionen Tonnen, nach 117 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Die Landwirte in Mato Grosso möchten ihre Ernte in diesem Jahr offenbar möglichst schnell verkaufen, berichten Analysten, da die Preise derzeit relativ hoch sind und ein deutlicher Rückgang befürchtet wird.

Agroconsult berichtet "Wir sprachen mit Bauern, die sagten, sie hätten schon 80 Prozent ihrer Ernte  verkauft. Keiner von denen, mit denen wir gesprochen haben, hatte weniger als 50 Prozent gehandelt“. Sojafarmer aus Mato Grosso berichten, indessen dass der größte Teil der Flächen jetzt bereit für die Ernte ist, aber in einigen Regionen, in denen es an Regen gefehlt hat, brauchen die Pflanzen wohl noch einige Zeit, bis die Mähdrescher auf die Felder können. Agroconsult sagt dazu, dass die Dürre zwar die Aussaat von Sojabohnen verzögerte, danach war das Wetter im Allgemeinen jedoch günstig."

Kostenexplosion und steigende Sojapreise

Soja Preis

Aufgrund des schwachen Reals stiegen die Kosten für die brasilianischen Landwirte vor der Aussaat. Bei Farmern in Matto Grosso kosteten die Aussaat in diesem Jahr bis zu 20 mehr. In Staaten, die weiter südlich von Mato Grosso liegen, werden wohl erst im Februar größere Erntefortschritte zu verzeichnen sein. Speziell in Rio Grande do Sul, wo es besonders trocken war, könnte die Sojaernte bis April dauern.

Die Maisernte in Rio Grande do Sul ist immerhin schon zu 13 Prozent eingebracht, berichtet das dortige Rural Institute of Technical Assistance. Die Vereinigung der landwirtschaftlichen Genossenschaften von Rio Grande do Sul aktualisierte ihre Verlustschätzung auf 33 Prozent der Maisernte und 13 Prozent der Sojabohnenernte. Dabei handelte sich bei den Mais-Verlusten jedoch hauptsächlich um Silomais – nicht um Körnermais.

Dennoch hat die Dürre in Rio Grande do Sul sichtbare Marktfolgen. Diese Woche stieg der Preis für einen Sack Sojabohnen (60 kg) in Rio Grande do Sul auf einen neuen Rekordpreis, melden Analysten. An den internationalen Märkten sind die Preise zuletzt indessen weiter gesunken. Grund sind hier jedoch die unsicheren Exportaussichten der Amerikaner nach China – trotz des Handelsdeals. Zum einen kauften die Chinesen ihr Soja zuletzt vor allem in Brasilien – zum andern ist die Nachfrage wegen der insgesamt drastisch dezimierten Schweinebestände deutlich kleiner als in den Vorjahren.

China kauft Soja und Schweinefleisch

soja verladen

Nach Angaben der Universität von Sao Paulo ist das Angebot an Sojabohnen und Mais in Brrasilien trotz des Erntebeginns sehr gering. Die hohe Nachfrage könnte Brasilien sogar dazu bringen, zwischenzeitlich US-Mais zu importieren, um seine Schweinebestände zu versorgen, heisst es.

Ein neuer Bericht der Rabobank geht davon aus, dass die brasilianische Schweineproduktion in diesem Jahr um 5 Prozent zunehmen wird, da sowohl am Inlandsmarkt als auch am Weltmarkt (in China) die Nachfrage kräftig steigt. Die Exporte von Schweinefleisch werden nach Einschätzung der Rabobank nach einem Rekord von 750.300 Tonnen im Jahr 2019 um weitere 15 Prozent wachsen.

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