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Getreidemarkt und Getreidepreise 2021

Braugerste ist Mangelware: Preise im Höhenrausch

Braugerste.
am Dienstag, 16.11.2021 - 14:13 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Braugerste brechen immer neue Rekorde. So viel Geld haben die Bauern noch nie für das wichtigste Sommergetreide bekommen.

Braugerste

Auch für die Ernte 2022 steigen die Preisangebote bereits kräftig. An den wichtigsten französischen Handelsplätzen in Creil und an der Mosel wird Braugerste in dieser Woche mit 345 und 360 Euro  je Tonne notiert. Ein Anstieg zur Vorwoche von etwa 8 Euro.

Vom deutschen Großmarkt in Mannheim wurden diese Woche Braugerstenpreise von 365 bis 375 Euro gemeldet. Die Erzeugerpreise für Braugerste lagen im Südwesten zuletzt ab Hof zwischen knapp 320 und 325 Euro je Tonne, berichtet die Landwirtschaftskammer in Rheinland-Pfalz.

Im Bericht der LWK heißt es: „Alterntige Braugerste bleibt knapp und teuer.“ Fakt ist: So hohe Preise wurden für Braugerste nicht einmal im Dürrejahr 2018 bezahlt. Und auch die bisherigen Rekordpreise während der Finanzkrise 2008 werden jetzt deutlich übertroffen.

Ähnlich hoch wie in Deutschland sind die Preise auch bei unseren französischen Nachbarn. Dort heißt es nicht nur Richtung Nordeuropa ist Braugerste gefragt, sondern auch China kauft weiter Braugerste in Frankreich.

Dabei steigen die Kurse nicht nur für die aktuelle Ernte sondern auch die Händler bieten für die neue Ernte 2022 ebenfalls immer mehr Geld. Dennoch ist der Abstand zu den aktuellen Preise immer noch sehr groß. Am französischen Großmarkt in Creil bieten die Händler für die nächste Ernte derzeit 266 Euro.

An den südwestdeutschen Handelsplätzen liegen die Angebotspreise auf Erzeugerebene für Sommerbraugerste der neuen Ernte zwischen 245 bis 260 Euro – das ist im Vergleich zu den französischen Großhandelspreisen sogar etwas mehr.   

Frankreich mit kleiner Braugerstenernte und Qualitätssorgen

braugerste.

Ein Grund für den steilen Preisanstieg bei Braugerste, ist neben der allgemeinen Getreidepreisrallye, wohl auch die vergleichsweise schwache Qualität der letzten Sommergerstenernte. Das heißt der Markt bekommt offenbar weniger braufähige Gerste angeboten als erwartet und benötigt wird – sowohl Frankreich als auch in Deutschland.

Außerdem spekuliert manch ein Landwirt natürlich auf noch höhere Preise, was man angesichts der anhaltenden Preisrallye niemanden verdenken kann. Der verregnete Sommer hat der Sommergerste offenbar erheblich geschadet und ein beträchtlicher Teil der Ernte in West- und Nordeuropa hat nur noch Futterqualität.

Hinzu kommt: In Frankreich hatten die Bauern sehr viel weniger Sommergerste angebaut als im vorigen Jahr. Das Landwirtschaftsministerium Agreste berichtete im Oktober, dass die französischen Bauern nur auf 537.000 Hektar Sommergerste bestellt hatten. Das war ein Rückgang zum Vorjahr von fast 260.000 Hektar oder 14 Prozent.

Zwar waren die französischen Erträge etwas besser als im sehr trockenen Vorjahr, doch zum einen lässt ganz die Qualität zu wünschen übrig und zum anderen schlägt der Anbaurückgang spürbar zu Buche. Das Resultat: Frankreichs Bauern ernteten mit knapp 3,3 Millionen Tonnen –  etwa 620.000 Tonnen Sommergerste weniger.

Deutsche Ernte ebenfalls klein – und qualitativ schwach

Braugerste.

In Deutschland ist die Lage ähnlich. Sowohl was die Qualität als auch Quantität betrifft. So meldet das Statistische Bundesamt einen Anbaurückgang bei Sommergerste von 64.000 Hektar zum Vorjahr - auf etwa 299.000 Hektar. Hierzulande sind die Erträge mit 51,8 dt aber sogar etwas schlechter als im Jahr zuvor.

Alles in allem wurde damit eine Sommergerstenernte von 1,55 Millionen Tonnen eingebracht. Das sind immerhin 440.000 Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Die größten deutschen Produzenten sind Bayern, Baden-Württemberg mit großem Abstand vor Thüringen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen.

Gebraucht werden der deutschen Brauwirtschaft nach den Daten der BLE zwischen 1,55 und 1,65 Millionen Tonnen braufähige Gerste. In den letzten Jahren waren von der deutschen Sommergerstenernte jedoch bestenfalls rund 1 Millionen Tonnen braufähig. Diesmal könnte es angesichts der Qualitätsprobleme aber auch noch weniger sein. Das heißt auch: Deutsche Brauer sind auf Importe angewiesen – doch unsere französischen Nachbarn und wichtige Exporteure sind ebenfalls eher knapp versorgt.

Außerdem zahlen China und andere Importeure für die in Europa gekaufte Braugerste sehr hohe Preise, wie aus Frankreich zu höheren ist. Und sich mit Braugerste aus dem Vereinigten Königreich einzudecken, wie in anderen Jahren auch, ist angesichts des Lieferketten-Chaos auf den britischen Inseln ebenfalls schwer. Zudem sind die Preise auf den britischen Inseln ebenfalls sehr hoch.

Der Getreidehändler ADM bereichtet diese Woche aus England: „Der Braugerstenmarkt weiter sehr fest. In Großbritannien haben Landwirte diese Woche die alte Braugersten-Ernte zu Preisen verkauft, die die meisten noch nie zuvor gesehen haben.“ Gleichzeitig beobachtet ADM, dass die britischen Landwirte auch mehr Kontrakte für die Ernte 2022 abschließen. Abr das ist vielleicht nur Wunschdenken.

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