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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Braugerste: Preise schießen durch die Decke – 300 Euro notiert

Braugerste.
am Donnerstag, 30.09.2021 - 14:07 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Braugerste kletterten in schwindelerregende Höhen. An den wichtigsten französischen Handelsplätzen in Creil und an der Mosel wird Braugerste diese Woche mit 300 Euro und mehr notiert.

Braugerste.

Vom deutschen Großmarkt in Mannheim wurden diese keine Preise gemeldet. Doch die Erzeugerpreise für Braugerste liegen im Südwesten diese Woche im Schnitt bei 252 Euro je Tonne berichtet die Landwirtschaftskammer in Rheinland-Pfalz. Von eineigen Landwirten wurden auch Erzeugerpreise von 285 Euro je Tonne gemeldet. Im Bericht der LWK heißt es: „Die Gebote für Braugerste ziehen teils sprunghaft an. Gut braufähige Ware ist knapp und bei der Vermarktung wird verstärkt von verdecktem Auswuchs berichtet.“

Das heißt andererseits: Auch im deutschen Südwesten dürften die Braugerstenpreise im Großhandel mittlerweile die 300-Euro-Marke erreicht haben. Fakt ist: So hohe Preise wurden für Braugerste nicht einmal im Dürrejahr 2018 gezahlt. Man muss schon bis zur Finanzkrise 2008 zurückgehen, um Preise von mehr als 300 Euro je Tonne finden. Damals wurden auch die bisherigen Rekordmarken gesetzt – davon ist man derzeit aber nicht mehr allzuweit entfernt.

Die aktuellen Notierungen am wichtigsten französischen Großmarkt in Creil liegen jedenfalls bei 292 Euro je Tonne und damit 7 Euro höher als in der vorigen Woche. An den französischen Verladestellen an der Mosel wurden für Braugerste sogar 305 Euro je Tonne geboten. Dort heißt es allerdings: Nicht nur Richtung Nordeuropa ist Braugerste stark gefragt, sondern auch China kauft Braugerste in Frankreich ein.

Dabei steigen wegen der regen Exportnachfrage und der hohen Weizenpreise auch Preise die Futtergerste. Am wichtigsten französischen Handelsplatz und Exporthafen Rouen werden für Futtergerste 236 Euro geboten und am Großmarkt in Hamburg werden zwischen 229 und 230 Euro je Tonne notiert.

Frankreich mit kleiner Ernte und Qualitätssorgen

braugerste.

Der Grund für den steilen Preisanstieg bei Braugerste, dürfte neben der allgemeinen Getreidepreisrallye, vor allem in der schwachen Qualität der aktuellen Sommergerstenernte zu suchen sein. Das heißt, der Markt bekommt offenbart deutlich weniger braufähige Gerste angeboten als bisher erwartet – sowohl in Frankreich als auch in Deutschland.

Das extreme regnerische Wetter hat der Sommergerste offenbar erheblich geschadet und ein beträchtlicher Teil der Ernte hat möglicherweise nur noch Futterqualität. Hinzu kommt: In Frankreich haben die Bauern erheblich weniger Sommergerste angebaut als im vorigen Jahr. Das Landwirtschaftsministerium Agreste berichtete im September, dass nur 537.000 Hektar mit Sommergerste bestellt worden waren. Das war ein Rückgang zum Vorjahr von fast 260.000 Hektar oder 14 Prozent.

Zwar waren die franzöischen Erträge deutlich besser als im vorigen Jahr, doch zum einen lässt ganz offensichtlich die Qualität zu wünschen übrig und zum anderen schlägt der starke Anbaurückgang mengenmäßig zu Buche. Das Resultat: Frankreichs Bauern ernten mit 3,4 Millionen Tonnen –  etwa 540.000 Tonnen Sommergerste weniger als im Jahr zuvor.

Deutsche Ernte ist klein – und qualitativ schwach

In Deutschland ist die Lage ähnlich. Sowohl was die Qualität als auch Quantität betrifft. So meldete das Statistische Bundesamt im September einen Anbaurückgang bei Sommergerste von 64.000 Hektar zum Vorjahr - auf etwa 299.000 Hektar. Hierzulande sind die Erträge mit 51,8 dt aber sogar etwas schlechter als im vorigen Jahr.

Alles in allem wird damit eine Sommergerstenernte von etwa 1,55 Millionen Tonnen eingebracht. Das sind immerhin 440.000 Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Die größten deutschen Produzenten sind Bayern und Baden-Württemberg, mit großem Abstand vor Thüringen, Reihnland-Pfalz und Niedersachsen.

Benötigt werden in Deutschland nach den Daten der BLE zwischen 1,55 und 1,65 Millionen Tonnen braufähige Gerste. In den letzten Jahren waren von der deutschen Sommergerstenernte aber bestenfalls 1 Millionen Tonnen braufähig. Diesmal könnte es angesichts der Qualitätsprobleme aber deutlich weniger sein.

Das heißt: deutsche Brauer sind auf hohe Importe angewiesen – doch unsere französischen Nachbarn und Exporteure sind ebenfalls knapp versorgt. Außerdem zahlt auch China für die in Europa gekaufte Braugerste derzeit sehr hohe Preise, wie aus Frankreich zu höhren war.

Und sich mit Braugerste aus dem Vereinigten Königreich einzudecken, wie in anderen Jahren auch, dürfte angesichts des Lieferketten-Chaos auf den britischen Inseln ebenfalls sehr, sehr schwer werden. Die hohen Preise werden also noch eine ganze Weile bleiben.

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