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Getreideernte und Getreidepreise

Britische Farmer ernten extrem wenig Weizen - und reichlich Braugerste

Die englische Weizenfläche schrumpft um 25 %.
am Montag, 13.07.2020 - 13:15 (1 Kommentar)

Die britischen Farmer haben 25 Prozent weniger Weizen gesät. Dafür wurden 50 Prozent mehr Sommergerste angebaut.

Beide Kulturen haben auch auf den deutschen Markt beträchtlichen Einfluss. So ist das Vereinigte Königreich – je nach Größe der eigenen Weizenernte in Europa – einer der wichtigsten europäischen Importeure von deutschem Qualitätsweizen. Gleichzeitig exportieren die Briten regelmäßig große Mengen Braugerste auf den Kontinent.

Die aktuellen Anbauverschiebungen könnten die Preise für Weizen und Braugerste auch auf dem europäischen Festland beeinflussen – zumal die europäische Ernte ebenfalls sehr klein wird. Die Briten waren vor ihrem Ausscheiden aus der Europäischen Union, nach Frankreich und Deutschland und noch deutlich vor Polen, der drittgrößte Weizenerzeuger der EU.

Im vorigen Jahr wurde auf den britischen Inseln eine sehr gute Ernte von 16,2 Millionen Tonnen Weizen von den Feldern geholt – gut 1 Millionen Tonnen mehr als im langjährigen Mittel. Das britische Landwirtschaftsamt (AHDB) hat Ende der vorigen Woche nun die Ergebnisse der aktuellen Anbauerhebung veröffentlicht.

Weizenfläche schrumpft um ein Viertel

UK: Kleinste Weizenfläche seit Jahrzehnten.

Im vorigen Herbst hatten sehr ausgiebige Regenfälle und massive Überflutungen im Vereinigten Königreich die Aussaat von Wintergetreide erschwert oder ganz verhindert. Im gesamten Vereinigten Königreich wurde ein Rückgang der Weizenfläche von 25 Prozent bzw. 453.000 Hektar gegenüber dem Vorjahr festgestellt, was einer noch bestellten Weizenfläche von 1.363 Tausend Hektar entspricht. 

Das extreme Wetter im vorigen Herbst spielte die entscheidende Rolle bei dieser sehr starken Anbau-Reduzierung, schreibt das AHDB. Anhaltender Regen im Herbst und Winter veränderte die Anbauabsichten vieler Erzeuger, heißt es weiter. Sie wechselten zu Sommerkulturen, weil sie ihre Wintergetreide nicht aussäen konnten.

In den besonders von den Überflutungen betroffenen Regionen wie den East Midlands gab es eine große Verlagerung zu Sommergetreide. Dort macht der Sommerweizen 34 Prozent der gesamten Weizenanpflanzungen aus, gegenüber den 4 Prozent im Vorjahr, heißt es weiter. Auch in den East Midlands (-32%) und Yorks & Humber (-32%) wurden signifikante Flächenrückgänge bei Winterweizen verzeichnet, was einem Minus von insgesamt 180.000 Hektar entspricht.

Die Preise für britischen Futterweizen sind am Terminmarkt in London seit Ende Juni um etwa 4 Prozent auf zuletzt 168,50 GBP je Tonne gestiegen. Anfang Juni lagen die Weizenpreis allerdings auch schon bei 175 GBP je Tonne und damit deutlich höher. Mit der sehr groß erwarten globalen Weizenernte und großen Ernten bei den wichtigsten Lieferanten, wie Kanada, sind die Kurse jedoch auch auf den britischen Inseln im Juni deutlich gefallen – trotz der sehr klein erwarteten eigenen Ernte.

Starker Zuwachs bei Braugerste

UK: 50 % mehr Sommergerste gesät.

Die gesamte Gerstenfläche im Vereinigten Königreich beträgt 1.358 Tausend Hektar, ein Zuwachs von 19 Prozent bzw. knapp 200.000 Hektar gegenüber dem Vorjahr.

Nach der sehr großen Ernte im Jahr 2019 hätte sich die Anbaufläche für Gerste aus Marktsicht eigentlich verringern müssen, schreibt der AHDB. Denn während des gesamten Wirtschaftsjahres 2019/20 wurde Gerste mit einem erheblichen Preisabschlag auf Weizen gehandelt, was sie wirtschaftlich wenig attraktiv machte.

Trotzdem führten die Witterungsbedingungen dazu, dass viele Erzeuger ihre Absichten auf den Anbau von Sommergerste verlagerten. Die durchschnittlichen Gerstenerträge für 2020 können durch den sehr hohen Anteil an Sommergerste und das extrem trockene Frühjahr zudem noch negativ beeinflusst werden.

Insgesamt wachsen auf 74 Prozent der gesamten Gerstenfläche Braugerstensorten, mit vollständiger Genehmigung des Institute of Brewing & Distilling für die Ernte 2020. Das ist ein deutlicher Anstieg von 56 Prozent gegenüber dem Jahr 2019.

Starker Anbaurückgang bei Wintergerste

UK: Es wurde sehr viel mehr Sommgerste angebaut.

Die gesamte Wintergerstenfläche für 2020 hat sich gegenüber dem Vorjahr um 34 Prozent auf 296 Tausend Hektar verringert. Ähnlich wie bei Winterweizen war das Wetter bei der Aussaat mit erheblichen Herausforderungen verbunden, und nach November ist dann nicht viel Wintergerste gepflanzt worden.

Die reine Sommgerstenfläche liegt bei 1.063 Tausend Hektar und damit um 52 Prozent über dem Vorjahreswert. Der stärkste Anstieg war in England zu verzeichnen (+ 76%).

Die nicht mögliche Aussaat von Winter-Weizen und Winter-Gerste führten dazu, dass Sommergerste für viele Erzeuger die rentabelste Option war.

Die Haferfläche in England und Schottland für 2020 wird voraussichtlich 211 Tausend Hektar betragen. Während Schottland seine Fläche leicht reduziert (-2%), verzeichnet England einen Anstieg von 26 Prozent. In den East Midlands und im Südosten sowie in den West Midlands hat die Fläche besonders stark zugenommen.

Katastrophale Rapsernte erwartet

Die englische Rapsfläche schrumpft drastisch.

Aufgrund der Trockenheit während des Pflanzens und des folgenden übermäßigen Herbstregens sowie den Schäden durch Käfer (CSFB) hat sich der Rapsanbau in England für 2020 drastisch verringert.

Die Fläche wurde jetzt mit 355 Tausend Hektar gemeldet, was einem Rückgang von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Dies ist die niedrigste Fläche in England seit 2002. In großen Raps-Gebieten wie etwa den East Midlands (-35%) und dem Osten Englands (-28%) ist ein besonders starker Rückgang zu verzeichnen. Dies ist eine Reduzierung von 74 Tausend Hektar allein in diesen beiden Regionen.

Es scheint außerdem, dass sich die Schäden durch Käfer nach Westen ausbreiten und auch noch weiter nach Norden gehen könnten. Der jüngste AHDB-Erntezustandsbericht hob hervor, dass 41 Prozent der gesamten Rapspflanzen im Winter entweder als „sehr schlecht“ (15 %) oder als „schlecht“ (26 %) eingestuft wurden, was neben der reduzierten Fläche ein hohes Risiko für Ertragsverluste bedeutet.

Die derzeitige Bedingung dürften zu einer erheblichen Verringerung der Erträge führen, was wiederum zu einem starken Rückgang der Produktion führen könnte. Wenn wir all diese herausfordernden Faktoren kombinieren, könnten die britischen Farmer die schlechteste Rapsernte in diesem Jahrtausend sehen und einen angespannten Rapsmarkt beobachten.

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