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Landwirtschaft und Coronakrise

China: Corona behindert Getreide-Aussaat

Reisfelder China
am Donnerstag, 12.03.2020 - 09:59 (Jetzt kommentieren)

Die großflächigen Sperrzonen wegen der Corona-Epidemie behindern in China die Aussaat von Getreide und Reis.

Außerdem wird auch die Belieferung mit Saatgut und Dünger gestört. Etwa die Hälfte der Getreideflächen – vor allem Reis und Mais - werden in China im Frühjahr bestellt. Die Regierung will einen coronabedingten Rückgang der Getreideproduktion in diesem Jahr aber unberdingt verhindern. Dafür hat die Regierung eigens eine Arbeitsgruppe gebildet.

Die Chinesen befürchten offenbar, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus die Ernährungssicherheit im bevölkerungsreichsten Land der Welt spürbar beeinträchtigen könnten.

Unmittelbar vor Beginn der Frühjahrsbestellung will die Arbeitsgruppe der Regierung deshalb die Landwirte mobilisieren und sicherstellen, dass die Anbaufläche und die Getreideproduktion im Land stabil bleiben.

Landwirte können nicht säen

China Reisfeld

Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Menschen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat die Befürchtung geweckt, dass viele Landwirte ihre Felder nicht bestellen und kein Getreide säen können. Mehr als die Hälfte der chinesischen Getreidefläche wird im Frühjahr bepflanzt, sagte Pan Wenbo, Leiter der Pflanzverwaltung des Ministeriums für Landwirtschaft, in einer Pressekonferenz.

Die Straßensperren und Transportunterbrechungen zur Eindämmung des Virus waren ein erhebliches Hindernis für die Bauern bei der Frühjahrsbestellung, heißt es weiter. Die Provinz Hubei, das Epizentrum des Ausbruchs, ist zudem ein sehr wichtiges Reisanbaugebiet und habe die größten Probleme gehabt, sagte Zhang Yanqiu, Direktor des Saatgutmanagementbüros des Ministeriums.

Das Ministerium bemüht sich deshalb verstärkt, um eine zusätzliche Versorgung der Landwirte in der Zentralprovinz, denen auch wichtige Betriebsmittel wie etwa Mineraldünger fehlen.

Bauern sollen Anbau ausweiten

Reisernte China

"Wenn wir das Problem von Hubei lösen können, werden wir auch die Probleme des ganzen Landes lösen", sagte Zhang. Chinas Düngemittelhersteller sind derzeit zu mehr als 60 % ausgelastet, fügte er hinzu. Der landesweite Aussaatfortschritt sei bislang –  trotz der Probleme – noch mit den vergangenen Jahren vergleichbar, heißt seitens der Regierung. Zhang Yanqiu sagte außerdem, er sei zuversichtlich, dass China seine Produktionsziele bei Getreide und Reis doch noch erreichen könne.

Die Frühjahrsbestellung wird in diesem Jahr ein wichtiger Erfolgs-Indikator für die lokalen Regierungsbehörden sein, fügte Zhang hinzu. Die höheren Preise, die die staatlichen Lagerhalter für Reis in diesem Jahr zahlen wollen, werden auch an die Bauern das Signal senden, mehr Getreide anzubauen, ist Pan Wenbo sich sicher. Die Bhörden versuchen  außerdem, die Landwirte dazu anzuhalten, jährlich zwei Reisernten anzupflanzen.

Dieser Trend ist mit steigenden Produktions-Kosten zuletzt aber wieder zurückgegangen, heißt es weiter. "Um die Sicherheit der Versorgung zu gewährleisten, muss die Reisproduktion jedoch stabilisiert werden, und insbesondere die Fläche des „Doppelsaisonreises“ darf auf keinem Fall weiter sinken", sagt Pan.

Staatliche Preise wurden angehoben

Reisanbau

Die Provinz Hubei, das Virus-Epizentrum mit den strengsten Sperrungen, produzierte 2019 etwa 9 % der gesamten chinesischen Reisernte. China hatte in der vorigen Woche den Mindestpreis für Indica-Reis, der für staatliche Reserven gekauft wird, angehoben. Damit will man einen Anreiz zur Produktion und zur Ausweitung der Anbauflächen sowie zum Anbau einer „zweiten Ernte“ geben.

Der Preis wurde auf 2.420 Yuan (346,91 USD) pro Tonne für frühen Indica-Reis angehoben und auf 2.540 Yuan für Indica in der Zwischensaison sowie für die späte Ernte, was jeweils einem Anstieg von 20 Yuan pro Tonne gegenüber dem Vorjahr entspricht. Es war die erste Erhöhung der staatlichen Mindesteinkaufspreise für Reis seit dem Jahr 2014.

Im Jahr 2019 hatte China auf insgesamt 29,7 Mio. Hektar Reis angebaut – das waren gut 1,0 Mio. Hektar weniger als vor zwei Jahren. Die Produktion wurde mit 146, 7 Mio. Tonnen angegeben und war damit 2 Mio. Tonnen kleiner als in den beiden Jahren davor – auch ohne Corona. Ein weiterer Rückgang des Anbaus und der Produktion könnte für China durchaus Versorgungs-Probleme bringen – denn verbraucht werden etwa 143 Mio. Tonnen. Es gibt allerdings auch riesige staatliche Bestandsreserven von derzeit schätzungsweise 118 Mio. Tonnen. Das sind rund 40 Mio. Tonnen mehr als noch vor 5 Jahren.

China fährt Produktion wieder hoch

China Wirtschaft

Die Einschränkung der Bewegung der Menschen durch Corona hat auch zu einem Mangel an Personal in den Agrarbetrieben und Behörden geführt, sagte Yang Zhenhai von der Tierhaltungsabteilung des Ministeriums. Yang fügte hinzu: "Wir sind jedoch zuversichtlich, dass die jährliche Produktionskapazität von Schweinen bald wieder ein Niveau erreichen wird, das nahe an den normalen Jahren liegt."Doch auch hier gibt es durch Corona erhebliche Behinderungen. China versucht weiterhin seine riesige Schweineherde aber möglichst schnell wieder auf zubauen, nachdem die ASP-Epidemie die Zahl der Schweine fast halbiert hat.

Chinas Landwirtschaftsministerium sagte am Dienstag dieser Woche außerdem, dass die Coronavirus-Krankheit voraussichtlich nur begrenzte Auswirkungen auf den Sojabohnenverbrauch des Landes haben wird und der weltweit größte Verbraucher im laufenden Jahr wieder mehr importieren wird.

Die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit, die die Lieferketten stören, wurden wegen der rückläufigen Erkrankungen in China  vielerorts bereits zurückgefahren, berichten die Behörden.

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