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Getreidemarkt und Getreidepreise

In China wird der Mais knapp – Maispreise auf 5-Jahreshoch

gelbe und orangefarbene Maiskolben liegen übereinander gestapelt
am Montag, 07.09.2020 - 11:41 (1 Kommentar)

In China wird der Mais immer knapper. Die Maispreise sind auf ein Fünf-Jahreshoch gestiegen. Ein Grund für die Knappheit sind die massiven Überflutungen von Feldern und landwirtschaftlichen Flächen entlang des Flussbeckens des Jangtse, im Süden und Osten des Landes. Mais ist das wichtigste Tierfutter in China.

Maiskolben trocknen in einem Maislager

Die chinesischen Maispreise steigen immer weiter. Sie haben bereits ein Fünfjahreshoch erreicht, berichten Analysten. Ursache ist, dass man wegen der schweren Überflutungen in der kommenden Saison 2020/21 den ersten echten Maismangel seit vielen Jahren befürchtet. Einige Analysten sprechen von einer Versorgungslücke von bis zu 30 Millionen Tonnen. Das würde rund 10 Prozent der gesamten chinesichen Maisernte entsprechen.

Das US-Landwirtschaftsministerium hatte die chinesische Maisernte in seinem Augustreport auf 260 Millionen Tonnen geschätzt. Allerdings hatte man zu diesem Zeitpunkt die Folgen der schweren Überflutungen noch nicht berücksichtigt. Das könnte allerdings in dieser Woche am Freitag im neuen USDA-Report passieren. Der starke Preisanstieg bei Mais hat auf Chinas Schweine- und Tierproduktion enorme Auswirkungen – denn Mais ist das wichtigste heimische Tierfutter.

Die Produktion verteuert sich durch die steigenden Futterkosten drastisch und bremst den Neuaufbau der durch ASP dramatisch dezimierten Schweinebestände. Damit wird aber die Lücke in der Lebensmittelversorgung immer größer und die wegen der ASP-bedingten Preisexplosion bei Schweinefleisch bereits sehr hohen Verbraucherpreise für Nahrungsmittel bleiben sehr hoch oder steigen sogar noch weiter.

Die chinesische Nahrungsmittelinflation ist zuletzt auf den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt gestiegen.

USA verkaufen reichlich Mais nach China

Ein wachsendes grünes Maisfeld und im Hintergrund Hügel und Nebel

Am globalen Getreidemarkt sind die Versorgungsprobleme Chinas bereits deutlich zu spüren. Neben umfangreichen Einkäufen von Mais und Soja in den USA, orderten die Chinesen auch große Mengen Gerste und Weizen in Frankreich – und sorgen zuletzt für weltweit steigende Getreidepreise.

Für die großen Mais-Exporteure wie die USA, die Ukraine oder Brasilien, bietet Chinas Maisknappheit stark verbesserte Export-Chancen. Analysten glauben zudem, dass der Anstieg der die Weltmarktpreise dazu führt, dass die großen Maisimporteure verstärkt auf andere Getreidearten umsteigen könnten – also etwa auf Gerste oder Sorghum – und auch auf Futterweizen.

"Es ist sicher, dass es zu einem Mangel an Mais kommen wird, und wir müssen nächstes Jahr viel importieren", sagte ein staatlicher chinesischer Getreidehändler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. US-Analysten berichteten Ende August, dass die durch US-Getreideverkäufer eingegangenen Verpflichtungen zur Lieferung nach China, sich in wenigen Tagen auf mehr als 9 Millionen Tonnen Mais beliefen.

Vor diesem Hintergrund hat auch die Europäische Union Ende August ihren Zoll auf Maisimporte auf Null gesenkt. Ursache war der Anstieg der globalen Maispreise und die reduzierte Prognose für die US-Maisernte 2020/21, erklärte die Europäische Kommission ihre Entscheidung.

Mais ist schon sehr knapp – Preise steigen auf Fünfjahreshoch

Zwei Männer verteilen Sand auf einem Feld

Hou Liwei, Wissenschaftler am Institut für Agrarökonomie der chinesischen Akademie der Agrarwissenschaften, sagte, dass die größer werdende Lücke zwischen nationalen und internationalen Getreidepreisen dazu führen wird, dass die Mais- und Getreideimporte weiter zunehmen werden.

Bisher hatte das Reich der Mitte eher mit dem Gegenteil zu kämpfen. Nämlich mit gewaltigen und sehr teuren strategischen Lagerbeständen bei Mais und Weizen. Bei Mais lagern – auf dem Papier – 61 Prozent der globalen Bestände in China. Das sagt jedenfalls der letzte USDA-Report. Bei Weizen verfügt China über 50 Prozent der Bestände.

Seit einiger Zeit versuchen die Chinesen im Rahmen einer Getreidemarktreform diese riesigen Bestände abzubauen, Dafür gaben sie ein System auf, in dem den Landwirten über dem Markt liegende Preise für Mais gezahlt wurden. Seit der Reform wird jedoch weniger Mais produziert als man verbraucht. Nach den Daten des USDA liegt die bisher erwartete Produktionsmenge bei 260 Millionen Tonnen – der Maisverbrauch jedoch bei 277 Millionen Tonnen. Die Differenz soll aus den auf dem Papier stehenden Beständen von 194 Millionen Tonnen erfolgen.

Dabei sind die Bestände von 2017 bis 2020 bereits um knapp 30 Millionen Tonnen geschrumpft. Chinesische Händler und Analysten berichten nun, dass die staatlichen Lager mittlerweile fast völlig leer sind. Die Maispreise in der Provinz Jiamusi, im Herzen des chinesischen Maisproduktion, kletterten Ende August auf 2.050 Yuan (297 USD) pro Tonne und damit auf ein Fünfjahreshoch. Außerdem ist das ein Plus von 27 Prozent seit Jahresbeginn.

Diese Preisrallye bei Mais hat auch zu einem weiteren Anstieg der Lebensmittelpreise geführt. Angesicht dieser Entwicklung forderte Präsident Xi die chinesische Bevölkerung auf, die „beschämende“ Lebensmittelverschwendung zu stoppen, was viele lokale Regierungen dazu veranlasste, entsprechende Kampagnen zu starten.

Importe auf Rekordkurs – Ersatz durch Futterweizen

weiße Säcke mit Maiskörnern

China selbst rechnet nach den offiziellen Daten bisher mit einer Maisernte von rund 266,5 Millionen Tonnen. Nach Angaben des chinesischen Landwirtschaftsministeriums reicht dieser Ernte jedoch nicht aus, um die Versorgung zu sichern. Deshalb erwarten die Behörden, dass die Lagerbestände um weitere 16,7 Millionen Tonnen schrumpfen.

Eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Analysten und Händlern ergab, dass die Versorgungs-Lücke bis zu 30 Millionen Tonnen betragen könnte. Das würde die derzeit erwarteten ;Mais-Importe Chinas von 7 Millionen Tonnen bei weitem überschreiten. "Wenn die Regierung die Vorschriften bezüglich der Importquote nicht lockert, werden wir mit einem großen Mangel konfrontiert sein", sagte ein chinesischer Händler. In China legt die die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission die Getreideimportquoten zentral fest.

Andere Analysten gehen davon aus, dass die Mais-Importe aber durch die verstärkte Einfuhr anderer Getreidearten begrenzt wird. China dürfte nämlich auch mehr Sorghum und Gerste importieren. "Aufgrund die aggressiven Einkäufe beim US-Mais, ist es jedoch wahrscheinlich, dass China seine Mais-Import-Quote erhöht", sagte der Analyst Darin Friedrichs. "Aber ich erwarte nicht, dass es sehr viel mehr wird. Ich denke, ungefähr 10 Millionen Tonnen erscheinen für das nächste Jahr realistisch“.

Chinesische Futtermittelhersteller kaufen nach Angaben von Händlern bereits jetzt reichlich Futterweizen – anstelle von Mais. Der Einsatz von Futterweizen könnte in China deshalb um etwa 5 Millionen auf 20 Millionen Tonnen steigen, erwarten Analysten.

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