Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Nahrungsmittelpreise und Versorgung

Corona-Krise: In Asien wird der Reis knapp, Preise explodieren

Reisernte in China
am Montag, 23.03.2020 - 12:58 (3 Kommentare)

In Asien wird wegen der Corona-Epidemie der Reis knapp.

Landwirte und Händler verkaufen nicht mehr. Die Bevölkerung bunkert aus Panik Reis und andere Lebensmittel. China stoppt wegen explodierender Lebensmittelpreise und einer durch die Sperrmaßnahmen beeinträchtigen Frühjahrsaussaat seine Reis-Exporte.

Die thailändischen Reispreise sind mittlerweile auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren gestiegen. Auch in den meisten anderen asiatischen Ländern und in USA klettern die Reispreise auf immer neue Höchststände.

Die wichtigsten Exporteure am globalen Reismarkt sind derzeit Indien, Thailand, Vietnam, Pakistan, China und die USA.

Lesen Sie mehr im agrarheute Top-Thema: " Wie sich das Coronavirus auf die Agrarbranche wirkt"

Panik und Hamsterkäufe wegen Corona

Reisverkauf Asien

In Thailand sind die Reispreise diese Woche auf ein 6-Jahreshoch geklettert. In Vietnam machten die Exportpreise für Reis einen kräftigen Sprung auf den höchsten Stand seit 16 Monaten. In beiden für den asiatischen Markt enorm wichtigen Export-Ländern hat die rasche Ausbreitung des Coronavirus zuletzt für erhebliche Bedenken und Probleme hinsichtlich der ausreichenden Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Reis und Grundnahrungsmitteln gesorgt.

Hamsterkäufe der Bevölkerung und das Zurückhalten von Reis und anderen Lebensmitteln bei Bauern und Händlern waren die Folge. Mittlerweile haben die coronabedingten Hamsterkäufe auch auf andere asiatische Länder wie etwa  die Philippinen übergegriffen. Auch in den USA kletterten die Reispreise am Terminmarkt deshalb diese Woche auf ein 6-Jahreshoch. Die Amerikaner sind nämlich ebenfalls ein großer Reisexporteur. Und die Preisrallye ist offenbar noch lange nicht zu Ende. Zuletzt sprang sie auch auf Weizen und andere alternative Nahrungsmittel über.

Thailands Referenzpreise für Exportreis wurde am Donnerstag von 470 bis 495 USD je Tonne auf 480 bis 505 USD pro Tonne angehoben. Das ist der höchste Preis seit August 2013. Thailändische Händler sagten, die Besorgnis des Marktes über wachsende Versorgungsengpässe aufgrund der Coronapanik und die anhaltenden Dürre in Thailand sind die Hauptfaktoren für die Preisrallye.

Auch in China explodieren die Preise

China Reisfelder

"Mühlen und Bauern lagern mittlerweile verstärkt Reis ein, da die Sorge über eine Nahrungsmittelknappheit rasant zunimmt, falls der Ausbruch des Coronavirus sich weiter verschlimmert", sagte ein Reishändler aus Bangkok." Aufgrund der hohen Preise schwächt sich zwar auch die Nachfrage etwas ab, aber auch das Angebot wird immer kleiner, deshalb denke ich, dass die Preise weiter steigen werden", sagte er weiter.

Viele Händler glauben außerdem, dass die Reispreise mindestens bis Mitte des Jahres weiter klettern werden, da die großen globalen Verbrauchs-Länder offenbar versuchen ihre Lagerbestände aufzustocken, hieß es. Angesichts des Ausbruchs der Corona-Epidimie und den Folgen, ist es außerdem sehr unwahrscheinlich, dass China seine Reisexporte ausweitet - denn es benötigt das wichtige Grundnahrungsmittel jetzt für Ernährung der eigenen Bevölkerung.

Außerdem behindern die großräumigen Sperrmaßnahmen die Frühjahrsaussaat im Reich der Mitte und die Versorgung der Bauern mit Saatgut, Dünger und Arbeitskräften. Die Coronavirus-Epidemie hat zu einem divergierenden Trend in der chinesischen Wirtschaft geführt: Steigende Lebensmittelpreise für Verbraucher und eine anhaltende Schwäche der Preise für chinesische Industrie-Unternehmen, sagte Yang Weixiao, Ökonom aus Peking. Im Februar stiegen die chinesischen  Lebensmittelpreise gegenüber dem Vorjahr um 21,9 Prozent.

Große Importeure decken sich ein

lager

Chookiat Ophaswongse, Ehrenpräsident der Thai Rice Exporters Association, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die weltweite Nachfrage nach Reis sei seit dem Ausbruch des Corona-Virus enorm gestiegen, was dazu geführt habe, dass die Reispreise ebenfalls sehr kräftig zugelegt haben. "Die Menschen, in den USA, Europa und Asien, bleiben zu Hause, während China, das über einen riesigen Reislagerbestand von bis zu 120 Millionen Tonnen verfügt, seine Exporte gestoppt hat.

Vor dem Ausbruch des Virus wurde geschätzt, dass China seine Reislexporte in diesem Jahr auf 3,5 bis 4 Millionen Tonnen steigern würde. "Käufer aus mehreren Ländern sind deshalb jetzt an thailändischem Reis interessiert, und einige Importeure sind bereit, große Mengen zu kaufen, um ihre Lagerbestände zu erhöhen", sagte Ophaswongse. Auch in Vietnam stiegen die Preise immer schneller an auf zuletzt 410 USD pro Tonne – den höchsten Stand seit November 2018. 

Doch das Angebot für den Export geht auch in Vietnam vor dem Hintergrund von Corona und steigenden Preisen am Binnenmarkt spürbar zurück. "Die inländischen Lieferungen sind mittlerweile sehr gering, und es fällt den Exporteuren schwer, Reis für ihre Export-Verträge zu bekommen", sagte ein in Ho-Chi-Minh-Stadt ansässiger Händler. "Die Landwirte verkaufen ihren Reis nicht, denn sie befürchten, dass die Auswirkungen des Coronavirus noch lange anhalten wird.

Bei den Exporteuren wird der Reis knapp

Reissack

"Vorläufige Exportdaten zeigten, dass zwischen dem 1. und 25. März nur etwa 195.400 Tonnen Reis im Hafen von Ho-Chi-Minh-Stadt verladen wurden. Die vietnamesische Regierung hatte am Mittwoch angekündigt, eine jährliche Verbrauchsemenge von etwa 22 Millionen Tonnen sicherzustellen. Die diesjährige Produktion liegt bei gut 28 Mio. Tonnen und bisher wurden Exporte von 7,0 Mio. Tonnen erwartet. Doch diese Export-Menge wir wohl nicht zu halten sein.

Auch die erwarteten Exporte Thailands von etwa 7,5 Mio. Tonnen sind wohl nicht zu erreichen, denn das Land hat wegen der anhaltenden Dürre  fast 3 Mio. Tonnen weniger Reis geerntet – nun kommt das Corona-Problem hinzu. Beim weltweit größten Exporteur Indien waren die Exportpreise für Reis bis zuletzt noch relativ stabil. Hintergrund ist die zuletzt sehr starke Abwertung der Rupie, was die Exportpreise in US-Dollar unten hielt. Die indische Währung notierte am Donnerstag weiter in der Nähe ihres Rekordtiefs.

Vor der Coronakrise veranschlagten Analysten die Ausfuhren des weltweit größten Reisexporteuers Indien auf 10,5 bis 11,5 Mio. Tonnen. Indiens Benchmark-Preis wurde diese Woche mit umgerechnet 363 bis 367 USD pro Tonne angegeben, unverändert gegenüber der letzten Woche. Doch dass könnte sich angsichts der globalen Preisrallye schnell ändern.

Corona führt zu Panik und Hamsterkäufen in ganz Asien

Getreidehafen

Am indischen Binnenmarkt könnten die Preise für Reis zuletzt sogar etwas zurückgehen, glauben Analysten. Grund ist: Die Nachfrage der Geflügelindustrie ist stark eingebrochen, sagte Nitin Gupta, Vizepräsident der Reishändler von Olam India. Der Verkauf von Hühnerfleisch ist stark rückläufig, weil die Menschen glauben, dass Hühner das Coronavirus verbreiten, sagte Gupta.

Dagegen sind die Reispreise in Bangladesch diese Woche ebenfalls kräftig gestiegen, da die Ängste wegen des Coronavirus Panikkäufe auslösten. Die Behörden forderten die Menschen deshalb auf, nicht in Panik zu geraten, da die Regierung über ausreichende Vorräte an Reis und anderen Lebensmitteln verfügt.

In Indonesien – einem großen Reisimporteur – haben die Behörden die Einzelhändler aufgefordert, den Kauf von Grundnahrungsmitteln zu rationieren, um den Panikkauf einzudämmen, weil die Zahl der Coronavirus-Fälle in dem südostasiatischen Land gestiegen ist. Vor den Läden gab es lange Warteschlangen von Kunden, die sich mit Artikeln wie Reis und getrockneten Nudeln eindeckten, obwohl die Behörden der Öffentlichkeit sagten, dass kein Panikkauf erforderlich sei.

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Oktober 2020
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
cover_agrarheute_magazin.jpg

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...