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Getreidemarkt und Coronavirus

Corona: Russland und Ukraine begrenzen die Getreideexporte

Getreideexport
am Montag, 30.03.2020 - 11:59 (3 Kommentare)

Russland und Ukraine beschränken nun doch den Getreideexport. Auslöser sind die Corona-Epidemie, Hamsterkäufe und steigende Nahrungsmittelpreise in beiden Ländern.

Um den Preisanstieg bei Lebensmitteln und Getreideprodukten am Binnenmarkt zu stoppen, hatten die Lebensmittelindustrie sowie Bäcker und Mühlen in beiden Ländern Beschränkungen der Ausfuhren gefordert.

Auf diese Entwicklung haben die Regierungen beider Länder jetzt offenbar mit Exportkontingenten und Quoten bei den Getreideausfuhren reagiert. Die globalen Getreidepreise reagierten auf die Ausfuhr-Restriktionen der beiden Top-Exporteure jedenfalls schon am Freitag mit einem kräftigen Anstieg und steigen am Montag weiter. Und die russischen Weizenexportpreise kletterten mit den europäischen Exportpreisen nach oben, während die russischen Inlandspreise durch ein etwas größeres Angebot leicht gedrückt wurden.

Ursache ist: Russiche Bauern verkaufen derzeit verstärkt Getreide, um Geld für die Frühjahrsaussaat zu bekommen, berichteten jedenfalls russische Analysten am Montag. Russischer Export-Weizen mit einem Proteingehalt von 12,5 Prozent, ist an den Exporthäfen am Schwarzen Meer um 10 USD auf 217 USD pro Tonne (FOB) gestiegen, berichteten die Analysten von SovEcon.

Exportkontingente und wie geht es weiter?

Getreidesilos

Das russische Landwirtschaftsministerium hat am Freitag vorgeschlagen, die Getreideexporte für die kommenden drei Monate zu begrenzen, was internationale Händler und Importeure massiv beunruhigte. Man befürchtet nämlich, dass die Maßnahmen des weltweit größten Weizenexporteurs verlängert werden könnten.

Der Vorschlag, die Getreideexporte von April bis Juni auf 7 Millionen Tonnen zu beschränken, war das Ergebnis einer Forderung der russischen Regierung. Sie hatte das Landwirtschaftsministerium aufgefordert zu prüfen, ob die Ausfuhren von Lebensmitteln aus Russland aufgrund der Coronavirus-Pandemie begrenzt werden müssten. Das Ministerium teilte nun mit, dass die Maßnahmen, falls sie genehmigt würden, die Hauptgetreidearten - Weizen, Roggen, Gerste und Mais - betreffen würden.

Die Höhe des aktuellen Export-Limits ist nach Einschätzung von Händlern eigentlich nicht besonders kritisch zu sehen. Die bisherigen Erwartungen der Analysten für das russische Exportvolumen bis zum Ende der aktuellen Saison 2019/20 am 30. Juni lagen nämlich ebenfalls bei der jetzt genannten Größenordnung von etwa 7 Millionen Tonnen.

Längerfristige Reduzierung scheint möglich

Getreide

Der Schritt der russischen Regierung zur Exportregulierung hat jedoch bei vielen Händlern und Analysten die Befürchtung geweckt, dass weitere Schritte folgen werden. Russland hatte schon in der Vergangenheit in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer wieder die Getreideexporte begrenzt. Beispielsweise wenn eine Rubelschwäche zu einem kräftigen Anstieg der Inlandspreise geführt hat (wie jetzt) oder die Aussichten für die neue Ernte enttäuschend waren.

"Es ist zunächst nur eine symbolische Geste, aber eine besorgniserregende", sagte ein Händler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Frage ist jedoch: "Ist dies nur ein erster Schritt zur längerfristigen Reduzierung der Exporte, um Russlands eigene Nahrungsmittelversorgung inmitten der Coronakrise zu sichern? Dies ist die Sorge."

Russland exportierte im Zeitraum von Juli bis Dezember vorigen Jahres 25,2 Millionen Tonnen Weizen, Roggen, Gerste und Mais. Von Anfang dieses Jahres bis zum 26. März beliefen sich die russischen Ausfuhren von Weizen, Roggen, Gerste und Mais auf 7,2 Millionen Tonnen, teilte das Ministerium mit.

Die neue russische Ernte soll sehr groß werden

Getreideernte

Im neuen Wirtschaftsjahr 2020/21 könnten die russischen Getreideexporte fast 46 Millionen Tonnen betragen, schätzte vorige Woche der Leiter des Analysezentrums von Rusagrotrans JSC, Igor Pavensky. Die vorläufige Prognose der Getreideexporte für das neue Wirtschaftsjahr beläuft sich auf fast 46 Mio. t, einschließlich 36 Mio. t Weizen, sagte der Analyst.

Nach Auskunft von Pavensky basiert die vorläufige Export-Prognose auf der derzeit erwarteten russischen Getreide-Ernte im Jahr 2020, die von den Rusagrotrans-Analysten auf 127,5 Mio. t geschätzt wird, darunter 81 Mio. t Weizen.

Angesichts des warmen Wetters in diesem Frühjahr, dass zu einem sehr frühen Reifungsprozess der Winterkulturen geführt hat, könnte die neue Ernte bereits Mitte Juni auf den Markt kommen, sagte der Analyst.

Ukraine ebenfalls mit Export-Kontingent

Getreide läuft aus einem Silo auf den Ladewagen

In der Ukraine erklärte der Wirtschaftsminister am vorigen Freitag ebenfalls, man habe die Weizenexporte täglich überwacht und werde bei Bedarf Maßnahmen ergreifen. Bäcker und Müller im Land hatten bereits mehrfach dazu aufgefordert, die Getreideexporte zu begrenzen, um einen Anstieg der Brotpreise zu verhindern, wenn sich die Ausbreitung des Coronavirus weiter beschleunigt.

Das ukrainische Wirtschaftsministerium hat nun vorgeschlagen, dass die Getreidehändler die Weizenexporte bis Juni 2020 auf 20,2 Millionen Tonnen begrenzen, berichten die Analysten von APK-Inform am Freitag. Die Ukraine hat in diesem Wirtschaftsjahr bereits 17,73 Millionen Tonnen Weizen exportiert, wie die Daten des Ministeriums zeigen.

Am Freitag hatte das Ministerium nun angekündigt, dass staatliche Unternehmen 128.000 Tonnen Weizenmehl auf dem lokalen Markt verkaufen würden, um den Preisanstieg einzudämmen, der durch die Sorgen der Bevölkerung über die rasche Ausbreitung des Coronavirus verursacht wurde.

Ukraine: Nahrungspreise steigen bereits kräftig

Getreide

Ukrainische Bäcker und Müller hatten die Regierung erneut aufgefordert, die Ausfuhr von Getreide und verwandten Produkten zu begrenzen, um einen weiteren Anstieg der Brotpreise zu verhindern. In einem Brief an die Regierung sagten die Verbände, ein Anstieg der Nachfrage der Exporteure habe bereits zu einem Anstieg der inländischen Weizenpreise um bis zu 18 USD pro Tonne geführt und könne die Mehlpreise um mehr als 20 USD pro Tonne erhöhen.

Weiter heißt es: „Unter solchen Bedingungen könnten die Brotpreise um 15 Prozent bis 20 Prozent steigen“. Die Ukraine ist eigentlich ein bedeutender Exporteur von Getreide, einschließlich von Weizen, und ihre Ernte übersteigt üblicherweise den Verbrauch sehr deutlich. Aber die Verbreitung des neuartigen Coronavirus hat bereits einige Nationen dazu veranlasst, Beschränkungen für den Export aufzuerlegen, heißt es weiter.

"Wir bitten Sie deshalb, uns dabei zu helfen, unser derzeitiges Preisniveau aufrechtzuerhalten und die Verbraucher vor einem starken Preisanstieg für Brot und Backwaren zu schützen", schreiben die ukrainischen Verbände. Die Regierung hatte vorigen Mittwoch wegen der Corona-Epedimie eine Notstandserklärung für zunächst 30 Tage im ganzen Land verkündet.  

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