Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Corona: Zuckerpreise stürzen auf neue Tiefstände

Zucker
am Donnerstag, 19.03.2020 - 07:42 (Jetzt kommentieren)

Die Zuckerpreise am Terminmarkt in London sind in vier Wochen um ein Viertel abgestürzt. Grund ist die Corona-Epidemie.

Zuckerpreise London

Damit kostet Zucker wieder so wenig wie zum letzten Preistief im Oktober des vorigen Jahres. Am heutigen Donnerstag notiert der vordere Mai-Kontrakt in London gerade einmal noch bei 333 USD je Tonne (307 Euro). Für die neue Ernte liegen die Kontraktpreise nur noch bei 319 USD je Tonne (294 Euro). Im Februar wurde der London-Zucker nach einer fulminanten Rallye mit 430 USD je Tonnen (396 Euro) gehandelt.

Damals ging man von einer spürbaren Verknappung des globalen Angebots aus und steigenden Verbrauchsmengen. Diese Einschätzung hat sich wegen der Corona-Epidemie und dem beispiellosen Absturz der Rohöl- und Ethanolpreise nun grundlegend geändert. Die Folge ist ein scharfer Rückgang der globalen Zuckerpreise sowohl in London als auch für Rohzucker in New York.

Am europäischen Binnenmarkt wurde Weißzucker nach Meldungen der EU-Kommission zuletzt mit durchschnittlich 342 Euro je Tonnen gehandelt. Das war ein moderater Anstieg. In der Handels-Region  zwei, zu der auch Deutschland und Frankreich gehören, lag der Durchschnittpreis allerdings weiterhin nur bei 326 Euro je Tonne.

Analysten: Corona senkt den Verbrauch

Zucker verladen

Der internationale Zuckerhändler Czarnikow hat am Montag die Schätzung für den weltweiten Zuckerkonsum in diesem Jahr um fast 2 Millionen Tonnen gesenkt. Die Coronavirus-Pandemie wird den Gesamtzuckerkonsum in Ländern reduzieren, in denen Sperren verhängt wurden, schreibt das Unternehmen.

In einer Mitteilung an seine Kunden teilte der in Großbritannien ansässige globale Händler mit, dass er den erwarteten Zuckerkonsum unter anderem in Ländern wie China, Deutschland, Frankreich, Italien und Südkorea, in denen Isolationsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie ergriffen wurden, sinken wird.

Vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie erwartete Czarnikow einen Anstieg des globalen Zuckerkonsums um 1Prozent. Jetzt gehen die Analysten davon aus, dass der Verbrauch unverändert bei 172,4 Millionen Tonnen bleiben wird. "Dies ist auf den Zusammenbruch des Lebensmittel- und Getränkekonsums außer Haus und die Schwierigkeiten beim Betrieb normaler Lieferketten zurückzuführen", sagte Czarnikow.

Auswirkungen von Corona noch unklar

Rohrzucker

Die Auswirkungen der Corona-Epidemie und der Sperrmaßnahmen in bestimmten Regionen auf den weltweiten Lebensmittelkonsum und -handel sind bislang noch unklar. Einige Analysten sagen sogar, dass weit Maßnahmen der Menschen zur Bevorratung mit Lebensmitteln sogar die Nachfrage erhöhen oder zumindest den Umsatzrückgang in Restaurants und Cafeterias ausgleichen könnten.

Czarnikow teilt diese Ansicht jedoch nicht. "Wir werden die Verbrauchsenkungen wahrscheinlich noch auf andere Länder ausweiten müssen, wenn diese ihre Isolierungsmaßnahmen verstärken", sagte der globale Zuckerhändler und wies darauf hin, dass noch weitere Reduzierungen seiner globalen Verbrauchsprognose möglich sind.

Czarnikow sagte auch, dass es trotz der Reduzierung des Verbrauchs weiterhin ein globales Zuckerversorgungsdefizit in der Saison 2019/20 von etwa 10 Millionen Tonnen gibt. Dieses Defizit dürfte in der neuen Saison verschwinden, hieß es jedoch.

Absturz bei Rohöl reißt Zucker mit nach unten

Zuckerfabrik

Zu den bärischen Faktoren für Zucker zählen neben den wachsenden Bedenken hinsichtlich der Zuckernachfrage auch der Einbruch des brasilianischen Real und vor allem die die abstürzenden Rohölpreise. Der brasilianische Real fiel in dieser Woche gegenüber dem Dollar stark und verzeichnete ein neues Rekordtief. Diese Entwicklung fördert jedoch die Wettbewerbsfähigkeit und den Exportverkauf der brasilianischen Zuckerproduzenten.

Die Rohölpreise sind ebenfalls auf ein 18-Jahrestief gestürzt. Das riss auch die Ethanolpreise weit mit nach unten und könnte die brasilianischen Zuckerfabriken dazu veranlassen, mehr Zuckerrohr in Richtung Zuckerproduktion als in Richtung Ethanolproduktion umzuleiten.

Preisstützend dürfte hingegen eine aktuelle Meldung aus Indien wirken. Die India Sugar Trade Association (ISMA) berichtete, dass die Zuckerproduktion in Indien, dem weltweit zweitgrößten Zuckerproduzenten, vom 1. Oktober bis 15. März um 21 Prozent auf 21,6 Mio. Tonnen sehr stark zurückging. Kurzfristig hat diese Meldung dem Markt jedoch nicht geholfen. 

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...