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Getreidemarkt und Getreidepreise

Crash der Getreidepreise? Australiens Riesenernte und Chinas Einkäufe

Getreideernte und Silos.
am Dienstag, 01.12.2020 - 10:15 (Jetzt kommentieren)

Am Montag gaben die Getreidepreise an den Terminmärkten deutlich nach. Ein Grund: Die riesige australische Weizenernte.

Getreideernte auf einem Feld

Das australische Landwirtschaftsamt ABARES hat die Weizenernte auf den bislang zweithöchsten Wert überhaupt angehoben – nur ganz knapp unter der bisherigen Rekordernte von 2016/17. Hinzu kommt: Russland hat sein ab Februar angekündigtes Exportkontingent für Weizen – deutlich aufgestockt. Dennoch hatten sich die Weizenpreise in Russland auf hohem Niveau behauptet.

Der dritte Grund für die aktuelle Preisschwäche: Das befürchtete Ende von Chinas Kaufrausch. Genauer: Stornierungen von bereits bestellten Sojabohnen- und Maislieferungen durch chinesische Einkäufer – Das macht den Markt ziemlich nervös. Doch eigentlich hat sich an den massiven Versorgungsproblemen Chinas nicht wirklich was verändert – doch wie groß die Lücke wirklich ist – weiß angesichts der unsicheren chinesischen Statistiken und Daten wohl niemand.

Händler befürchten jedenfalls eine spürbare Abschwächung der chinesischen Nachfrage nach dem fünfmonatigen  Kaufrausch. Der Grund für die stärkere chinesische Zurückhaltung dürfte der steile Anstieg der Weltmarktpreise für Sojabohnen, Mais und Weizen sein, glauben die meisten Analysten.

Doch ein Problem bleibt weiterhin bestehen und wirkt sich unmittelbar auf die globale Versorgungslage aus: Nämlich das Wetter in Südamerika. Es gibt weiterhin sehr große Sorgen hinsichtlich des Wetters in Südamerika", sagte der Analyst Phin Ziebell von der National Australia Bank. Dennoch geht der Welt das Getreide und die Ölsaaten aber nicht aus, sagt der Analyst: „Die Getreidepreise werden deshalb wohl vor allem vom weiteren Appetit Chinas abhängen."

Australien fast mit neuer Rekordernte bei Weizen

Australische Weizenproduktion in Millionen Tonnen mit Anstieg für 2021

Indessen meldet das australische Landwirtschaftsamt ABARES, dass die Landwirte in „Down Under“ in dieser Saison mehr als 30 Millionen Tonnen Weizen ernten werden. Damit wurde die Produktionsschätzung gegenüber der vorigen Prognose um fast 10 Prozent erhöht. ABARES geht davon aus, dass die Weizenproduktion in der Saison 2020/21 bei etwa 31,2 Millionen Tonnen liegen wird, nachdem die Prognose im September auf 28,9 Millionen Tonnen lautete.

Damit wäre die neue Ernte nicht mehr sehr weit vom bisherigen Allzeithoch von 31,8 Millionen Tonnen im Jahr 2016/17 entfernt. „Die sehr günstigen Niederschläge im September und Oktober waren perfekt auf den Wachstumszyklus abgestimmt", teilte Steve Hatfield-Dodds von ABARES mit. Die riesige Ernte, die in einigen Teilen des Landes bereits begonnen hat, könnte die globalen Weizenpreise noch weit nach unten drücken, glauben Analysten.

Im vergangenen Monat hatten die australischen Weizenpreise indessen ein Sechsjahreshoch erreicht. Ein kräftiger Anstieg der Exporte von australischem Weizen, der aufgrund seiner Qualität vor allem in Asien (China) sehr gefragt ist, könnte den Markt jedoch entlasten, erwartet ABARES.

Außerdem hat ABARES auch seine Schätzung der Gerstenernte von 11,2 Millionen Tonnen im September auf 12 Millionen Tonnen angehoben. Jedoch sind die Exporteure bei Gerste mit schlechteren Aussichten konfrontiert als bei Weizen. Der Grund: China hat in diesem Jahr Zölle von 80,5 Prozent auf australische Gerstenimporte eingeführt, wodurch der Handel fast komplett ausgebremst wurde und andere Lieferanten wie Frankreich, Russland oder die Ukraine zum Zuge kamen.

Russland stockt seine Exportquote für Weizen auf

getreideschiff.

Russland wird wohl seine für Zeitraum von 15. Februar bis 30. Juni geplante Getreideexportquote von 15 Millionen Tonnen auf 17,5 Millionen Tonnen anheben, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Russland, der weltweit größte Weizenexporteur, will die Quote zur Stabilisierung seines Binnenmarktes bzw. der Weizen- und Mehlpreise im Inland einführen.

Das Landwirtschaftsministerium hat dazu jetzt einen neuen Vorschlag ausgearbeitet. Es soll noch vom Handelsministerium überprüft werden, teilte man mit. Die Quote würde, wenn sie von der Regierung genehmigt würde, auf der Grundlage des Anteils der Getreideexporte von Juli bis Dezember unter den derzeitigen Exporteuren verteilt. Russische Tierhalter und auch die Mühlen- und Backwarenindustrie fordern jedoch einen Exportzoll für russischen Weizen, um die Inlandspreise zu nach unten zu bekommen.

Auf der anderen Seite fordert die russische Union der Getreideexporteure die Regierung auf, keinen Exportzoll einzuführen. Die Exportquote würde nach Ansicht der Exporteure ausreichen, um die Ernährungssicherheit des Landes zu gewährleisten, hieß es. Die Idee, einen Exportzoll einzuführen, hat auch im Landwirtschaftsministerium nur wenig Unterstützung gefunden

Weizen-Exportpreise: Russland und Frankreich auf hohem Niveau stabil

Chart der globalen Exportpreise für Weizen in Europa und Russland

Die russischen Weizenexportpreise waren vorige Woche stabil geblieben – obwohl die Debatte zwischen Exporteuren und inländischen Verbrauchern über die vorgeschlagene Einführung einer Getreideexportquote den Markt belastete, sagen Analysten. Russischer Weizen mit einer Proteingehalt von 12,5 Prozent wurde am Schwarzmeerhafen Novorossiisk für die Lieferung im Dezember für 256 USD pro Tonne (Free-on-Board, FOB) verladen. Das waren etwa die gleichen Preise wie in der Woche zuvor.

Gleichzeitig wurde französischer Weizen am wichtigsten Exporthafen Rouen für 259 USD verkauft – und damit ebenfalls genauso teurer wie in Vorwoche – jedoch 3 USD teurer als die russische Ware. US-Weizen der Sort Soft-Red-Winter (Chicago-Weizen) wurden am US-Golf zum gleichen Termin für 267 USD verladen.

Die inländischen russischen Weizenpreise gingen leicht zurück, da die Nachfrage von Mühlen sich abschwächte. Inländische Verarbeiter werden vor den langen Neujahrsferien aber noch größere Lagerbestände ansammeln, glauben die Analysten von Sovecon. Die Wetterbedingungen für Russlands Wintergetreide haben sich letzte Woche aufgrund der guten Niederschläge in Südrussland und in der Wolga- und Zentralregionen des Landes verbessert, sagte Sovecon außerdem.

Die russischen Gerstenpreise lagen vorige Woche bei 215 USD pro Tonne. Das waren 3 USD mehr als in der Woche zuvor. Französische Gerste kostete am Hafen Rouen 247 USD je Tonne und damit 2 USD mehr als in der vorigen Woche und deutlich mehr als die russische Ware.

Für Körnermais wurden am französischen Exporthafen Bordeaux 245 USD je Tonne verlangt. Ein Preisaufschlag von 6 USD je Tonne. An den Schwarzmeerhäfen der Ukraine lagen die fob-Preise für Mais bei 236 USD je Tonne und waren damit 1 USD günstiger als in der Vorwoche. US-Mais kostete am Golf 224 USD je Tonne.

Deutsche Kassapreise bleiben realtiv weit oben

Weizenpreise am europäischen Terminmarkt auf hohem Niveau

Am europäischen Terminmarkt haben die Weizenpreise am Montag nur moderat nachgegeben und notierten bei 210 Euro je Tonne. Das ist im Vergleich zur Vorwoche ein Minus von 2 Euro. Am Hamburger Exporthafen sind die Weizenpreise zum Wochenbeginn ebenfalls moderat zurückgegangen und notierten am Montag bei 213 Euro je Tonne. Gegenüber der Vorwoche ist das ein Minus von 1 Euro.

Für Futtergerste lagen die Preisangebote am Hamburger Hafen am Montag bei 184 Euro je Tonne und damit rund 1 Euro niedriger als vor einer Woche. Für Brotroggen wurden in Hamburg am Montag 170 Euro geboten und damit zu gleichen Preisen wie in der Vorwoche. Die Maispreise sind am europäischen Terminmarkt auf 193,50 Euro zurückgegangen. Ein Minus von knapp 3 Euro zur Vorwoche. In Südoldenburg wurden für den dort angelieferten Mais 215 Euro geboten – das waren 3 Euro weniger als in der Vorwoche.  

Nach den Daten der EU-Kommission haben die Europäer bis zum 29. November etwa 9,7 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verschifft – das sind 25 Prozent weniger als im vorigen Jahr. Bei Gerste wird eine Ausfuhrmenge von 3,1 Millionen Tonnen gemeldet. Ein Minus von 15 Prozent zum Vorjahr.

Frankreich hat bisher 2,4 Millionen Tonnen Weizen und 1,2 Millionen Tonnen Gerste exportiert. Deutschland kommt auf 823.000 Tonne Weizen und 381.000 Tonnen Gerste und am rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta wurden 1,1 Millionen Tonnen Weizen und 670.000 Tonnen Gerste verladen.

Lettland, Litauen und auch Polen haben bisher mehr Weizen in Drittländer verkauft als Deutschland. Bei Gerste rangieren die Deutschen hinter Frankreich und Rumänien auf Position drei. Die Hauptabnehmer von europäischen Weizen sind bisher Algerien, China, Saudi-Arabien, Nigeria, und Marokko. Die wichtigsten Zielländer für Gerste sind Saudi-Arabien und China und – mit großem Abstand vor Algerien, Marokko und Tunesien.

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