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Rapsmarkt und Rapspreise

Crash am Rapsmarkt - Rapspreise im freien Fall

Rapsfeld.
am Donnerstag, 17.06.2021 - 13:39 (Jetzt kommentieren)

Die Rapspreise fallen weit unter die 500-Euro-Marke. Ein Ende des Absturzes ist nicht in Sicht. Druck kommt von zwei Seiten.

rapspreise.

Die Rapspreise sind in wenigen Tagen dramatisch abgestürzt. Am Donnerstag fallen die Kurse am europäischen Terminmarkt für die schwarze Ölsaat im laufenden Handel weiter – und rauschen bis auf 490 Euro je Tonne nach unten.

So niedrig waren die Preise zuletzt Anfang Februar – also vor rund 5 Monaten. Von der letzten Preisspitze – von etwa 545 Euro je Tonne Anfang Juni – sind die Rapspreise jetzt 55 Euro entfernt.

Doch was sind die Gründe für diesen geradezu dramatischen Preissturz? Analysten nennen zwei Ursachen: An erster Stelle wirkt natürlich der ebenfalls drastische Absturz der Sojapreise in den USA. Dort haben mögliche politische Zugeständnisse an die Industrie, bei der Höhe der Beimischungsmengen von Sojaöl in Biodiesel, den aktuellen Absturz ausgelöst – um 11 Prozent in drei Wochen.

Zusätzlicher Druck kommt vom einer ganz anderen Seite. Nämlich: Durch die zuletzt recht deutlich nach oben korrigierten Prognosen für die anstehende europäische Rapsernte – sowohl durch das USDA, als auch durch die Europäische Kommission und andere Analysten. Für Deutschland hat der Deutsche Raiffeisenverband die Raps-Ernte diese Woche ebenfalls nach oben geschätzt.

Beimischungssorgen lassen Sojapreise abstürzen

sojapreise.

Auch am heutigen Donnerstag starten die Sojabohnen in Chicago den Handel mit heftigen zweistelligen Verlusten – und ziehen die Rapspreise mit nach unten. Neben den Befürchtungen über die Zugeständnisse an die Industrie bei den Beimischungsmengen für Biodiesel, drücken schlechtere Crush-Raten und bessere Wetterausichten im Mittelwesten mächtig auf die Preise.

Die National Oilseed Producers Association (NOPA) (die US-Ölmühlen und Verarbeiter) hatte gestern die Crush-Werte für Mai 2021 veröffentlicht. Die Verarbeitungsmenge von 163,5 Millionen Buschel lag – offenbar auch wegen der bis dahin sehr hohen Sojapreise – am unteren Ende der Analystenerwartungen. Diese waren davon ausgegangen, dass die Crush-Rate im Mai bei rund 165,2 Millionen Buschel liegen würde.

Das niedrigere monatliche Crush-Volumen ist ein Trend, der sich nach Ansicht der meisten Analysten fortsetzen wird. Die Grund: Die Verarbeiter haben große Mühe, wegen der sehr knappen Sojabohnenbestände ausreichend Ware zu beschaffen. Das gleiche dürfte übrigens für den Raps gelten.

Analysten befürchten zudem, dass Biodiesel aufgrund der neuen Ziele für grüne Energie ein ähnliches Schicksal erleiden könnte wie die deutlich schrumpfenden Produktionsmengen bei Ethanol. „Biodiesel ist mit den gleichen Bedenken konfrontiert wie Ethanol“, hieß es von Analysten. Ohne zusätzliche Zuschüsse für erneuerbare Energien haben Benzin- und Dieselhersteller wenig Anreiz, weiterhin Maisethanol und Soja-Biodiesel beizumischen.

EU-Rapsernte nach oben korrigiert – vor allem in Deutschland

Rapsernte.

Ein weiterer Grund für den Preisdruck am Rapsmarkt ist die zuletzt recht deutlich nach oben korrigierte Prognose für die neue Rapsernte in der Europäischen Union – durch verschiedene Analysten. Das USDA hat die europäische Rapsernte  Anfang Juni auf 17,2 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind immerhin 0,6 Millionen Tonnen mehr als im Vormonat und rund 1,0 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr.

Die Anbau-Fläche wurde auf 5,2 Millionen Hektar veranschlagt, unverändert zum Vormonat, jedoch rund 35.000 Hektar größer als im Vorjahr. Die Fläche liegt damit jedoch noch immer um 10 Prozent unter dem 5-Jahres-Durchschnitt, schreibt das USDA. Der Ertrag wurde auf 3,31 Tonnen pro Hektar prognostiziert, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vormonat und von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das EU-Verbot der Neonicotinoide-Insektizide beeinflusst den Anbau von Raps weiterhin negativ, stellt das USDA fest. Der Raps blüht normalerweise im April und Mai, ein kalter April und ein überdurchschnittlich kühler Mai verzögern die kommende Rapsernte jedoch wahrschienlich um eine Woche bis zu zehn Tage. Der durch Satelliten ermittelte Normalized Difference Vegetation Index (NDVI), zeigt einen deutlichen Anstieg der Vegetationskraft in den Rapsanbaugebieten Europas im Mai, schreibt das USDA in seinem Juni-Report. 

Zu den größten Veränderungen in der Prognose zählt ein Ertragszuwachs für Deutschland, mit einem Anstieg der Erntemenge um 0,3 Millionen Tonnen auf 3,7 Millionen Tonnen. Eine ähnlich große Rapsernte prognostizierte diese Woche auch der Deutsche Raiffeisenverband. Deutschland wäre damit - recht deutlich vor Frankreich mit 3,3 Millionen Tonnen - der größte Rapserzeuger der EU. Der drittgrößte Produzent innerhalb der EU ist Polen, mit einer Ernte von schätzungsweise 2,9 Millionen Tonnen. Das sind 0,2 Mio. t mehr als im Vormonat.

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