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DBV-Erntebilanz 2018: Getreideernte 26 Prozent unterm Schnitt

Getreidelager
am Mittwoch, 22.08.2018 - 10:12 (Jetzt kommentieren)

Die abschließende Erntebilanz des Deutschen Bauernverbandes bestätigt die Befürchtungen. 35,6 Millionen Tonnen Getreide wurden in diesem Jahr eingefahren. Das sind 26 Prozent weniger als die durchschnittlichen Erntemengen der Jahre 2013 bis 2017.

Ernte 2018 mit Mähdrescher

Demnach haben die deutschen Bauern in diesem Jahr nur eine Getreideernte von 35,6 Millionen Tonnen eingefahren. Gegenüber der durchschnittlichen Erntemenge der Jahre 2013 bis 2017 in Höhe von 47,9 Millionen Tonnen entspricht dies einem Rückgang von 12,3 Millionen Tonnen Getreide bzw. 26 Prozent. Das Ertragsniveau entspricht dem ebenfalls sehr heißen und trockenen Dürrejahr 2003.

Hinzu kommen Einbußen bei Kartoffeln, Zuckerrüben und vor allem beim Grundfutter für die Tiere. In einigen Regionen bewegen sich die Ertragsverluste zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen.

Die diesjährige Winterrapsernte beziffert der Deutsche Bauernverband auf 3,3 Millionen Tonnen Die Erntemenge unterschreitet damit den Fünf-Jahresdurchschnitt von knapp 5,2 Millionen Tonnen um 36 Prozent. Mit Blick auf die nächste Ernte müsste in diesen Tagen die Rapsaussaat erfolgen. Eine Aussaat in staubtrockene Böden ist jedoch zwecklos“, sagt Präsident Rukwied.
 
In den Erntemeldungen sind die Ausfälle bei der Körnermaisernte bereits eingerechnet. In den von der Dürre betroffenen Regionen werden die Maisbestände aufgrund der Futterknappheit schon jetzt als Silomais gehäckselt.

Hilfsprogramm rasch auf den Weg bringen

DBV Erntepressekonferenz 2018

Die rückläufigen Erntemengen in Europa und in der Welt haben zu Preissteigerungen an den Terminmärkten geführt. Folglich sind auch die Erzeugerpreise in den letzten Wochen gestiegen. Ackerbaubetriebe mit deutlichen Mindererträgen profitieren von dieser positiven Marktentwicklung jedoch nur begrenzt, da keine nennenswerten Mengen zu den höheren Preisen vermarktet werden können.

Einzelbetrieblich betrachtet bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Ackerbaubetriebe jedoch angespannt. „Die Ernte fällt noch schlechter aus als anfangs erwartet. Das derzeitige Schadensbild - nicht nur bei Getreide und Ölsaaten, sondern vor allem bei Grundfutter - bestätigt die ersten Befürchtungen des DBV.

Deshalb halten wir es nach wie vor für dringend geboten, dass Bund und Länder ein Hilfsprogramm mit Unterstützungsmaßnahmen für die betroffenen Betriebe rasch auf den Weg bringen“, sagt der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Der DBV fordert neben kurzfristigen Hilfsmaßnahmen zur Liquiditätssicherung der Betriebe auch langfristige Veränderungen.

Auch über diesen Sommer hinaus müssen die politischen Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass die Betriebe Vorsorge betreiben können, um künftig auch Dürrejahre selbstständig bewältigen zu können.

Grundfutterernte massiv eingebrochen

Deutz mit Anhänger voll Heu

Aufgrund der langen Trockenheit wird die Futterversorgung für tierhaltende Betriebe immer angespannter. „Die Grundfutterernte ist massiv eingebrochen“, sagt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). „Vom Grünland konnte oft nur der erste Schnitt eingebracht werden. Vielerorts fielen der 2. und 3. Schnitt komplett aus“, so Rukwied.

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) schätzt die Ausfälle beim Grünland regional auf bis zu 75 Prozent, von denen vor allem die ostdeutschen Regionen und der Norden betroffen sind.

Die Milchviehhalter verfüttern bereits ihre Wintervorräte und müssen zusätzlich Futter zu hohen Preisen zukaufen. Wie Zahlen der AMI zeigen, sind die Preise für Grundfutter im August kräftig gestiegen. Viele Landwirte helfen sich untereinander: Bundesweit wurden Futterbörsen organisiert, doch auch dort werden Futtermittel immer knapper.

 

Viehbestände werden reduziert

Die Milchviehalter reagieren auf die angespannte Situation, indem sie ihre wertvollen Milchviehbestände abbauen. Der Markt für Schlachtkühe ist deshalb unter Druck. Die Preise fallen; Schlachtrinder haben innerhalb von vier Wochen 11 Prozent an Wert verloren.

Auch die Milchanlieferung ist deutlich zurückgegangen. Der Hitzestress senkt bei den Kühen die Milchleistung und den Gehalt von Eiweiß und Fett in der Milch. In den ostdeutschen Bundesländern ist ein starker Rückgang der Milchanlieferung in Höhe von fast 10 Prozent  festzustellen. Bundesweit liegt die Milchanlieferung im laufenden Jahr erstmals unter dem Vorjahresniveau.

Der DBV geht davon aus, dass die schlechte Futterversorgung im 2. Halbjahr zu weiteren Engpässen führen wird. Denn auch beim Mais zeichnen sich hohe Ertragseinbußen und zum Teil irreversible Trockenschäden ab. Der DBV begrüßt vor dem Hintergrund des schlechten Ernteergebnisses die gelockerten Bestimmungen zur Nutzung ökologischer Vorrangflächen für Futterzwecke.

 

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