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Demeter rechnet mit weiterem Wachstum des Biomarktes

Ökolandbau
am
03.06.2019
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Der Demeter-Verband rechnet mit einem weiteren Wachstum des Biomarktes. Die Wertschöpfung zu halten, ist allerdings eine Herausforderung für die Anbauverbände, sagt Demeter-Vorstand Johannes Kamps-Bender im Interview mit agrarheute.

Johannes Kamps-Bender

Mit welcher Entwicklung des Angebots an Milch und Getreide in Ökoqualität rechnen Sie in den nächsten Jahren?

Die Marktentwicklung bei Demeter ist oft nicht deckungsgleich zu den Entwicklungen im allgemeinen Biomarkt. So erwarten wir bei Getreide im Biobereich eher eine knappe Verfügbarkeit bis zur Ernte 2019, während wir bei Demeter eher ein Überangebot haben.

Bei der Milch verhält es sich genau umgekehrt. Die mittelfristige Entwicklung des Bioangebotes schätzen wir so ein, dass es kontinuierlich entsprechend der anhaltenden Umstellungswelle von konventionell auf Bio steigen wird. Auch das Angebot an heimischer Demeter-Ware entwickelt sich stetig weiter.

Und wie wird sich die Nachfrage entwickeln?

Wir sind derzeit in einem nachfragegetriebenen Wachstumsmarkt. Das Marktpotenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Sofern ausreichend Kaufmöglichkeiten geschaffen werden, rechnen wir mit einem problemlosen Abfluss der verfügbaren Mengen.

Der Biomarkt wird sich weiter ausdifferenzieren. Neben EU-Bioware im Preiseinstiegssegment und einem mittleren Segment wird auch der Premium-Biobereich, den wir mit Demeter bedienen, stark weiterwachsen.

Die Aufmerksamkeit für qualitativ hochwertige und ethisch erzeugte Lebensmittel nimmt zu. Dafür werden auch wir unser Profil weiter schärfen – gerade jetzt, wo unsere Produkte über neue Vertriebswege mehr Verbraucherinnen und Verbraucher erreichen. Dies haben wir jetzt erst bei unserer letzten Delegiertenversammlung im April getan und haben uns noch strengeren Richtlinien verpflichtet

Werden Angebot­­­­ und Nachfrage im Gleichgewicht wachsen?

Insgesamt ja, wobei es sicherlich Unterschiede zwischen einzelnen Produkten und Produktgruppen geben wird.

Entscheidend werden zwei Aspekte sein: Zum einen wie schnell die Erzeugung auf sich entwickelnde Verbraucherpräferenzen reagiert. Zum anderen muss es gelingen, die qualitativen Ausdifferenzierungen innerhalb von Bio gegenüber den Verbrauchern zu kommunizieren.

Ernte von Dinkel

Was bedeutet das für die Preise und Einkommensperspektiven der Erzeuger?

Ein wesentliches Ziel der Demeter-Markengemeinschaft sind faire Preise und Handelsbeziehungen entlang der Wertschöpfungskette. Insgesamt gelingt es den Handelspartnern, die Preise für Demeter-Produkte auf einem Niveau zu halten, um auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette die notwendige Qualitätsarbeit für Demeter-Produkte sicherzustellen. Deshalb haben wir in unseren Vertriebsgrundsätzen die Präsentation als Premiumprodukt sowie faire und langfristige Beziehungen mit den Lieferanten und Kunden festgeschrieben.
 
Insgesamt erleben wir im Biomarkt aufgrund der anhaltenden Nachfrage ein stabiles Preisniveau. Sollte sich das Konsumentenverhalten und die Bereitschaft, angemessene Lebensmittelpreise zu bezahlen, insgesamt nicht maßgeblich ändern, befürchten wir jedoch eine ähnliche Entwicklung, wie wir sie in der konventionellen Land- und Lebensmittelwirtschaft beobachten. Gleiches gilt für den ruinösen Preiskampf im Handel um Kundenanteile zu gewinnen, der letztlich auf dem Rücken der Erzeuger ausgetragen wird. 

Wie entwickelt sich die Umstellungsbereitschaft der konventionellen Landwirte?

Die Umstellungsbereitschaft ist hoch und wird unserer Meinung nach noch zunehmen. Ausschlaggebend hierfür ist die hohe Nachfrage, aber auch der gesellschaftliche und politische Druck, auf eine umweltfreundliche und tiergerechte Landwirtschaft umzusteigen.

Wichtig erscheint uns hier, dass eine umfassende Beratung in Anspruch genommen wird, die eine Fachberatung, aber auch eine soziale, ökonomische und Vermarktungsberatung einschließt – wie sie von den Verbänden angeboten wird. Weiterhin ist eine verlässliche, langfristige Politik vonnöten, die der ökologischen und ökonomischen Vorzüglichkeit des Ökolandbaus Rechnung trägt.

Biogemüse mit Schild

Wie sehen Sie Kooperationen von Anbauverbänden mit Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels?

Wir können hier von uns sprechen: Wir sind der Meinung, dass die Premium-Bioprodukte mit dem Demeter-Logo für alle Verbraucherinnen und Verbraucher zugänglich sein sollen. Aber nicht um jeden Preis – deswegen haben wir den Vertrieb und Handel durch unsere Vertriebsgrundsätze an qualitative Kriterien geknüpft.

Nicht alle Produkte, die wir erzeugen, können wir über den Naturkostfachhandel vermarkten. Unsere Aufgabe ist es, zu ermöglichen, dass Demeter-Produkte auch als solche vermarktet werden.

Nehmen Sie folgendes Beispiel: In einem Bio-Fachhandelsgeschäft werden von einer Frischmilchsorte in der Woche 40 bis 100 Liter Milch verkauft. Wenn eine Gemeinschaft von elf Milchbauern, die gerade auf Demeter umgestellt hat, ihre Jahresmenge von 3 Millionen Liter Milch vermarkten will, bräuchte sie dafür etwa 1.000 Bioläden. Da stößt man an strukturelle Grenzen des Fachhandels.

Die Vermarktung über den Lebensmitteleinzelhandel, der sich auf unsere Anforderungen einlässt, bietet biodynamischen Erzeugern und Verarbeitern große Chancen. Bei der Umstellung von Milchbetrieben auf Demeter fällt gleichzeitig das Fleisch der Bruderkälber an. Der Biofachhandel kann das Fleisch der männlichen Tiere in solchen Mengen nicht aufnehmen. Über den konventionellen Handel ist die Abnahme größerer Mengen und die Vermarktung als Demeter-Qualität möglich. Das ist allemal besser als die Kälber in die konventionelle Mast zu verkaufen.

Herr Kamps-Bender, wir bedanken uns für das Interview.

In der Juni-Ausgabe des agrarheute-Magazins finden Sie eine ausführliche Analyse des Biomarktes, Tipps für Umsteller und eine Praxisreportage von zwei Betrieben, die auf Bio umstellen, sowie eine Typologie der Anbauerverbände. Wenn Sie noch kein Abonnent von agrarheute sind, können Sie gleich hier ein Probeabo bestellen.

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