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Zuckermarkt

Deutsche Zuckerwirtschaft will Anbau nicht vorschreiben

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
15.11.2018

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) will trotz der schwierigen Marktlage den deutschen Anbauern nicht empfehlen, ihre Zuckerrübenflächen zu verkleinern.

WVZ-Hauptgeschäftsführer Günter Tissen erklärte, dass man als Branchenverband nicht ohne weiteres in den Wettbewerb eingreifen und unternehmerische Empfehlungen geben wolle. Entscheidungen über Anbauflächen sehe man als einen solchen Sachverhalt an.

Zu Beginn der Woche hatte ein Beamter der EU-Kommission in einer Anhörung im Europaparlament darauf hingewiesen, dass Anbauverbände in wichtigen zuckerproduzierenden Mitgliedstaaten ihren Landwirten die Einschränkung ihrer Anbauflächen für 2019/20 empfehlen würden. Die Rede war von einem Umfang in Höhe von 5 Prozent bis 15 Prozent in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Belgien.

Wettbewerbsverzerrungen belasten Zuckerwirtschaft

Der WVZ-Hauptgeschäftsführer hob hervor, dass er aus deutscher Sicht in erster Linie die Politik unter „großem Handlungsdruck“ für den Zuckersektor sehe. Gerade die durch politische Entscheidungen verursachten Wettbewerbsverzerrungen würden sich zu einer zunehmenden Bedrohung für die deutsche Zuckerwirtschaft auswachsen.

Ganz besonders kritisierte er die gekoppelten Zahlungen für den Rübenanbau in anderen Mitgliedstaaten, ungleiche Zulassungen im Pflanzenschutz, eine weitere Marktöffnung für Importe sowie eine mangelnde Durchschlagskraft gegen das Preisdumping durch Drittländer.

In der Verantwortung sieht Tissen vor allem die Vertreter der politischen Parteien, die den Ausstieg aus der Quote beschlossen hätten. Jetzt müssten die Rahmenbedingungen so fair gestaltet werden, dass die eigentlich starken und wettbewerbsfähigen Standorte in Deutschland auch weiterhin Zuckerrüben anbauen und Zucker erzeugen könnten.

Deutsche Rübenfläche 2018 sogar leicht gewachsen

Rübenfläche

Nach Daten der EU-Kommission hat sich die Anbaufläche von Zuckerrüben in Deutschland 2018 nochmals leicht auf 413.000 ha erhöht. Das ist die größte Rübenfläche seit 13 Jahren. Im ersten Jahr nach dem Ende der Quote war der Rübenanbau in Deutschland bereits von 335.000 auf 407.000 ha um mehr als ein Fünftel gestiegen.

Die Kommission schätzt die deutschen Rübenerträge im Dürrejahr 2018 auf 71,7 t/ha und damit so schlecht wie seit fünf Jahren nicht mehr. Im vorigen Jahr waren in Deutschland Rekorderträge von 83,7 t/ha erzielt worden.

Die aktuelle Rübenernte veranschlagt die Kommission für Deutschland immerhin auf 29,6 Mio. t. Das sind nur 13 Prozent weniger als die bisherige Rekordernte 2017 von 34,1 Mio. t. Die deutschen Anbauverbände gehen wegen der extremen Dürre allerdings von einem Produktionsrückgang zwischen 20 und 30 Prozent aus und damit auch von einer erheblich kleineren Rübenernte, als dies die Kommission erwartet. 

Mit Material von Agra-Europe (AgE)

Lesen Sie dazu auch: Weniger Rüben und weniger Zucker

Weitere Hintergründe zur Erntwicklung am deutschen und europäischen Zuckermarkt finden Sie in der aktuellen Ausgaben von agrarheute.

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