Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Getreideernte 2018

Deutschland hat nicht genug Getreide

GetreideverladenBayWa.jpg
am Montag, 17.09.2018 - 13:40 (Jetzt kommentieren)

Die Versorgung mit Getreide ist in Deutschland so knapp wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Der heimische Bedarf kann durch die verfügbare Erntemenge bei weitem nicht gedeckt werden. Außer bei Weichweizen deckt die Erntemenge rein rechnerisch bei keiner wichtigen Getreideart den Bedarf.

Besonders groß ist die deutsche Versorgungslücke bei Körnermais. In der Folge wird Deutschland erstmals seit gut 30 Jahren zum Nettoimporteur von Getreide. Vor allem Futtergetreide ist sehr knapp.

Die Versorgungslücke einschließlich Körnermais dürfte bei gut 7,0 Mio. t liegen und ohne Mais mindestens eine Größenordnung 3,5 Mio. t erreichen.

Große Lücke in der Bilanz

Deutsche Getreideernte

Die deutsche Getreideernte (ohne Mais) lag nach der vorläufigen Erntebilanz des Landwirtschaftsministeriums (BMEL) bei 34,5 Mio. t. Rechnet man die vom Bauernverband und vom Raiffeisenverband auf katastrophale 3,2 Mio. t geschätzte Maisernte hinzu, ergibt sich eine Gesamternte von etwa 36,9 Mio. t.

Der Verbrauch von Getreide bewegte sich in Deutschland zuletzt jedoch zwischen 43,0 und 44,0 Mio. t. Damit würde sich für das aktuelle Wirtschaftsjahr eine sehr große Versorgungslücke von etwa 6,0 bis 7,0 Mio. t ergeben.

Verfüttert werden in der deutschen Landwirtschaft etwa 25,0 Mio. t Getreide. Außerdem haben deutsche Händler zuletzt knapp 18,0 Mio. t Getreide exportiert und zudem 14,0 Mio. t importiert.

Das entpricht einem Exportüberschuss von rund 4,0 Mio. t. In diesem Jahr dürfte die Handelsbilanz jedoch deutlich negativ ausfallen.

Bei Mais ist die Lücke am größten

Maisernte

Am größten ist die Bilanzlücke in diesem Jahr beim Körnermais. Hier ist Deutschland im Unterschied zu den übrigen Getreidearten allerdings auch in "normalen" Jahren ein Nettoimporteur.

So wurden im Wirtschaftsjahr 2016/17 in Deutschland ingesamt 6,4 Mio. t Mais verbraucht. Davon kamen etwa 4,0 Mio. t aus der eigenen Produktion und rund 3,0 Mio. t wurden importiert.

In diesem Jahr müssen mindestens 4,0 Mio. t. Mais (wahrscheinlich mehr) importiert werden. Neben Frankreich werden wohl Rumänien, Bulgarien und Ungarn die Hauptlieferanten sein.

Sehr enge Bilanz bei Weizen

Weizenernte

Bei Weichweizen könnte die kleine Ernte von knapp 20 Mio. t, den Bedarf von ebenfalls 20 Mio. t, rechnerisch gerade so decken. Wegen der knappen Marktversorgung bei Futtergetreide, dürfte der Bedarf an Futterweizen jedoch größer ausfallen als sonst. Außerdem sind bei dieser engen Bilanz kaum Exporte möglich.

Verfüttert werden in der deutschen Landwirtschaft etwa 9,0 Mio. t Weizen. Außerdem werden 5,5 Mio. t für die menschliche Ernährung benötigt. Hinzu kommen noch 4,0 Mio. t für industrielle und für energetische Nutzung.

Allerdings ist Deutschland bei Weichweizen eigentlich Nettoexporteur. Zuletzt wurden knapp 13,0 Mio. t Weizen ins Ausland (EU und Drittländer) verkauft, während man rund 7 Mio. t Weizen (Futter) importiert hat.

Das entsprach einem Exportüberschuss von immerhin 6 Mio. t. Hinter diesem Exportüberschuss stand allerdings eine 4 bis 5 Mio. t größere Weizenernte als in diesem Jahr und zudem hohe Bestände von rund 5,0 Mio. t und mehr.

Vor dem Hintergrund der sehr engen heimischen Versorgung steht für den Export in andere EU-Länder und für den Weltmarkt in diesem Jahr aber kaum Ware zur Verfügung. Gleichzeitig dürften die Importe von Futterweizen relativ hoch ausfallen.

Händler rechnen bislang mit umfangreichen Importen vom Schwarzen Meer. In den ersten 11 Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres hat Deutschland allerdings erst 28.000 t Weizen aus Drittländern importiert und damit weniger als erwartet.

Kaum Gerste für den Export

Gerstenernte

Die aktuelle deutsche Gerstenernte würde mit 9,6 Mio. t rein rechnerisch knapp ausreichen um den inländischen Bedarf von 9,7 Mio. t zu decken. Allerdings hat Deutschland in den letzten Jahren zwischen 3,3 und 3,8 Mio. t Gerste exportiert.

Diese Menge dürfte in der aktuellen Saison wohl deutlich kleiner ausfallen. Trotzdem wird die Bilanzlücke auch bei Gerste am Ende erheblich größer sein als es sich derzeit rein rechnerisch ergibt.

Zuletzt wurden in Deutschland etwa 6,6 Mio. t Gerste verfüttert. Allerdings wurden auch zwischen 10,7 Mio. t und 11,7 Mio. t geerntet und damit 1,0 bis 2,0 Mio. t mehr als in diesem Jahr.

Zwischen 1,8 und 1,9 Mio. t bewegt sich zudem der deutsche Verbrauch von Braugerste. Von dieser Menge muss auch in normalen Jahren 1,0 Mio. t oder mehr importiert werden.

Auch Roggen und Hafer fehlen

Roggenernte

Auch bei den übrigen Getreidearten ergeben sich große Versorgungslücken. Besonders groß ist das Defizit bei Roggen. Dort gab es in deisem Jahr die kleinste deutsche Ernte überhaupt.

Aber auch bei Triticale und Hafer decken die aktuellen Erntemengen nicht den heimischen Bedarf. Damit sind auch dort entweder zusätzliche Importe oder aber Substitutionen von anderen Getreidearten oder aus anderen Verwendungsarten nötig.

Die deutschen Getreidebestände dürfen in diesem Jahr ebenfalls sehr kräftig schrumpfen.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...