Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

DRV: Weizenernte noch kleiner als im vorigen Jahr

Getreidefeld
am Freitag, 15.05.2020 - 15:00 (Jetzt kommentieren)

Die deutschen Bauern werden noch weniger Weizen ernten als im vorigen Jahr. Auch die Rapsernte wird mickrig.

getreide-ernte-deutschland

„Die Ernte bei Winterweizen wird in diesem Jahr noch unter dem schwachen Vorjahresergebnis liegen“, sagte Guido Seedler, Getreidemarktexperte des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Das diesjährige Ergebnis soll mit 22 Millionen Tonnen um 3,3 Prozent unter dem Vorjahr und sogar etwa 8 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel liegen.

Vor diesem Hintergrund passt der DRV seine Prognose zu Gesamternte ebenfalls nach unten an. Die DRV-Experten gehen jetzt von einer deutschen Getreideernte von 44,6 Millionen Tonnen aus. Grund für das schlechte Ergebnis beim Winterweizen ist in erster Linie die im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringere Anbaufläche.

Ob die prognostizierte Menge auch gedroschen wird, hängt jedoch vom Witterungsverlauf in den kommenden Wochen ab: „Die Regenfälle der vergangenen zwei Wochen haben insgesamt für Entspannung gesorgt. Sie reichen aber in vielen Regionen nicht aus, um bestehende Wasserdefizite auszugleichen“, sagt Seedler.

Beim Raps hat der DRV seine Ernteschätzung nochmals um rund 100.000 Tonnen auf schwache 3,25 Millionen Tonnen gesenkt.

Europaweit sehr kleine Weizenernte

weizen-ernte-deutschland

Mit der deutlich kleineren Weizenernte macht Deutschland in Europa jedoch keine Ausnahme: In Frankreich und im Vereinigten Königreich konnten aufgrund starker Niederschläge im vergangenen Herbst ebenfalls große Flächen nicht bestellt werden. Allein in Frankreich ist die Anbaufläche für Weizen um knapp 10 Prozent zurückgegangen, schreibt der DRV.

Sorgen um eine ausreichende Versorgung des Marktes mit Brotgetreide brauchen sich die Verbraucher jedoch nicht zu machen, heißt weiter. Denn: In den meisten anderen Anbaugebieten der Erde werden gute bis sehr gute Ernten erwartet. – Das hat der USDA-Bericht der aktuellen Woche eindrucksvoll bestätigt: Dieser geht trotz einer deutlich kleineren Weizenernte in Europa von einer globalen Rekordproduktion aus. Auch die Endbestände und die Exporte sollen im neuen Wirtschaftsjahr neue Rekordwerte erreichen.  

„Entscheidend für eine optimale globale Versorgung des Marktes wird eine funktionierende Logistik sein“, schreibt der DRV. „Die Getreidebranche hofft, dass die Warenströme, insbesondere durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, nicht ins Stocken geraten oder sogar unterbrochen werden“, betont der DRV Getreidemarktexperte.

Deutlich mehr Sommergetreide und Mais angebaut

raps-ernte-deutschland

Nicht zuletzt der schwache Euro hatte zuletzt dafür gesorgt, dass deutscher und europäischer Weizen sehr wettbewerbsfähig war. Seit Juli 2019 wurden bislang rund 32 Millionen Tonnen in Drittländer verschifft.

Zum Vergleich: Im gesamten Getreidewirtschaftsjahr 2018/2019 waren es nur 23 Millionen Tonnen. Europa stieg damit weltweit zum zweitwichtigsten Weizenexporteur nach Russland auf. Mit der nun prognostizierten Erntemenge dürfte mit dem Boom Schluss sein, ist der DRV überzeugt.

Aufgrund der kleineren Anbaufläche bei Winterweizen hat sich die Aussaatfläche von Sommergetreide indessen erhöht. Die vom Statischen Bundesamt aktuell vorgelegten Zahlen bestätigen die DRV-Prognose.Die Anbaufläche für Sommergerste wurde bei 367.000 Hektar gesehen (+ 3,0 %), für Hafer und Körnermais schätzte Destatis den Anbau auf 162.000 und 460.000 Hektar. Dies entspricht einem Plus von 28 Prozent und knapp 11 Prozent. 

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...