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Agrarhandel

Dürre: Niedrigwasser verteuert Agrartransporte

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
05.11.2018

Regenmangel und Niedrigwasser beeinträchtigen den Agrarhandel. Die Wasserstände der großen Flüsse waren Ende Oktober auf neue historische Tiefstände gefallen.

Verladung von Schüttgut

Das Transportunternehmen Contargo hatte die Schifffahrt und den Containertransport auf dem Ober- und Mittelrhein deshalb zeitweise eingestellt. Anfang November hat sich die Situation leicht verbessert. Die Pegelstände gingen mit den Niederschlägen an den Rhein und Donau etwas nach oben.

Dennoch bleibt die extreme Niedrigwasserlage mit allen ihren Problemen bestehen. Eine Folge ist, dass der Transport von Agrarprodukten und anderen Gütern weiterhin sehr schwierig ist. Deshalb bleiben die Kosten für die möglichen Transport hoch.

Weil diese Situation bereits viele Wochen dauert, sind auch die Lagerkapazitäten entlang der großen Wasserstraßen übervoll. Auch hier steigen die Kosten, denn die eingelagerte Ware kann kaum an die Zielorte abfließen. Der Rückstau an den Wasserwegen führt auch zu einer Verknappung der alternativen Transportmöglichkeiten auf der Straße und bei der Bahn.

Damit wird der Handel von Getreide, Ölschroten, Futter, Düngemitteln und anderen Agrarprodukten weiterhin massiv beeinträchtigt und verteuert. Auch die Preise für Treibstoff (Benzin und Diesel), Heizöl und andere Energieträger sind wegen der anhaltenden Transportprobleme zuletzt sehr kräftig angestiegen.

Pegelstände zuletzt etwas gestiegen

Pegel Kaub Emmereich

Am Rhein, der wichtigsten Wasserstraße Deutschlands, waren die Wasserstände an den maßgeblichen Messstellen in Kaub, Emmerich und in Duisburg-Ruhrort Ende Oktober auf neue historische Tiefstände gefallen. Die Schifffahrt und damit auch der Agrartransport mussten deshalb am Ober- und Niederrhein zeitweise völlig eingestellt werden. 

Der Transport zwischen den Terminals am Ober- und Mittelrhein und dem Niederrhein konnte nur noch über LKWs abgewickelt werden. Anfang November hat sich die Situation etwas verbessert. Die Lage bleibt jedoch weiter kritisch, denn die für die nächste Zeit erwarteten Niederschläge sind weiterhin spärlich.

Der wichtigste Pegel am Mittelrhein, in Kaub, wurde am heutigen Montag mit 56 cm angegeben. Damit liegt man 18 cm über dem bisherigen Jahrhunderttief von Ende Oktober. Dennoch hat sich der Pegelstand in Kaub seit Mitte September halbiert. Unterhalb  von 40 Zentimetern in Kaub ist die Binnenschifffahrt im Prinzip kaum noch möglich, hat das Logistikunternehmen Contargo kalkuliert.

In Emmerich lag der Pegelstand diesen Montag bei 33 cm. Das waren 28 cm mehr als der bisherige historische Tiefstwert von Ende Oktober. In Duisburg-Ruhrort wurde am Montag mit 186 cm der bisherige Tiefstand um 34 cm übertroffen. Trotz der gestiegenen Pegel bleibt die Situation jedoch ausgesprochen kritisch und die Schifffahrt ist weiterhin stark eingeschränkt. Gleiches gilt auch für die Donau und vor allem auch für Elbe und Oder.

Transportkosten haben sich vervierfacht

KWS 20'

Am Rhein transportieren viele Schiffe nur etwa ein Drittel der üblichen Ladung, sagte Roberto Spranzi von der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt. Die Preise je beladener Tonne haben sich durch die hohe Nachfrage nach zusätzlichen Schiffen in etwa vervierfacht.

Bis es zu einem weiteren Anstieg der Pegelstände und zur einer spürbaren Entspannung der Lage kommt, dürfte es aber noch einige Zeit dauern. Die für die nächste Zeit erwarteten Niederschlagemengen sind alles andere als reichlich. "Damit sich der Niederschlag bemerkbar macht, muss es zumindest einige Tage lang regnen", sagt Bernhard Meßmer, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes in Bingen.

Das bedeutet auch, dass sich die Situation der sehr begrenzen Transporte und der sehr hohen Transport- und Lagerkosten erst einmal kaum entspannt. Mit den niedrigen Pegeln bleibt die auch Ladekapazität der Binnenschiffe begrenzt. Die sogenannten Kleinwasserzuschläge (KWS) sind bei den derzeitigen Pegelständen weiterhin Vereinbarungspreise.

Der Kleinwasserzuschlag für den Transport von 20-Zoll-Containern liegt in Kaub bei einem Pegelstand von 150 bis 131 cm bei 30 Euro. Sinkt der Pegelstand bis auf 90 bis 81 cm müssen 100 Euro gezahlt werden. Das ist mehr als eine Verdreifachung der Kosten. Bei Pegelständen unter 81 cm werden die KWS dann vereinbart. Der derzeitige Pegelstand in Kaub liegt mit 56 cm noch deutlich unterhalb der 81-cm-Marke.

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