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Verbraucherpreise

Dürre: So verändern sich die Lebensmittelpreise

am Mittwoch, 22.08.2018 - 14:50 (Jetzt kommentieren)

Nahrungsmittel haben sich in Deutschland trotz der extremen Dürre und der kräftig gestiegenen Getreidepreise bislang nicht verteuert.

Im Gegenteil: Für die vom Statistischen Bundesamt erfassten Hauptnahrungsmittel mussten die Verbraucher im Juli sogar etwas weniger Geld ausgeben als im Juni. Im Monatsvergleich betrug der Preisrückgang etwa 0,5 %.

Dabei gingen sowohl die Preise für Brot und Getreideprodukte als auch für Molkereierzeugnisse sowie für Obst und Gemüse zurück. Nur für Fleisch mussten die Verbraucher im Juli etwas mehr Geld ausgeben als im Vormonat. Für pflanzliche und tierische Öle sowie Fette blieben die Preise in etwa stabil.

Allerdings sind die weiteren Auswirkungen der Dürre auf die Entwicklung der Lebensmittelpreise noch nicht abzuschätzen. In den nächsten Monaten könnte es deshalb durchaus noch zu Preiserhöhungen kommen.

Erhöhungen kommen zeitverzögert

Weizenähren mit Brot und Brötchen

Auch wenn die Dürre noch spürbaren Einfluss auf die Preise nehmen sollte, wird dies jedoch erst allmählich geschehen. Eine Ursache ist nach Einschätzung von Stefan Schneider, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, dass "langfristige Lieferverträge dazu führen, dass Preisänderungen an den Rohstoffmärkten nur zeitverzögert bei den Nahrungsmittelpreisen in den Supermärkten ankommen".

Zudem ist der Anteil der Rohstoffkosten bei vielen Nahrungsmitteln relativ gering. "Transport, Arbeit, Verpackung und Mieten stellten oft den größeren Kostenblock dar", was nach Aussage von Schneider "die Preisausschläge ebenfalls dämpfe".

Bauernpräsident Joachim Rukwied bestätigte an anderer Stelle diese Einschätzung und sagte: "Mit der Trockenheit begründete Preiserhöhungen, insbesondere bei verarbeiteten Produkten, wären derzeit nicht seriös."

Einfluss der Getreidepreise ist gering

Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürfte die Preisentwicklung "in den kommenden Monaten eher verhalten bleiben".

Das sieht auch das niedersächsische Landvolk in einer Pressemeldung so. Dort heißt es mit Blick auf die Brotpreise, dass der Weizenpreis an den Kosten für ein Brötchen gerade einmal mit sieben Prozent beteiligt ist.

Die Getreidepreise müssten sich schon verdoppeln, um daraus eine Preiserhöhung für ein Weizenbrötchen um einen Cent abzuleiten, rechnet das Landvolk Niedersachen vor.

Der Preis für ein normales Weizenbrötchen liegt danach mit durchschnittlich 29 Cent bei geringen wie hohen Getreidepreisen auf einem ähnlichen Niveau, argumentiert man mit Bezug auf Berechnungen der AMI.

Mühlen müssen bereits mehr zahlen

Weizen Börse

Peter Haarbeck, der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen, will höhere Brotpreise indessen nicht ausschließen. Schließlich zahlten die deutschen Mühlen, die ihr Getreide zu 95 % aus Deutschland beziehen, derzeit Preisaufschläge für die knappe Ware.

An der Pariser Warenterminbörse Matif kostet der Weizen für die Lieferung im September über 200 Euro pro Tonne, so viel wie zuletzt im Frühjahr 2014. "Die Matif-Preise schlagen eins zu eins auf die Verkaufspreise der Mühlen durch", sagt Peter Haarbeck gegenüber den Stuttgarter Nachrichten.

"Wenn die Getreidepreise weiter steigen, bekommen das irgendwann auch die Verbraucher zu spüren. Für den Kauf von Mehl im Supermarkt gilt das jedoch mit Verzögerung, weil die Einzelhändler in der Regel langfristige Lieferverträge mit einzelnen Mühlen schließen."

Preisanstieg bei Milch scheint möglich

Käselager-ArlaFoods

Auch bei Milchprodukten, sind längerfristige Auswirkungen auf die Preisentwicklung nicht unwahrscheinlich. Derzeit sind die Milchmengen wegen der Hitze und des Futtermangels bereits zurückgegangen.

„Wenn sich die Witterung nicht noch einmal drehe, könne Milch knapp bleiben. Dann spreche einiges dafür, dass bei den Verhandlungen im Herbst zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel der Preis für Milch steige, sagte Andreas Gorn von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn gegenüber der Deutschen Presse-Agentur“

Auch der Verbraucher werde die Auswirkungen möglicherweise spüren, formulierte der AMI-Experte vorsichtig.“ Sicher sei das aber noch nicht.

Kartoffelpreise ziehen kräftig an

Kartoffelernte

Auch bei Kartoffeln zeichnet sich wegen der dürrebedingt sehr kleinen Ernte ein Anstieg der Verbraucherpreise ab. Dabei ist der Anteil der Rohstoffkosten insbesondere bei Speisekartoffeln höher als bei anderen Produkten.

„Es wird von Tag zu Tag kritischer“, analysiert der Marktanalyst der AMI, Christoph Hambloch.“Die frühen Kartoffelsorten sind noch glimpflich davongekommen, alles was folgt, leidet jedoch extrem unter der Hitze. Schon jetzt lägen die Kartoffelpreise trotz der sehr guten Ernte 2017 deutlich über dem Vorjahresniveau“.

Auch an der Warenterminbörse haben die Kartoffelnotierungen einen seit Jahren nicht mehr gesehenen Höchststand erreicht.

Milch, Brot, Fleisch: So viel Geld kommt beim Bauern an

Erzeugeranteil am Brotpreis
Erzeugeranteil am Milchpreis
Erzeugeranteil am Fleischpreis
Erzeugeranteil am kartoffelpreis
Erzeugeranteil am Zuckerpreis

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