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Getreidehandel

Dürre zwingt Australien zum Weizenimport

weizen verladen
am Freitag, 17.05.2019 - 14:29

Erstmals seit 2007 importiert Australien wieder Weizen. Grund ist die sehr kleine und offenbar qualitativ schlechte Weizenernte.

Rein mengenmäßig deckt nämlich auch die sehr schlechte Ernte noch locker den australischen Bedarf. Das australische Landwirtschaftsministerium hat jedenfalls eine Einfuhrgenehmigung für ausländisches Getreide erteilt. Es handelt sich dabei um eine Schiffsladung Weizen aus Kanada.

Nach Angaben des Agrarressorts wurde zur Auflage gemacht, dass das Getreide aus einem Gebiet mit geringem Biosicherheitsrisiko stammen muss. Außerdem muss die Verbringung, Lagerung und Verarbeitung innerhalb Australiens streng kontrolliert werden. Die Lieferung soll laut Ministerium in den nächsten sechs bis acht Wochen eintreffen.

Es fehlt Qualitätsweizen – sonst ist genug da

Getreide Terminal

Der Importeur ist laut Medienberichten der Nahrungsmittelhersteller Manildra, der proteinreichen Weizen für die größte Mühle Australiens im Bundestaat New South Wales benötigt. Dem Unternehmen zufolge ist der Weiterbetrieb der Weizenverarbeitungsanlage gefährdet, weil aufgrund „der schlimmsten Dürre seit 116 Jahren proteinreicher Weizen knapp ist“.

In diesem Jahr haben die Farmer in Down Under nur 17,5 Mio. t Weizen geerntet und damit 4 Mio. t weniger als im bereits schwachen Vorjahr und sogar 14,5 Mio. t weniger als zu bisherigen Rekordernte 2016/17. Der australische Weizen-Verbrauch liegt jedoch nur zwischen 7 und 8 Mio. t. Trotz der sehr kleinen Ernte werden noch 10 Mio. t Weizen exportiert.

In normalen Jahren gehen aber 15 Mio. t in den Export. Offenbar fehlt wegen der extremen Dürre vor allem proteinreicher Qualitätsweizen, den die Mühle nun aus Kanada bezieht.

Politischer Schlagabtausch vor der Wahl

Vertreter von Getreideproduzenten äußerten die Sorge, dass der Bezug aus dem Ausland die Biosicherheit Australiens gefährden könne. Der Getreideimport wurde sogar zum Wahlkampfthema. Am kommenden Wochenende finden in Australien die Parlamentswahlen statt.

Der Schattenminister der oppositionellen Labourpartei für Landwirtschaft, Joel Fitzgibbon, ließ verlauten, dass alle besorgt sein sollten, dass ein großes Agrarland wie Australien jetzt Getreide importieren müsse. „Das muss ein Weckruf für eine Regierung sein, die den Klimawandel komplett verneint“, erklärte Fitzgibbon. Der amtierende Landwirtschaftsminister David Littleproud wies darauf hin, dass Getreideimporte keine Neuentwicklung seien und vorübergehend auch schon in früheren Jahren Einfuhren gegeben hat.

Die aktuellen Importe seinen eine Ausnahme, weil die Dürre die Getreideversorgung erheblich beeinträchtigt habe. Zudem hob Littleproud hervor, dass die Importgenehmigung mit strengen Biosicherheitsanforderungen verknüpft sei.

Mit Material von Agrar-Europe (AgE)