Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ende der Seeblockade: Preise für Weizen, Mais und Raps unter Druck

Getreide wird verladen
am Dienstag, 02.08.2022 - 13:00 (18 Kommentare)

An der Pariser Terminbörse Matif stehen die Kurse für Weizen, Mais und Raps zu Wochenbeginn unter Druck. Die deutschen Landwirte ernten weniger Backweizen.

Die Wiederaufnahme der Getreideexporte aus der Ukraine über das Schwarze Meer setzt die Kurse für Weizen, Mais und Raps unter Druck. Nach ersten Preisabschlägen am Montag gehen die Kurse am heutigen Dienstag (2.8.) weiter leicht zurück.

Der September-Kontrakt für Weizen wurde um die Mittagszeit zu 335 Euro/t gehandelt; das waren 8 Euro weniger als der Schlusskurs am Freitagabend. In Chicago sank der Weizen heute mit einem Minus von 2,5 Prozent unter die Marke von 800 US-Cents/bushel.

Auch der Mais gab heute dies- und jenseits des Atlantiks im Preis weiter nach. Raps wird an der Matif zur Tagesmitte unter 650 Euro/t gehandelt, während am 29. Juli noch 689,75 Euro/t als Schlusskurs fixiert wurden. Damit hat die Ölfrucht seit Freitag an der Börse fast 6 Prozent an Wert eingebüßt.

Frachter "Razoni" hält Kurs auf Istanbul

Starken Einfluss auf die Notierungen hat seit Wochenanfang die Aufhebung der Seeblockade der Ukraine. Zurzeit ist der Frachter „Razoni“, der den Hafen Odessa gestern verließ, mit rund 20.000 t Mais aus der Ukraine kurz vor der Meerenge am Bosporus angelangt.

Nach einer Inspektion in Istanbul soll das Schiff seinen Weg nach Tripoli im Libanon fortsetzen, wo es morgen ankommen soll. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj warten in ukrainischen Häfen weitere 16 Frachtschiffe auf die Abfertigung.

Deutsche Weizenernte liefert weniger Backweizen

Die Weizenernte in Deutschland ist indes mittlerweile weitgehend abgeschlossen. In seiner heute veröffentlichten zweiten Ernteschätzung geht der Deutsche Bauernverband (DBV) davon aus, dass aus der aktuellen Ernte weniger Weizen in Backqualität verfügbar sein wird. Das liegt an der regional erheblichen Trockenheit, aber auch an den Vorgaben der Düngeverordnung. Sie zwingt die Landwirte in bestimmten Regionen zu verminderten Stickstoffgaben.

Insgesamt rechnet der DBV mit einer Winterweizenernte von 21,38 Mio. t; das wäre zwar 1 Prozent mehr als im Vorjahr, bliebe aber um 10 bis 12 Prozent unter dem Durchschnittswert der vergangenen Jahre. Deutlich zu erkennen ist, dass der Nordosten Deutschlands wesentlich stärker unter der Trockenheit gelitten hat als der Rest des Landes. In einigen Trockengebieten blieben die Weizenerträge bis zu 15 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Deutlich größere Rapsernte 2022 eingefahren

Bei Roggen und Triticale sieht es nach Einschätzung des Bauernverbandes danach aus, dass die Mengen des vergangenen Jahres erreicht werden können. Über die Qualtäten könne noch keine gesicherte Aussage getroffen werden.

Der Raps überrascht positiv und liegt nach den derzeitigen Zahlen mit einem Hektarertrag von durchschnittlich 3,7 t über dem Wert des Vorjahres. Die Ölgehalte sollen zufriedenstellend ausfallen. Die Erntemenge dürfte mit 3,96 Mio. t um 13 Prozent größer sein als 2021.

Tierhalter in Sorge um die Grünfutterversorgung

Wie der DBV weiter mitteilet, sind die Tierhalter wegen der anhaltenden Trockenheit in großer Sorge um die Versorgung ihrer Tiere mit Grünfutter. Der zweite Grünlandschnitt ist in Trockengebieten sehr dürftig oder vereinzelt auch komplett ausgefallen.

Auch der Silomais hat unter der Witterung der letzten Wochen massiv gelitten, sodass die Futterknappheit nach DBV-Einschätzung größer zu werden droht. Für die Wochenmitte ist erneut eine Hitzewelle für Deutschland angekündigt, die die Kulturen unter Trockenstress stellen wird.

Winterweizen, Gerste, Dinkel: Impressionen von der Ernte 2022

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe August 2022
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
agrarheute Magazin Cover

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...