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Ernteprognosen von DBV und LBV

Ernte 2021: Bauern haben gute Laune – wenn sie die Politik ausblenden

Pressekonferenz zum Ernteauftakt 2021 in Nauen
am Mittwoch, 07.07.2021 - 15:19 (Jetzt kommentieren)

Der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Landesbauernverband Brandenburg (LBV) gehen zum Erntebeginn von leicht unterdurchschnittlichen bis durchschnittlichen Erträgen aus. Dem Ernteauftakt blicken Landwirte optimistischer entgegen als der Entwicklung politischer Rahmenbedingungen.

Auf dem Hof der Agro-Farm GmbH im havalländischen Nauen gaben DBV-Präsident Joachim Rukwied und LBV-Vizepräsident Heiko Terno heute (07.07.) für die Regionen unterschiedliche, insgesamt aber hoffnungsvolle Ernteprognosen ab.

Für die bundesweite Getreideernte erwartet der DBV ein Ergebnis von 45,4 Mio. Tonnen. Damit wäre die Erntemenge beim Getreide um fünf Prozent größer als 2020. Die durchschnittlich im Zeitraum von 2015 bis 2019 eingefahrene Getreideernte von 45,6 Mio. Tonnen würde jedoch nicht ganz erreicht werden.

Wie der LBV mitteilte, fielen insbesondere die Erträge bei der Gerste in Brandenburg regional sehr unterschiedlich aus. Der erwartete durchschnittliche Ertrag für die Gerste liege bei 55 dt/ha. Dank der regnerischen Witterung in den letzten Tagen könnten die Prognosen aber noch übertroffen werden.

Frühjahrsaussaaten konnten Rückstände nach der Kälte aufholen

Über die bundesweiten Wintergetreidebestände berichtete Rukwied, dass sich die guten Witterungsbedingungen zur Aussaat im Herbst 2020 im Winter fortsetzten. Die Bestände hätten sich im Frühjahr gut entwickeln können. Dagegen litten die Frühjahrskulturen – Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Grünlandaufwüchse – zunächst unter den tiefen Temperaturen. Nachdem Mitte Mai höhere Temperaturen zu verzeichnen waren, konnten die meisten Kulturen die Rückstände aber aufholen, so Rukwied.

Insgesamt hätten die Niederschläge in den letzten beiden Wochen die Lage in vielen Regionen entspannen können. In Nordostdeutschlang gebe es allerdings Gebiete, in denen die Hitze in den Beständen Schäden verursacht habe – hier lägen die Ernteprognosen erneut unter dem langjährigen Mittel.

„In vielen Regionen hingegen rechnen die Betriebe mit einer ordentlichen Ernte. Für die Herbstkulturen ist der weitere Witterungsverlauf in den Sommermonaten entscheidend. Derzeit präsentieren sie sich in einem guten Zustand“, berichtete Rukwied.

Deutlich weniger Sommerweizen und Sommergerste

Nach Angaben des DBV habe sich die Fläche für den Getreideanbau kaum verändert – im Gegensatz zur Zusammensetzung. So verkleinerte sich die Fläche für den Sommerweizen um 36 Prozent und für die Sommergerste um 17 Prozent. Nicht verändert hat sich die Fläche von 2,83 Mio. Hektar für den Winterweizenanbau.

Um 16 Prozent zugenommen hat der Haferanbau. Der DBV geht von einer Reaktion der Landwirte auf die steigende Nachfrage aus, die auf den größeren Absatz von Haferprodukten, zum Beispiel Haferdrinks, zurückgeht. Trotzdem gebe es bei den Haferpreisen noch Spielraum nach oben.

Laut Rukwied werde auch weltweit eine stabile Getreideernte, aber mit großen Unterschieden in den Anbauregionen, erwartet. Der DBV-Präsident wies auf die Trockenheit in Nord- und Südamerika hin. So hätten die Notierungen starken Schwankungen unterlegen.

Einen leichten Anstieg gab es bei den Anbauflächen für Winterraps, die sich nun wieder auf 991.500 Hektar belaufen. Dennoch liegt die diesjährige Fläche noch um 250.000 Hektar unter dem langjährigen Durchschnitt. Rukwied berichtete von einer stabilen Grundtendenz der Rapspreise. Daher sei der Rapsanbau noch attraktiv, obwohl nicht mehr so ein hohes Ertragsniveau erzielt werden könne. Der DBV hoffe auf einen Aufwärtstrend beim Raps für die kommende Herbstaussaat, damit getreidelastige Fruchtfolgen aufgelockert und Soja- und Palmölimporte reduziert würden.

Die deutschlandweite Spargel- und Erdbeerernte habe sich auf dem Vorjahresniveau befunden.

Rahmenbedingungen werden schwieriger

LBV-Vizepräsident Heiko Terno beim Ernteauftakt 2021 in Nauen

Dass die Winterungen die kalte Jahreszeit gut überstanden haben, berichtete auch der LBV. Auswinterungsschäden habe es kaum gegeben und im Frühjahr waren die Startbedingungen in Brandenburg optimal für die Kulturen. Im Juni war es laut Terno mit 30 Litern Niederschlag pro Quadratmeter aber deutlich zu trocken. In den letzten Wochen dagegen seien teilweise über 160 Liter Regen gefallen.

„Für Brandenburg ist das insofern problematisch als dass die überwiegend sandigen Böden nur ein geringes Wasser- und Nährstoffspeichervermögen aufweisen“, so Terno. Später abreifende Kulturen könnten von den Niederschlägen der letzten Zeit aber noch profitieren – im Gegensatz zu einzelnen Roggen- und Gerstenbeständen, die nach dem Regen Lagerbildungen aufwiesen.

Brandenburgs Landwirte blickten der Preisentwicklungen laut LBV optimistisch entgegen, müssten aber auch für höhere Kosten aufkommen, zum Beispiel bei den Pachtpreisen. Um Maßnahmen für den Klimaschutz umzusetzen, setze der LBV unter anderem auf die konservierende Bodenbearbeitung. Terno erinnerte jedoch daran, dass hierfür der Einsatz von Breitbandherbiziden Voraussetzung sei. Außerdem sei der Anbau trockenheitsresistenter Sorten ein wichtiger Baustein. Dieser setze aber auf moderne Züchtungsmethoden.

Dirk Peters, Betriebsleiter der Agro-Farm GmbH, sagte anlässlich des Ernteauftakts: „Ich habe gute Laune – wenn ich die politischen Rahmenbedingungen außen vor lasse.“ So führte er als Beispiel die anfallenden Kosten bei Einführung einer CO2-Abgabe an. LBV-Vizepräsident Terno bestätigte, dass die Liquidität der Betrieb in den letzten drei Jahren gelitten habe.

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