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Getreidemarkt und Getreidepreise 2021

Ernteprognose 2021: So riesig wird die Ernte nicht, trotz hoher Preise

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am Montag, 08.03.2021 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Hohe Preise bewirken normalerweise eine kräftige Ausweitung der Produktion – sagen Analysten. Doch so ganz stimmt das offenbar nicht. Zumindest beim Weizen nicht. Das hat viele Gründe.

Der größte Teil der Weizenpflanzen auf der Nordhalbkugel befindet sich noch in der Winterruhe und die Länder der Südhalbkugel haben die neuen Weizenernte noch gar nicht gepflanzt.

Dennoch hat die  Welternährungsorganisation (FAO) die bislang verfügbaren Informationen gesammelt und eine erst sehr vorläufige Prognose für die weltweite Weizenproduktion im Jahr 2021 abgegeben: Danach würde die globale Produktionsmenge zwar das dritte Jahr in Folge steigen – der Anstieg wäre jedoch deutlich moderater als viele Analysten wegen sehr hohen Weizenpreise erwartet haben.

Dort hieß es nämlich, dass die sehr hohen Weizen-Preise auch eine deutliche Anbauausweitung nach sich ziehen würden. Die FAO schätzt die neue globale Weizenernte 2021 nun auf 780 Millionen Tonnen. Das wäre zwar ein neuer Rekordwert – jedoch sind das gerade einmal 6 Millionen Tonnen mehr als die aktuelle Weizen-Ernte. Und zum erwarteten Verbrauch macht die FAO keine Angaben,

EU: Weizenernte wächst deutlich – Russlands Ernte kleiner

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Der größte Teil des Wachstums wird voraussichtlich aus der EU kommen, erwartet die FAO: Dort soll die Weizenfläche voraussichtlich vom Tief des Vorjahres erholen werden und 2021 um mehr als 5 Prozent zunehmen. Zusammen mit einem erwarteten Ertragsanstieg, wird die EU-Weizenproduktion im Jahr 2021 wieder steigen voraussichtlich um fast 9 Prozent auf 137,0 Millionen Tonnen.

In ähnlicher Weise wird erwartet, dass sich die Produktion im Vereinigten Königreich von dem Tief des Vorjahres – der kleinsten Weizenernte seit 30 Jahren – erholt und bei einer Ausweitung der Anbaufläche und höheren Erträgen die Marke von 14 Millionen Tonnen erreicht – von knapp 10 Millionen Tonnen im vorigen Jahr.

In der Russischen Föderation haben die Folgen der sehr trockenen Wetterbedingungen zum Beginn der Vegetationsperiode – also zur Aussaat im vorigen Herbst – die Produktionsaussichten für die Weizenernte 2021 im Vergleich zur Riesenernte des vorigen Jahres verringert. Obwohl der Schneefall im Januar diese Folgen dann etwas abgemildert hat, wird erwartet, dass die Gesamt-Produktion im Jahr 2021 um 7 Millionen Tonnen auf etwa 79 Millionen Tonnen zurückgehen wird.

Allerings haben die Russen noch die Möglichkeit, einen Teil des Rückgangs durch eine Ausweitung des Sommerweizenanbaus auszugleichen. Dieser wächst immerhin auf 43 Prozent der russischen Weizenfläche, von zuletzt ingesamt 28,6 Millionen Hektar.

China und Indien mit sehr großen Ernten – auf dem Papier

In der Ukraine wird ein moderater Anstieg der Weizenproduktion auf ein durchschnittliches Niveau von 26 Millionen Tonnen erwartet. Hintergrund sind insgesamt günstige Witterungebingungen, mit ausreichend Schnee, der auch das Erfrieren der Pflanzen bei teilweise sehr tiefen Temperaturen bis zu -25 Grad Celius, verhinderte,

In Asien wird für mehrere große Hersteller, darunter auch für Indien und Pakistan, ein überdurchschnittliches Produktionswachstum prognostiziert, dass durch staatliche Unterstützung, sowie durch sehr hohe Preise und günstiges Wetter ausgelöst wird. Für Indien rechnet man mit einer neuen Rekordernte von 109 Millionen Tonnen. Für Pakistan erwartet die FAO eine Erntemenge von 26 Millionen Tonnen.

Die Bedingungen für die neue Weizenernte in China sind nach Einschätzung des FAO bislang ebenfalls recht günstig. Es wird erwartet, dass die Produktion im Jahr 2021 mit rund 135,5 Millionen etwas größer aufällt als im Vorjahr.

Neue Weizenernte in Australien schrumpft deutlich

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Die Produktionsaussichten bei den großen Importeuren des Nahen Ostens sind derzeit sehr uneinheitlich, da extreme Trockenheit in mehreren Ländern die Ertragsaussichten erheblich beeinträchtigt hat.

In den USA haben die sehr ungünstigen Wetterbedingungen seit Oktober 2020 und die extreme Kältewelle im Februar die Ertragsaussichten gedämpft, obwohl es zu einer Ausweitung der Anbaufläche gekommen ist. Die Produktion der US-Farmer wird im Jahr 2021 voraussichtlich nahe an der Vorjahresproduktion von 50 Millionen Tonnen bleiben.

In Kanada, wo der Großteil der Weizenernte Sommerweizen ist, der erst noch gepflanzt werden muss, wird die Produktion voraussichtlich bei etwas niedrigeren Erträgen geringfügig auf 34 Millionen Tonnen zurückgehen.

Eine deutlichen Rückgang der Produktion erwarten  die FAO und das australische Landwirtschaftsamt ABARES für die nächste australische Weizenernte. Danach könnte die australische Erntemenge in der nächsten Saison um 25 Prozent schrumpfen, da die Landwirte die Anbaufläche witterungsbedingt reduzieren könnten und die Erträge lange nicht so hoch werden wie zur aktuellen Ernte.

Nach der letzten Prognose von ASBARES könnte die australische Weizenproduktion dann bei etwa bei 26 Millionen Tonnen liegen, nachdem sie aktuell einen Rekordwert von 33,34 Millionen Tonnen zu erreicht hatte. Der Grund: La Nina hatte in der letzten Saison für reichlich Regen in Down Under gesorgt und die Getreideerträge auf Höchstwerte steigen lassen. ABARES erwartet derzeit aber, dass das überwiegend trockene Wetter in weiten Teilen des Landes zurückkehren wird - und allesfalls durchschnittliche Erträge erlaubt.

Mais: Unklare Aussichten in Argentinien

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In Bezug auf die Produktion von Grobgetreide werden die Maispflanzen in den Ländern der südlichen Hemisphäre in den nächsten Wochen und Monaten geerntet, sagt die FAO. Auf der Nordhalbkugel müssen Mais und Sommergetreide noch gepflanzt werden.

In Südamerika wird die Maisproduktion in Argentinien und Brasilien für 2020 vor allem wegen der sehr großen Aussaatenflächen noch immer auf einem hohen Niveau prognostiziert, obwohl das schwierige Wetter den Ertrag und die allgemeinen Produktionsaussichten erheblich beeinträchtigt hat.

In Argentinien befindet sich die Maisernte derzeit in der Blüte- und Getreidefüllphase und die Ernte wird voraussichtlich im März beginnen. Nach offiziellen Schätzungen liegt die bepflanzte Fläche bei 9,4 Millionen Hektar, ähnlich dem Rekordniveau von 2020, was auf die sehr hohen Preise und die starke Nachfrage nach Exportmais zurückzuführen ist.

Es bestehen jedoch weiterhin Bedenken hinsichtlich der Erträge, da die trockenen Wetterbedingungen zwischen September und Dezember 2020 in den zentralen und nördlichen Anbaugebieten die Entwicklung der früh gepflanzter Pflanzen sehr negativ beeinflusst haben. Verbesserte Niederschläge seit Januar 2021 haben die Bodenfeuchtigkeit wieder aufgefüllt und die Erntebedingungen verbessert.

Offizielle Daten deuten jedoch für Argantinien auf unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen im Februar und möglicherweise auch im März hin, so dass die Erträge der spät gepflanzten Pflanzen ebenfalls weiter sinken könnten.

Maisernte in Brasilien wird trotz Problemen groß

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In Brasilien wird derzeit die sogannte erste Maisernte der Nebensaison 2021 (Sommermais) geerntet, die etwa 20 Prozent der gesamten Maisernte ausmacht. Ersten Berichten zufolge sind die Ernteergebnisse in den südlichen Produktionsgebiete sehr schwach, was auf die anhaltend ungünstige Wetterbedingungen zurückzuführen ist.

Nach einem verspäteten Start – wegen der verzögerten Sojaernte – wird die Maisernte der Hauptsaison 2021 (Safarina oder Wintermais) unter deutlich günstigeren Wetterbedingungen gepflanzt. Die Fläche, auf der die Ernte der Hauptsaison angebaut wird, wird offiziell voraussichtlich gegenüber dem Rekordniveau des Vorjahres nochmals zunehmen, was auf die starke Inlands- und Exportnachfrage und die sehr hohen Preise zurückzuführen ist. Die offiziellen Prognosen gehen derzeit von einer Maisproduktion (insgesamt) auf einen Rekordwert von etwa 105 Millionen Tonnen aus.

Im südlichen Afrika sind die Produktionsaussichten trotz extremer Wetterereignisse, die regional hohe Ernteverluste verursachten, im Allgemeinen günstig. In Südafrika, dem Hauptproduzenten in der Subregion, dürften eine preisbedingte Zunahme der Maisfläche und nahezu ideale Wetterbedingungen eine rekordverdächtige Maisproduktion im Jahr 2021 ermöglichen.

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