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MARS-Monitoring-Bericht / Getreideernte 2020

EU: Getreideernte bricht ein – Regen kommt zu spät

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am Dienstag, 16.06.2020 - 05:00 (1 Kommentar)

Die europäische Getreideernte schrumpft trotz Regen weiter. Das langjährige Ertragsmittel wird nun deutlich verfehlt.

area of concern - winter crops

In vielen Regionen kam der Regen für das Wintergetreide offenbar deutlich zu spät. Die negative Ertragsprognose gilt auch für den Raps.

Dagegen haben sich die Aussichten für die europäische Maisernte zuletzt erheblich verbessert. Diese könnte in Verbindung mit der kräftigen Anbauausweitung in vielen Ländern also sehr groß werden.

Auch für Kartoffeln ging die Ertragsprognose weiter nach oben. Bei Zuckerüben blieben die Ertragserwartungen unverändert und lagen ebenso wie bei Mais und Kartoffeln deutlich über dem langjährigen Mittelwert.

Zu dieser Einschätzung kommt die europäische Crop-Monitoring-Agentur MARS in ihrem aktuellen Junireport.

Weitere Einbußen bei Winterweizen und Raps

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MARS hat die Ertragsprognosen für Winterweizen und Raps für die Europäische Union um rund 2 Prozent nach unten korrigiert. Die stärksten Abwärtskorrekturen gab es aktuell in Frankreich, Rumänien und in den Benelux-Ländern. Die Ertragsprognose für Körnermais wurde auf EU-Ebene hingegen weiter nach oben korrigiert, hauptsächlich aufgrund verbesserter oder anhaltend günstiger Bedingungen in Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Spanien.

Die Ertragsaussichten für Sommergerste verbesserten sich im EU-Mittel ebenfalls aufgrund einer weiteren Aufwärtskorrektur für Spanien. Damit wurde die weiteren Ertragsreduzierungen für Frankreich, Polen, Deutschland und andere Länder mehr als ausgeglichen.

Die Ertragsaussichten für die wichtigsten Wintergetreidearten liegen jetzt deutlich unter dem 5-Jahres-Durchschnitt. Dagegen übertreffen die Prognosen für Körnermais das langjährige Mittel sehr deutlich – um mehr als 8 Prozent.

Hauptgründe für die schlechten Aussichten bei Wintergetreide ist das anhaltende Regendefizit in weiten Teilen Nordwesteuropas sowie in Ungarn und Ostrumänien. Während des Berichtszeitraumes (1. Mai bis 10. Juni) wurden die Winterkulturen in diesen Regionen in den besonders empfindlichen Stadien um die Blütezeit und/oder während der Kornfüllung – je nach Kulturart und Region – sehr negativ beeinflusst, berichtet MARS. In einigen Regionen Nordwesteuropas waren die Sommerkulturen - wie etwa Sommergerste – ebenfalls negativ betroffen.

Regendefizit in Nordwesteuropa weiter sehr hoch

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In anderen Teilen Europas fielen im Berichtszeitraum auch erhebliche Niederschläge. Nordwesteuropa weist jedoch für große Gebiete immer noch ein sehr großes Niederschlagsdefizit auf, das sich im Laufe der letzten Monate aufgebaut hat, schreibt MARS. Im Berichtszeitraum stieg das Niederschlagsdefizit gegenüber dem langjährigen Durchschnitt in Nordfrankreich, den südlichen Teilen des Vereinigten Königreichs, in Irland, den Benelux-Ländern, Nord- und Westdeutschland sowie im Westen Polens um 25 bis 80 mm.

In all diesen Regionen wurden die Winterkulturen durch die trockenen Bedingungen in den empfindlichen Stadien um die Blüte oder in der frühen Getreidefüllung sehr negativ beeinflusst, heißt es weiter. Auch in Ungarn waren die Bedingungen weiterhin sehr trocken mit negativen Folgen für die Winterkulturen. In Ostrumänien und in der Südostukraine herrschen anhaltende Dürrebedingungen, und die Winterkulturen traten dort viel früher als gewöhnlich und in die Phase der Getreidefüllung ein – unter sehr schlechte Bedingungen, beobachtet MARS.

In Nord- und Nordosteuropa ist zudem ein deutliches Defizit an „Temperaturakkumulation“ zu beobachten heißt es: Dies hat die Pflanzenentwicklung dort verlangsamt, jedoch meist ohne negative Auswirkungen auf die Ertragserwartungen. In Gebieten mit niedrigem Bodenfeuchtigkeitsgehalt waren die kälteren Bedingungen sogar günstig, um die Auswirkungen von Wasserstress zu mildern.

Einen Niederschlagsüberschuss wird für Nord- und Süditalien, für den Südosten und Südwesten Frankreichs, im Nordosten Spaniens und in Teilen Tschechiens, in Südpolen und Teilen der Ukraine beobachtet. In den meisten dieser Regionen war der Niederschlagsüberschuss vorteilhaft, um Sommerkulturen einen vielversprechenden Saisonstart zu ermöglichen und die Bodenfeuchtigkeit wiederherzustellen, und um die Ertragsbildung von Winterkulturen aufrechtzuerhalten. Häufig kam der Regen jedoch zu spät, um die Ertragsaussichten für Winterkulturen noch wesentlich zu verbessern.

Trocken-Schäden in Deutschland und Frankreich hoch

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In Deutschland haben einige Niederschläge im Mai und etwas kälteres als übliches Wetter mit einer deutlichen Kälteperiode zu besseren Wachstumsbedingungen geführt. Wie in Frankreich kompensieren solche Bedingungen aber nicht den trockenen Frühling, sondern halten das sommerliche Pflanzenwachstum in seinen frühen Stadien aufrecht, berichtet MARS. In Ostdeutschland gelangen Winterkulturen nach den Beobachtungen von MARS viel früher als gewöhnlich in die Getreidefüllung.

In Frankreich brachte der Mai in den ersten 15 Tagen einige Niederschläge. Der Regen war vorteilhaft, aber nicht ausreichend, um die Bodenfeuchtigkeit wieder herzustellen, auch wegen der anschließenden Trockenperiode in der zweiten Maihälfte, berichtet MARS. Zum Ende des Analysezeitraums (31. Mai) blühen in Frankreich die Winterkulturen: Es wird jedoch erwartet, dass die insgesamt sehr schlechten Wachstumsbedingungen die Getreideerträge signifikant senken werden.

In den meisten westlichen Regionen Polens reichte der Regen aus, um das Wachstum der Winterkulturen im Mai aufrechtzuerhalten. Die ungewöhnlich kühlen Temperaturen verlangsamten jedoch die Pflanzenentwicklung mit negativen Auswirkungen auch auf die Sommerkulturen.

Mittel- und Osteuropa: Weizen schlechter, Mais besser

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In Mitteleuropa, also der Slowakei, Tschechien, Österreich und Ungarn, war der Niederschlag im letzten Monat entscheidend, um die durchschnittliche Anreicherung von Biomasse aufrechtzuerhalten. In Ungarn gab es jedoch wenig Niederschläge und die Winterkulturen haben gelitten.

In Rumänien und Bulgarien sind die Auswirkungen der Frühlingsdürre in den vielen Regionen deutlich zu erkennen. In den westlichen und zentralen Provinzen endete die frühe und günstige Anreicherung von Biomasse Anfang Mai aufgrund der anhaltenden Trockenheit. Der später auftretende Niederschlag erwies sich nur in zentralrumänischen Regionen als vorteilhaft für Winterkulturen, während die Sommerkulturen – also unter anderem Mais - in einem größeren Gebiet profitierten.

Einige Regionen in Ostrumänien und Bulgarien weisen Merkmale auf, in denen die Folgen der Frühlingsdürre deutlich sichtbar sind. Ähnliche Bedingungen sind in der südwestlichen Ukraine zu beobachten. Auch einige Regionen in der Zentralukraine weisen eine signifikante Verzögerung des sommerlichen Pflanzenwachstums mit ungünstiger Anreicherung von Biomasse auf.

Mit Material von MARS bulletins 06 / 2020 - crop monitoring in Europe
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