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Ernteprognose 2019

EU: Getreidepreise steigen trotz hoher Ernteprognosen

Weizenfeld
am Montag, 03.06.2019 - 14:30 (Jetzt kommentieren)

In Europa steigen die Getreidepreise. Und das, obwohl die neue Ernte groß wird. Die hiesigen Getreidepreise folgen jedoch dem steilen Kursanstieg in den USA.

Grund ist, dass die globalen Getreidemärkte sehr eng vernetzt sind. Das heißt auch: Die erwarteten Ernteausfälle in den USA führen nach Einschätzung der Märkte zu einer Verknappung des globalen Angebots und zu besseren Absatzmöglichkeiten der Europäer. Deshalb profitieren die hiesigen Getreidepreise ebenfalls von der Rallye in den USA. 

Dennoch sollen Landwirte nicht vergessen sich die höheren Preise für einen Teil der neuen Ernte abzusichern. Auch wenn die Kurse möglicherweise noch weiter steigen. Der Markt kann jedenfalls genauso schnell wieder kippen. Das passiert nämlich, wenn sich die befürchteten Anbau- und Produktionseinbußen in den USA nicht in dem erwarteten Umfang bestätigen.

Auch andere Faktoren, wie etwa der Handelskrieg der USA mit China, hohe Lagerbestände und hohe Prognosen vom Schwarzen Meer könnten noch auf die Preise drücken.

Große Getreideernte, Bestände und Exporte wachsen

getreideernte

In ihrer Juni-Prognose hat die Kommission die Getreideerträge und die Erntemengen etwas nach oben geschätzt. Damit erreichen die Ernteprognosen im Vergleich zum Vorjahr relativ hohe Werte und übertreffen das langjährige Mittel.

Die neue europäische Getreideernte (einschließlich Mais) schätzt die Kommission jetzt auf  gut 311 Mio. t. Das wären rund 2 Mio. t mehr als im Vormonat erwartet wurden und etwa 21,5 Mio. t bzw. gut 7 Prozent mehr als im vorigen Jahr. Zugleich wäre dies die größte Getreideernte seit dem Jahr 2015.

Die Kommission erwartet bei den End-Beständen ein deutliches Plus von 7 Mio. t auf 55 Mio. t. Die Exporte sollen jedoch ebenfalls um knapp 7 Mio. t auf 38,5 Mio. t anwachsen.

Große Weizenernte erlaubt mehr Exporte

Weizenernte

Beim Weichweizen geht die Kommission von einer kräftigen Ausweitung der Anbaufläche gegenüber dem vorigen Jahr um rund 775.000 ha auf etwa 23,84 Mio. ha aus. Die durchschnittlichen Weizenerträge werden etwas höher als im Vormonat auf  6,03 t/ha geschätzt. Daraus ergibt sich eine neue europäische Weizenernte von 143,8 Mio. t.

Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein Plus von 2,5 Mio. t und gegenüber dem vorigen Jahr wäre dies ein kräftiger Zuwachs von 15,2 Mio. t bzw. knapp 12 Prozent. Damit steht im nächsten Wirtschaftsjahr deutlich mehr Weizen für den Export zur Verfügung. Die Kommission geht deshalb davon aus, dass die europäischen Weich-Weizenexporte um 4,4 Mio. t auf etwa 25,5 Mio. t zunehmen. Das wäre ein Plus von einem Fünftel. Die Endbestände sollen um 4,6 Mio. t wachsen.

Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung soll wegen der größeren Erntemengen bei anderen Getreidearten jedoch um 1,3 Mio. t schrumpfen. Die Weizenpreise für das die neue Ernte sieht der Terminmarkt derzeit bei knapp 185 Euro. Damit sind die Kurse in nur 14 Tagen um 17 Euro nach oben geschossen. Grund für den Kursprung ist die anhaltende Preisrallye in den USA. Am Großmarkt in Hamburg werden für Brotweizen derzeit 196 Euro/t geboten. Das sind immerhin 8 Euro/t mehr als Mitte Mai gezahlt wurden.

Große Gerstenernte, höherer Verbrauch, mehr Exporte

gerstenernte

Die Anbaufläche von Gerste für die neue Ernte gibt die Kommission mit 12,4 Mio. ha an. Dabei wird nicht zwischen Winter- und Sommergerste unterschieden. Gegenüber dem vorigen Jahr ist die Gerstenfläche 77.000 ha größer. Die Gerstenerträge schätzt  die Kommission derzeit auf 4,92 t/ha.

Damit würde sich weiterhin eine Gesamternte von knapp 61 Mio. t ergeben. Das sind knapp 5 Mio. t Gerste mehr als im vorigen Jahr. Den Gerstenexport schätzt die Kommission für die neue Saison auf sehr gute 8,8 Mio. t, im Vergleich zu nur 7,0 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr. Der Futterverbrauch wird rund 3 Mio. t höher erwartet als im vorigen Jahr.

Die Endbestände sollen um 2 Mio. t auf 8,3 Mio. t anwachsen. Die Preise für Futtergerste sind im Mai wieder gestiegen. Am norddeutschen Exporthafen in Hamburg wird Futtergerste der neuen Ernte mit 173 Euro/t gehandelt. Das sind immerhin 10 Euro/t mehr als Mitte Mai geboten wurden.

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