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Prognose Getreideernte 2019

EU: Hohe Ernteprognosen drücken auf die Getreidepreise

Wintergetreide
am
01.05.2019

Die neue europäische Getreideernte wird größer als erwartet. Trotz der Trockenheit in einigen wichtigen Anbauregionen.

In ihrer aktuellen Prognose setzte die Europäische Kommission die Erwartungen für die neue europäische Getreideernte nach oben. Wenn das Wetter also nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung macht, müssen sich Landwirte wohl auf eine reltiv große Ernte einstellen.

Diese Erwartung spiegelt sich auch am europäischen Terminmarkt wider. Dort sind die Weizenpreise für die neue Ernte im April um 7 Euro auf nur noch 171 Euro/t gefallen. Für Futtergerste stehen die Preise ebenfalls unter Druck. Die neue Ernte kostet 9 Euro weniger als der die vordere Gerste. Beim Körnermais sind die Terminmarkt-Kurse für die neue Ernte im April um etwa 3 bis 4 Euro auf zuletzt 169 Euro/t abgesackt.

Der Raps hat sich im April hingegen deutlich erholt. Am der Terminmarkt sind Preise im Monatsverlauf um 14 Euro auf etwa 374 Euro/t gestiegen. Ein Grund ist die drastische Abwärtskorrektur der neuen europäischen Raps-Ernte um etwa 600.000 t auf nur noch 19,2 Mio. t.

Große Getreideernte und sehr wenig Raps

getreideernte

In der Mai-Prognose geht die EU-Kommission davon aus, dass die Anbauflächen bei Weichweizen, bei Wintergerste, Körnermais und Roggen größer sind als im vorigen Jahr. Im Vergleich zum Vormonat hat die Kommission die Anbauschätzungen bei Wintergerste nochmals etwas nach oben gesetzt. Kleinere Anbauflächen als im vorigen Jahr werden weiterhin bei Sommergerste, Hafer und Triticale gemeldet.

Die europäische Rapsfläche hat die Kommission bei ihrer Prognose um weitere 200.000 ha nach unten korrigiert. Das ist auch die Ursache für die kräftige Abwärts-Korrektur der erwarteten Rapsermte. Die Getreide- und Rapserträge schätzt die Kommission weiterhin auf ein gut durchschnittliches Niveau. Damit erreichen die Ernteprognosen im Vergleich zum Vorjahr weiterhin relativ hohe Werte und übertreffen auch das langjährige Mittel.

Die neue europäische Getreideernte (einschließlich Mais) schätzt die Kommission auf  knapp 310 Mio. t. Das wären rund 2 Mio. t mehr als im Vormonat erwartet wurden und etwa 20 Mio. t bzw. gut 7 Prozent mehr als im vorigen Jahr. Zugleich wäre dies die größte Getreideernte seit 2015. Die Kommission erwartet deshalb bei den Getreide-Beständen ein Plus von 5,1 Mio. t auf etwa 52 Mio. t. Die Exporte sollen um knapp 7 Mio. t auf 38,5 Mio. t wachsen.

Neue Weizenernte drückt auf die Preise

weizernte

Beim Weichweizen geht die Kommission von einer Ausweitung der Anbaufläche gegenüber dem vorigen Jahr um rund 650.000 ha auf etwa 23,71 Mio. ha aus. Die durchschnittlichen Weizenerträge werden etwa höher als im Vormonat auf  5,96 t/ha geschätzt. Daraus ergibt sich eine neue europäische Weizenernte von 141,3 Mio. t. Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein Plus von 1,2 Mio. t und gegenüber dem vorigen Jahr wäre dies ein Zuwachs von 12,7 Mio. t bzw. knapp 10 Prozent.

Damit steht im nächsten Wirtschaftsjahr deutlich mehr Weizen für den Export zur Verfügung. Die Kommission geht davon aus, dass die europäischen Weich-Weizenexporte um 4,5 Mio. t auf etwa 25,5 Mio. t zunehmen. Das wäre ein Plus von einem Fünftel. Die Endbestände sollen deshalb auch nur um 2 Mio. t wachsen. Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung soll wegen der größeren Erntemengen bei anderen Getreidearten hingegen um knapp 2 Mio. t schrumpfen.

Die Weizenpreise für die neue Ernte sieht der Terminmarkt derzeit bei knapp 171 Euro. Die vorderen Weizen-Kurse für den Maitermin werden immhin noch mit 184 Euro notiert. Das wäre für die neue Ernte ein weiterer Preisrückgang von 13 Euro. Noch im Januar hätte man die neue Ernte am Terminmarkt für 192 Euro absichern können.

Große Gerstenernte lässt Preise purzeln

gerstenernte

Die Anbaufläche von Gerste für die neue Ernte gibt die Kommission mit insgesamt 12,4 Mio. ha an. Dabei wird von der Kommission leider nicht zwischen Winter- und Sommergerste unterschieden. Die Länderdaten zeigen jedoch eine Ausweitung des Wintergersten-Anbaus auf den im vorigen Herbst nicht bestellten Rapsflächen. Hinzu kommt oftmals eine Reduzierung des Sommergerstenanbaus.

In der Summe ist die gesamte Gerstenfläche zum Vorjahr etwas größer. Die Gerstenerträge sieht die Kommission derzeit unverändert bei 4,92 t/ha. Damit würde sich eine Gesamternte von knapp 61 Mio. t ergeben. Das sind immerhin 5 Mio. t mehr als im vorigen Jahr. Den Gerstenexport schätzt die Kommission für die neue Saison auf sehr gute 8,8 Mio. t im Vergleich zu 7,1 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr. Der Futterverbrauch wird rund 3 Mio. t höher eingeschätzt als im vorigen Jahr. Die Endbestände sollen um 2 Mio. t auf 8,5 Mio. t anwachsen.

Die Preise für Futtergerste sind im April weiter gefallen und die neue Ernte kostet nochmals deutlich weniger. Am norddeutschen Exporthafen in Hamburg wird Futtergerste derzeit mit 171 Euro/t gehandelt. Das sind 35 Euro/t (!!!) weniger als noch im Januar gezahlt wurden. Für die neue Ernte liegen die Angebotspreise in Hamburg bei 162 Euro und damit nochmals 9 Euro unter den aktuellen Kursen.

Sehr kleine Rapsernte stützt die Preise

Rapsernte

Die Rapsfläche für die neue Ernte gibt die Kommission nur noch mit 6,03 Mio. ha an. Das sind nochmals rund 200.000 ha weniger als bei der vorigen Prognose und sogar 900.000 ha weniger als im vorigen Jahr. Grund für die weitere Flächenkorrektur ist ein aus Rumänien gemeldeter Anbaurückgang um 200.000 ha auf nur noch 1,21 Mio. ha. Im Vergleich zum vorigen Jahr sind die Anbauflächen damit in den meisten wichtigen Anbauländern (außer in Polen und im Vereinigten Königreich) geschrumpft.

Die durchschnittlichen Rapserträge werden etwa wie im Vormonat auf 3,18 t/ha geschätzt. Daraus ergibt sich eine neue europäische Rapsernte von 19,2 Mio. t. Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein Minus von knapp 0,6 Mio. t und gegenüber  dem vorigen Jahr wäre dies ein Rückgang von 1,1 Mio. t bzw. knapp 5 Prozent.

Außerdem wär die kleinste Rapsernte seit gut 10 Jahren. Die Kommission geht dennoch davon aus, dass die europäischen Raps-Importe um 0,5 Mio. t auf etwa 3,8 Mio. t schrumpfen. Grund ist ein deutlicher niedriger erwarteter Verbrauch.

Die Preise für die neue Ernte notierte der Terminmarkt zuletzt bei rund 374 Euro. Das waren 13 mehr als vor vier Wochen. Am Hamburger Hafen liegen die aktuellen Rapspreise kurz vor dem Monatswechsel bei 365 Euro und im Mannheim werden für den Maitermin 370 Euro notiert.

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