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MARS-Crop-Monitoring

EU: Miese Getreideernte – Trockenheit schlimmer als 2019

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am Dienstag, 19.05.2020 - 11:11 (Jetzt kommentieren)

Die europäische Getreideernte schrumpft. Schuld ist das Wetter – oder anders gesagt: Trockenheit und Kälte.

Mitte Mai hat die Crop-Monitoring-Agentur der EU (MARS) die Ertragsprognosen für fast alle Kulturen nach unten korrigiert. Am deutlichsten sind die Ertragseinbußen für Raps, Wintergerste und Winterweizen.

Bei Sommergerste wurde die Abwärtskorrekturen in einigen Ländern durch höhere Erträge in Spanien ausgeglichen. Bei den übrigen Sommerkulturen hat die Saison gerade erst begonnen, und die meisten Prognosen basieren lediglich auf historischen Trends oder Durchschnittswerten.

In weiten Teilen West- und Mitteleuropas waren die Wetterbedingungen im Mai ähnlich schlecht wie im April: MARS meldet überdurchschnittliche Temperaturen, hohe Sonneneinstrahlung und unzureichende Niederschläge. Die Bodenfeuchtigkeit für das Wachstum von Winter- und früh gepflanzten Sommerkulturen ist in vielen Regionen zu gering.

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Viel zu wenige Regen und später Frost - schlimmer als 2019

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Für weite Teilen West- und Mitteleuropas meldet MARS große Niederschlagsdefizite. Betroffen sind insbesondere Ostfrankreich, der Osten des Vereinigten Königreichs, die Benelux-Länder, die nördliche Hälfte Deutschlands und Westpolen. Hinzu kommen Südtschechien, Österreich, Ostitalien und Ungarn. Überall dort waren die Wetterbedingungen ähnlich ungünstig wie im April.

Regional gab es zuletzt zwar einige Niederschläge, im Allgemeinen reichte die Niederschlagsmengen aber nicht aus, um die Bodenfeuchtigkeit wieder aufzufüllen oder aufrechtzuerhalten, berichtet MARS. Infolgedessen verlangsamte sich die Zunahme von Pflanzenbiomasse -bzw. das Ertragspotential verschlechterte sich. Dabei waren die Bedingungen überwiegend schlechter als 2019.

Darüber hinaus wird in den meisten dieser Regionen in den kommenden Tagen wenig oder kein Regen prognostiziert, obwohl sich das Wintergetreide dem empfindlichen Blühstadium nähert. Im Fall von Raps fielen die Bedingungen des Wasserstresses teilweise mit der Blüte und der frühen Füllung der Körner zusammen.

Zum Ende des Berichtszeitraums gab es zudem einen Kaltlufteinbruch mit Nachtfrösten hauptsächlich in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Ländern. Abhängig von den örtlichen Klimabedingungen sind Frostschäden bei Sommerkulturen, blühendem Raps, Dauerkulturen und Weinbergen möglich, berichtet MARS.

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Frankreich, Deutschland, Polen – mit ähnlichen Sorgen

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In Nordostfrankreich spiegelt sich der ungünstige Start der Sommerkulturen und die Verlangsamung der Entwicklung der Winterkulturen in einem Ertragspotential wider, dass niedriger ist als gewöhnlich. In den nördlichen und nordwestlichen Regionen Frankreichs ist die Entwicklung der Winterkulturen aufgrund von Niederschlägen etwas besser.

In Deutschland hat sich die Entwicklung der Winterkulturen aufgrund einer Kombination aus niedrigen Temperaturen und geringer Bodenfeuchtigkeit verlangsamt. Seit Anfang Mai haben einige Niederschläge dazu geführt, dass die Bedingungen sich regional leicht verbessert haben.

In Polen sind die Erntebedingungen ähnlich wie in Deutschland, aber die Verlangsamung des Pflanzenwachstums ist aufgrund der sehr geringen Bodenfeuchtigkeit stärker ausgeprägt. Die Winterkulturen sind aber relativ weit entwickelt und die jüngsten Niederschläge haben die Bedingungen etwas verbessert. Dennoch sind auch in Polen mehr Niederschläge erforderlich, um das Wachstum der Pflanzen aufrechtzuerhalten.

Im Baltikum und in Finnland wurde das Wachstum der Winterkulturen durch eine seit April günstige Niederschlagsverteilung unterstützt. In Mitteleuropa, also der Slowakei, der Tschechischen Republik, Österreich und Ungarn, sind die anhaltenden trockenen Bedingungen ähnlich schwierig wie 2019.

In der Ukraine kam der Regen noch rechtzeitig

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In den westlichen Regionen Rumäniens und Bulgariens sind die Winterkulturen trotz der Trockenheit im April gut entwickelt, schreibt MARS. In den östlichen Regionen führte das anhaltende Niederschlagsdefizit jedoch schon zu sichtbaren Schäden an den Winterkulturen. Der Niederschlag im Mai hat den Ertragsverlust nur teilweise abgemildert.

In der Ukraine kam das Niederschlagsdefizit im Mai hingegen zum Stillstand, berichte MARS. Der bis dahin aufgetretene Mangel an Niederschlägen und die warmen Temperaturen verringerten aber die Feuchtigkeit des Oberbodens. Der Boden hatte jedoch noch ausreichend Feuchtigkeit für das Wachstum der Winterkulturen.

Im Vereinigten Königreich wurde die Anbaufläche von Wintergetreide deutlich verringert. Diese Verringerung wurde durch eine Ausweitung der Fläche von Sommergetreide kompensiert, dass sich gut entwickelt und von den Niederschlägen Ende April und Anfang Mai spürbar profitiert hat.

In Spanien weisen die Winterkulturen aufgrund anhaltender Niederschläge und warmen Wetters günstige Wachstumsbedingungen auf. In Süditalien verursachten kältere Temperaturen bis Mitte April eine Verlangsamung des Pflanzenwachstums, doch es fielen ausreichend Niederschläge, schreibt MARS.

Mit Material von JRC MARS Bulletin Vol. 28 No 5
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