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Prognose Getreideernte 2019

EU: Neue Getreideernte drückt auf die Preise

Winterweizen
am Montag, 08.04.2019 - 14:18

Die neue europäische Getreideernte wird groß. Da haben die Preise nicht viel Luft.

In ihrer aktuellen Prognose ändert die EU-Kommission ihre Einschätzung kaum. Wenn das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht, wird das wohl auch bis zur Ernte so bleiben.

Die Erwartung spiegelt sich weiterhin am europäischen Terminmarkt wider. Dort liegen die Preise für Weizen der neuen Ernte deutlich unter den aktuellen Kursen. Auch für Futtergerste ist die Preiserwartung für die neue Ernte erheblich niedriger als im aktuellen Wirtschaftsjahr.

Beim Mais liegen die Kurse für die neue Ernte hingegen auf dem aktuellen Niveau. Beim Raps geht der Terminmarkt von ähnlich schlechten Preisen aus wie in dieser Saison. Und dass obwohl die neue die Rapsernte ähnlich klein ausfallen dürfte wie 2018.

Getreideernte deutlich über 300 Mio. t

Getreideernte EU

In ihrer April-Prognose für die Ernte 2019 geht die EU-Kommission davon aus, dass die Anbauflächen bei Weichweizen, bei Wintergerste, Körnermais und Roggen ausgeweitet wurden beziehunsgweise werden. Anbaurückgänge werden bei Sommergerste, Hafer und Triticale angenommen. Die europäische Rapsfläche ist wegen der Witterungsbedingungen im vorigen Herbst erheblich kleiner.

Die Getreide- und Rapserträge schätzt die Kommission weiterhin auf ein durchschnittliches Niveau. Damit erreichen die Ernteprognosen im Vergleich zum Vorjahr jedoch relativ hohe Werte. Die europäische Gesamternte von Getreide (einschließlich Mais) schätzt die Kommission im April auf knapp 308 Mio. t. Das wären 18 Mio. t bzw. knapp 6 Prozent mehr als im vorigen Jahr.

Zugleich wäre dies eine ähnlich große Getreideernte wie 2017. Die Kommission erwartet bei den Beständen ein Plus von 4 Mio. t auf 52 Mio. t. Die Exporte sollen um 8,5 Mio. t auf 38,4 Mio. t wachsen.

Neue Weizenernte drückt auf die Preise

weizenernte

Beim Weichweizen geht die Brüsseler Behörde von einer Ausweitung der Anbaufläche um rund 650.000 ha auf etwa 23,71 Mio. ha aus. Die durchschnittlichen Weizenerträge werden auf 5,9 t/ha geschätzt. Daraus ergibt sich eine neue europäische Weizenernte von gut 140 Mio. t. Im Vergleich zum vorigen Jahr wäre dies ein Zuwachs von 11 Mio. t bzw. knapp 9 Prozent.

Damit steht im nächsten Wirtschaftsjahr deutlich mehr Weizen für den Export zur Verfügung. Die Kommission geht davon aus, dass die europäischen Weich-Weizenexporte um 6,5 Mio. t auf 25,5 Mio. t zunehmen. Das wäre ein Plus von einem Drittel. Die Endbestände sollen deshalb sogar leicht zurückgehen. Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung soll wegen der größeren Produktion bei anderen Getreidearten eher unverändert bleiben.

Die Weizenpreise für die neue Ernte sieht der Terminmarkt derzeit bei knapp 177 Euro/t. Die vorderen Weizenkurse für den Maitermin werden mit 189 Euro notiert. Das wäre für die neue Ernte ein Preisrückgang von 12 Euro. Noch im Januar hätte man die neue Ernte am Terminmarkt für 190 Euro absichern können.

Gute Gersteernte erlaubt mehr Exporte

gerstenernte

Die Anbaufläche von Gerste für die neue Ernte gibt die Kommission mit insgesamt 12,3 Mio. ha an. Dabei wird in der Statistik leider nicht zwischen Winter- und Sommergerste unterschieden. Viele Länderdaten zeigen jedoch eine Ausweitung des Wintergerstenanbaus auf den im vorigen Herbst nicht bestellten Rapsflächen. Hinzu kommt die oft geplante Reduzierung der Sommergerstenfläche. In der Summe ist die gesamte Gerstenfläche deshalb zum Vorjahr nicht verändert.

Die Gerstenerträge sieht die Kommission derzeit bei 4,9 t/ha. Damit würde sich eine Gesamternte von gut 60 Mio. t ergeben. Das sind immerhin rund 4 Mio. t Gerste mehr als im vorigen Jahr. Den Gerstenexport schätzt die Kommission für die neue Saison auf sehr gute 8,8 Mio. t im Vergleich zu 7,5 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr. Der Futterverbrauch wird relativ stabil eingeschätzt. Die Endbestände sollen kräftig von 6 Mio. t auf fast 11 Mio. t anwachsen.

Die Preise für Futtergerste sind seit Februar kräftig gefallen und auch die neue Ernte wird deutlich weniger kosten. Am norddeutschen Exporthafen in Hamburg wird Futtergerste derzeit mit 173 Euro/t gehandelt. Das sind 36 Euro/t weniger als noch im Januar gezahlt wurden. Zu diesem Zeitpunkt war Futtergerste sogar teurer als Futterweizen, der aktuell in Hamburg mit 195 Euro notiert wird.