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Rapsernte und Rapspreise

EU: Schlechteste Rapsernte seit 14 Jahren

Rapsfeld
am Dienstag, 30.06.2020 - 12:35 (Jetzt kommentieren)

Die europäische Rapsernte schrumpft weiter. Sie wird kleiner als die katastrophale Ernte aus dem Vorjahr.

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Zu diesem Ergebnis kommt das europäische Analystenhaus Strategie Grains in einer aktuellen Prognose. Gleichzeitig würden die europäischen Landwirte damit die kleinste Rapsernten seit dem Jahr 2006 einbringen – also seit 14 Jahren.

Die Europäische Kommission hatte ihre Ernte-Prognose vor einigen Tagen ebenfalls weiter gesenkt. Sie liegt damit aber noch knapp über dem katastrophalen Vorjahresniveau. Die europäischen Rapsimporte aus der Ukraine und aus Kanada könnten vor diesem Hintergrund neue Rekordwerte erreichen, glaubt Strategie Grains.

Die Rapspreise sind vor dem Hintergrund der schrumpfenden Ernteprognosen am europäischen Terminmarkt zeitweise über 380 Euro je Tonne geklettert – haben zuletzt aber wieder etwas nachgegeben.

Dabei liegen die Gründe für die Preisbewegung beim Raps offenbar viel stärker bei den Preisvorgaben von Sojabohnen und Palmöl – und nur in begrenztem Umfang an den Ernteprognosen für die Europäische Union.

So wenig Raps wie seit 14 Jahren nicht mehr

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Die Analysten von Strategie Grains haben ihre Prognose für die diesjährige Rapsernte in der Europäischen Union erneut gesenkt und die Ernte – einschließlich Großbritannien – auf 16,54 Millionen Tonnen gegenüber 16,68 Millionen Tonnen vor einem Monat gesenkt. Das ist eine weitere Rücknahme der Erntemenge um 140.000 Tonnen und die sechste monatliche Kürzung der EU-Rapsernteprognose in Folge.

Damit bestätigen die Analysten außerdem die Erwartung, dass die diesjährige Ernte noch unter den sehr schlechten Wert des vorigen Jahres fallen wird. Gleichzeitig würden die europäischen Bauern die kleinste Erntemenge seit 2006 von den Feldern holen. "Die Rapsproduktion in der EU wurde ein weiteres Mal auf nur noch 16,5 Millionen Tonnen gesenkt, da die Regenfälle im Juni zu spät kamen, um die Bedingungen für Raps in westlichen und südöstlichen EU-Ländern zu verbessern", heißt es in dem Bericht der Analysten. "Die Bedingungen in den nördlichen EU-Ländern sind jedoch gut."

Allerdings ist der Raps in weiten Teilen Europas auch von Insektenschäden betroffen, heißt es weiter. Ohne das Vereinigte Königreich, wo die Ernte in diesem Jahr wegen einer deutlichen Flächenreduzierung, von 1,75 Millionen Tonnen auf nur noch 1,27 Millionen Tonnen schrumpft, beträgt die europäische Rapsernte nach Strategie Grains nur noch 15,27 Millionen Tonnen. Damit ist die Strategie Grains-Prognose auch 138.000 Tonnen kleiner als die aktuelle Ernteschätzung der EU-Kommission von 15,41 Millionen Tonnen.

Importe auf Rekordhoch – Preise bleiben unten

Rapskörner

Wegen der weiter nach unten korrigierten Erntemenge, hat Strategie Grains auch seine Prognose für EU-Rapsimporte in der neuen Saison 2020/21 auf einen Rekordwert von 6,2 Millionen Tonnen erhöht. Die Europäische Kommission ging zuletzt von Rapsimporten von 5,5 Millionen Tonnen aus, während man für die laufende Saison noch ein Importvolumen von 6,0 Millionen Tonnen erwartetet.

Der wichtigste Lieferant für den europäischen Markt ist die Ukraine – mit großem Abstand vor Kanada und Australien. Allein Deutschland hat in dieser Saison 1,1 Millionen Tonnen Raps in Drittländern gekauft und erwartet nach der Schätzung des deutschen Raiffeisenverbandes – wegen einer Anbauausweitung – mit 3,2 Millionen Tonnen eine etwas größere Ernte als im vorigen Jahr mit 2,8 Millionen Tonnen.

Die Rapspreise pendeln am europäischen Terminmarkt – nach einem kurzeitigen Zwischenhoch Mitte Juni von mehr als 380 Euro je Tonnen – derzeit um die Marke von 375 Euro je Tonne, mit leicht steigender Tendenz für die späteren Termine. Am Kassamarkt kostetet die überhaupt noch verfügbare Ware der alten Ernte etwa ähnlich viel.

Am Hamburger Großmarkt werden für den dort angelieferten Raps derzeit 373 Euro je Tonnen geboten. In Mannheim liegen die Preisangebote bei 374 Euro je Tonne und am Mittellandkanal bei 372 Euro je Tonne.

An den Schwarzmeerhäfen wird der Raps derzeit für 424 USD je Tonnen (375,5 Euro) verladen – und kostet damit nur wenig mehr als in Europa. Gleichzeitig sind die ukrainischen Preise derzeit etwa 15 USD je Tonne höher als Anfang Juni.

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